|

Zuchtlachs - alles, nur nicht gesund

Länder: Norwegen

Tags: Lachszucht, Pestizide

Seit die französische Fernsehsendung Envoyé Spécial im November 2013 auf die gesundheitlichen Risiken von Zuchtlachs hinwies, ging der Lachskonsum in Frankreich deutlich zurück. Und immer mehr Studien beweisen: Fische aus Aufzuchtstationen sind stärker chemisch belastet als ihre wilden Artgenossen.

 

Lachs ist eine beliebte Festtagsspeise – nicht nur in Frankreich sondern in ganz Europa. Dennoch ging sein Konsum in den letzten zwei Jahren deutlich zurück: der von frischem Lachs 10 %, der von Räucherlachs gar um 13 %. Dies liegt unter anderem daran, dass immer mehr Studien gesundheitsschädliche und krebserregende Stoffe in Zuchtfischen nachweisen. Lachs wird seit rund zwanzig Jahren in Europa in Massentierhaltung gezüchtet, um ihn in großen Mengen und zu geringen Preisen anbieten zu können.

 

Massentierhaltung im Meer

Alles begann 1960: Damals sollte die die Lachszucht noch dazu dienen, nach der Überfischung der vorhergehenden Jahre die Fischbestände in Meeren und Flüssen wieder aufzustocken. Junge Fische wurden in Becken herangezogen und anschließend freigelassen. Doch die Versuchung, manche Tiere bis ins Erwachsenenalter im Aufzuchtbecken zu behalten, wurde schnell zu groß – und der wirtschaftliche Nutzen dieser Praktik offensichtlich. Vor allem in Schottland, Norwegen, an der amerikanischen Nordküste und in Chile wurde Lachs bald in großen Mengen produziert. Die Aufzuchttechniken wurden perfektioniert und die Fischfarmen zu regelrechten Massenproduktionsstätten ausgebaut, in denen jährlich bis zu hundert Millionen Fische heranwuchsen.

Heute stammen 93 % aller verkauften Atlantiklachse aus Aufzuchtstationen, dagegen nur 7 % aus dem offenen Meer. Dabei werden die „gigantischen Fischfarmen“ von Umweltschutzorganisationen stark kritisiert. In diesen Farmen verbringen die Lachse ihre ersten sechs Lebensmonate; dann werden sie in schwimmende Käfige im freien Meer übergesetzt, wo sie weitere zehn Monate lang leben. Jeder Käfig enthält bis zu 50 000 Lachse. Sobald ein Fisch ausgewachsen ist, wird er getötet und direkt verarbeitet, um den langen Weg auf den Teller so unbeschadet wie möglich zu überstehen. 

 

Chemie gegen Schädlinge

Das enge Dasein in den kleinen Käfigen macht die Fische anfällig für Parasiten, vor allem für die tödliche „Lachslaus“. Diese bekämpft man mit Diflubenzuron, einem Insektizid, dessen Einsatz in der europäischen Landwirtschaft verboten ist. Die Einfuhr der mit dem giftigen Stoff behandelten Lachse ist jedoch erlaubt, wenn ihre Behandlung mindestens hundert Tage vor ihrem Markteintritt stattgefunden hat.

Eine Restriktion, die von der Environmental Protection Agency (EPA) als sinnlos und gar gefährlich bezeichnet wird – denn Diflubenzuron wird in den Eingeweiden des Fisches in den toxischen Stoff 4-Chloroanilin (PCA) umgewandelt, der als äußerst krebserregend gilt.

Gefährlich ist auch Ethoxyquin, das man dem Fischfutter beimischt, um die Oxydierung der Lachse während des Transportes zu verhindern. 2013 hatte die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) zugestanden, die Auswirkungen des Stoffes auf die menschliche Gesundheit mangels ausreichender Datenmengen nicht einschätzen zu können. Als Schädlingsbekämpfungsmittel ist Ethoxyquin in der Europäischen Union jedoch untersagt.

 

Die Suche nach dem „Superlachs“

Das Projekt AquAdvange der Firma AquaBounty Technologies aus Massachusetts (USA) arbeitet an der Entwicklung eines gentechnisch veränderten Lachses made in USA. Dafür kombinieren die Forscher die Gene des Lachses mit denen des Aals, um ein schnelleres Wachstum zu erreichen. Zudem lege der „Frankenfish“, wie er von seinen Schöpfern genannt wird, zwei Mal so schnell an Gewicht zu wie ein normaler Lachs. Der Firma zufolge ist das Tier eine „nachhaltige Alternative zu Zuchtlachs“. Die amerikanische Lebensmittelbehörde „Food and Drug Administration“ verlangte jedoch, die genmanipulierten Lachse ausschließlich in Wasserbecken und nicht in Seekäfigen zu halten, um eine Ausbruchsgefahr und das Risiko einer Kreuzung mit Wildlachsarten zu verringern. Sollten den Kolossen die Flucht in die Natur gelingen, könnten sie Experten zufolge die Meeresökosysteme völlig aus dem Gleichgewicht bringen.   

Céline Peschard

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017