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Saudi-Arabien: Menschenrechte enthauptet

Pays : Arabie Saoudite

Tags : Arabie Saoudite, Peine de mort, droits de l'homme


Saudi-Arabien vollstreckt nach China und dem Iran die meisten Todesstrafen. Nun hat das Land hat den Vorsitz eines Gremiums übernommen, dass Menschenrechts-Experten für die Vereinten Nationen vorschlagen soll. 
 

"Skandalös", so beschreibt es Hillel Neuer. Der Direktor der NGO "UN Watch", die die Aktivitäten und Beschlüsse der UNO kritisch beleuchtet, kann nur schwer nachvollziehen, dass die Vereinten Nationen den Vorsitz des Gremiums an das Land anvertrauen, dass in diesem Jahr mehr Menschen geköpft hat als die Terrororganisation Islamischer Staat.

 

"Derjenige, der die Menschenrechte verletzt, soll enthauptet werden!"

 

 

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Saudi-Arabien richtet wie der "Islamische Staat" - Spiegel.de liefert den Vergleich.

Enthaupten ist in Saudi-Arabien gängige Praxis. Mit öffentlichen Hinrichtungen wird Mord, Verrat, Homosexualität, Gotteslästerung geahndet. Auch Personen, die sich vom Islam abwenden, droht der Säbelschlag. Dabei folgt Saudi-Arabien einer besonders strengen Auslegung des Islams, dem Wahabismus. Außerdem hat das Land, genau wie die Terrororganisation Islamischer Staat keine schriftlich niedergelegte Strafgesetzgebung.  

 

Nach Raif Badawi, Ali Mohammed al-Nimr

Ali Mohammed al-Nimr soll in Kürze enthauptet werden. Der Blogger war 17 Jahre alt, als er gegen die Regierung protestierte. Im Februar 2012 wurde er festgenommen und am 15. Oktober 2014 zu Tode verurteilt. Unter anderem wurden folgende Anklagepunkte verlesen: Unredlichkeit gegenüber des Staatschefs, Aufruf zu Demonstrationen, dem Umsturz des Regimes und einem fanatischen Konflikt. In der letzten Instanz hat nun ein Gericht sein Gnadengesuch abgelehnt. Der heute 20-jährige al-Nimr soll in den kommenden Wochen zuerst geköpft, dann gekreuzigt werden. Seine Leiche wird dann für mehrere Stunden zur Schau gestellt. 

 

Alle zwei Tage eine Hinrichtung

Prozesse wie seiner, in dem – wie The Independent berichtet – keinerlei oder ungenügende Beweise vorgebracht wurden, sind laut Amnesty International keine Seltenheit. Oft stützen sie sich auf Geständnisse, die unter Folter zustande kamen. Die Menschenrechtsorganisation meldet, dass der Henker zwischen August 2014 und Juni 2015 mindestens 175 Mal zum Einsatz kam. Im Durchschnitt wurde also an jedem zweiten Tag ein Mensch hingerichtet.

 

#FreeNimr

Die internationale Bestürzung über Hinrichtungen wie die von al-Nimr, schallt vor allem über die sozialen Netzwerke. Unter #OPNimr verbreitet das Kollektiv Anonymous ein Youtube-Video, das die Öffentlichkeit aufrütteln soll. Menschenrechtler machen auf Twitter mit den Hashtags #FreeNimr und #AliMohammedAlNimr Kampagne. Doch nachdem Saudi-Arabien der Welt bereits im Fall von Blogger Raif Badawi klar mitteilte, es akzeptiere keine Einmischung in seine Angelegenheiten, scheint der Aufschrei für Ali Mohammed al-Nimr politisch leiser auszufallen.

 

Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien sind traditionell eng und im Allgemeinen spannungsfrei"

 

Öl und Waffen

Das schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite. Glaubt man Hillel Neuer von "UN Watch", könnten die Petrodollars und die Politik die Menschenrechte ausgestochen haben. Denn die wirtschaftlichen Interessen sind nicht nur für Frankreich, Saudi-Arabiens größtem europäischen Waffenlieferanten, von großer Bedeutung. Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland betrug 2014 etwa 10 Milliarden Euro. 

 

 

Dernière màj le 8 décembre 2016