Zypern – der Traum von der Wiedervereinigung

Länder: Zypern

Tags: Yourope

Ein wiedervereinigtes Zypern: Traum oder realistische Möglichkeit? Yourope ist unterwegs auf der Mittelmeerinsel und trifft junge Zyprer von beiden Seiten, die sich um die Wiedervereinigung bemühen – zu Lande, zu Wasser und manchmal in der Luft.

Samstag, 22. Oktober

14.00

Yourope

Seit der deutschen Wiedervereinigung ist Nikosia die letzte geteilte Hauptstadt der Welt. 

 

Yourope - émission complète
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Im Programme dieser Woche :

 

 

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Cyclist across Barriers: Radeln für den Frieden

Eigentlich ist Constantinos Grundschullehrer, aber seit ein paar Jahren bietet er Radtouren durch Nikosia an. Nicht für Touristen, sondern für Einheimische. Constantinos selbst kommt von der griechischen Seite, aber er hat viele Freunde im türkischen Teil, die ihn bei den Touren unterstützen. Radtouren für Einheimische – warum ist das nötig? „Manche Leute haben immer noch Vorurteile und Angst, alleine auf die jeweils andere Seite zu gehen. Sie fühlen sich sicherer, wenn sie in der Gruppe sind und jemand dabei ist, der sich auskennt und die andere Sprache sprechen kann.“ Denn leider gibt es noch immer Hass und Diskriminierung im Alltag, erzählt Constantinos. So werden zum Beispiel regelmäßig Autos angegriffen, die von der türkischen Seite in den Süden fahren. Und hier kommen wieder die Fahrräder ins Spiel: die kann man nicht am Kennzeichen identifizieren. Auf dem Fahrrad ist jeder gleich.

 

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Vergangenheitsbewältigung: Das Komitee für Vermisste

Bis heute werden auf Zypern etwa 2000 Menschen vermisst – Opfer der Kämpfe Mitte der Sechziger bis Mitte der Siebziger Jahre, auf beiden Seiten. Die Überreste – irgendwo verscharrt auf der Insel. Seit zehn Jahren sucht das Komitee für Vermisste (CMP) nach ihnen. Interviewt Zeitzeugen, macht Ausgrabungen, versucht Knochen mit DANN-Test zu identifizieren. Christiana ist Archäologin beim CMP. Sie vermisst selbst einen Angehörigen: ihr griechisch –zyprischer Großvater ist 1974 verschwunden. „Es ist schwer, wenn man einen Verwandten vermisst“, sagt sie. „Man will nicht glauben, dass er oder sie tatsächlich tot ist. Will die Realität nicht akzeptieren und das macht es schwer, damit abzuschließen und zu verzeihen.“

 

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Studio 21: Tanzen gegen soziale Ungerechtigkeit

Alles fing damit an, dass Tanzlehrer Dervis vier Jungs helfen wollte, tanzen zu lernen. Er nahm sie mit zu den Tanzstudios, wo er damals gearbeitet hat, aber in keiner konnten sich die Jungen die Beiträge leisten -  es war einfach zu teuer. Der Hintergrund: gerade im türkischen Norden Zyperns leben viele sozial benachteiligte Familien. Die Lebenshaltungskosten sind hoch, die Löhne niedrig und hinzu kommt Diskriminierung. Um das zu ändern hat Dervis sein eigenes Tanzprojekt gegründet: Studio 21 im türkischen Teil von Nikosia. Und er ist so erfolgreich damit, dass seine Schüler es sogar ins Finale von „Turkey’s Got Talent“ geschafft hat.

 

Ugurs und Nikos Mega-Trip: Kiten einmal rund um Zypern

Elf Tage waren sie unterwegs, einmal rund um die ganze Insel. Und nichts konnte die beiden Kite-Surfer bremsen – außer die Grenzbeamten. Einige Male mussten Ugur und Nikos an Land gehen, um die sogenannten Checkpoints – denn Grenzen darf man sie aus politischen Gründen nicht nennen -  zu passieren. „Manchmal waren es nur 50 Meter“, erzählt Nikos. Er hat seine Surfschule im griechischen Süden, sein Freund Ugur versucht gerade, im Norden eine Kite-Schule aufzubauen.

 

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Der lange Arm Erdogans: wie der Norden Zyperns gegen Islamisierung kämpft

Die sogenannte türkische Republik Nordzyperns wird von keinem Land anerkannt – außer von der Türkei. Und der türkische Ministerpräsident Erdogan versucht schon seit längerem, in dem Teil der Insel mehr Einfluss zu gewinnen und das bedeutet in erster Linie Islamisierung. 26 Moscheen wurden in den vergangenen Jahren gebaut, 45 wurden renoviert. Zwar gehört der Islam seit Jahrhunderten zu Nordzypern, aber traditionell sind die Menschen hier nicht streng gläubig. Deshalb fürchten vor allem die Frauen, dass ihrem Land religiöse Regeln aufgezwungen werden und demonstrieren für ihre Freiheit.

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Verstehen ohne Worte: wie Theater über die Grenzen verbindet

Oya und Poly haben vieles gemeinsam – sie leben in Zypern, lieben Theater und Kunst. Aber sie sprechen verschiedene Sprachen: Oya kommt nämlich aus dem türkischen Norden und ihre Muttersprache ist türkisch, Poly kommt aus dem griechischen Teil.

„Es ist ein Generationen-Ding“, sagt sie. „Mein Großvater zum Beispiel hat in der Schule noch Türkisch gelernt. Er kann sich mit Oya unterhalten, ich leider nicht.“ Wenn sie sich unterhalten, sprechen sie Englisch. „Die Sprache des Landes“, sagt Oya. „Dass mehr oder weniger für die Teilung unseres Landes mitverantwortlich ist.“

Aber es gibt noch eine Sprache, die jeder versteht: Körpersprache. Und darauf basiert auch Oyas und Polys Idee eines Theaterworkshops. Zyprer von beiden Seiten kommen zur Rooftop Youth Company, um gemeinsam zu spielen. Ganz ohne Worte.