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Palmyra: Massengrab mit 42 Leichen entdeckt

Länder: Syrien

Tags: Archäologie, Terrorismus, Islamischer Staat, Palmyra

Nach der Rückeroberung Palmyras von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat die syrische Armee in der historischen Wüstenstadt ein Massengrab mit 42 Leichen entdeckt. Welche historischen Stätten sind in Syrien und im Irak insgesamt in Gefahr? Ein Überblick.

 

Als die Soldaten des syrischen Regimes nach der Rückeroberung der Oasenstadt Palmyra durch die menschenleeren Straßen zogen, fanden sie zerstörte Wohnbezirke vor und einen Baal-Tempel, der in Trümmern lag. Immerhin scheint ein Großteil der Altstadt noch intakt zu sein. Am Montag begannen Experten damit, die Zerstörungen zu begutachten. Vor dem Krieg lebten in Palmyra 70.000 Menschen. 


Restauration mithilfe der UNO

Der Direktor der syrischen Altertümerverwaltung, Maamun Abdulkarim, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, er habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Er habe aber eine Landschaft angetroffen, die sich im Großen und Ganzen in einem guten Zustand präsentierte. Viele der wichtigsten Ruinen seien nur leicht beschädigt, bei anderen Altertümern könnten die herumliegenden Trümmer wieder eingesammelt werden, sagte Abdulkarim Abdulkarim. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die beschädigten Bauten mithilfe der UNO innerhalb von fünf Jahren restauriert werden können.

 

Unsere interaktive Karte listet die Stätten im Irak und in Syrien auf, die offiziell zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen oder auf der Liste der Kandidaten stehen. Die Stätten in Rot wurden bereits zerstört oder sind unmittelbar von einer Zerstörung bedroht. Die grünen Stätten wurden bisher verschont oder von Zerstörungen ist nichts Genaueres bekannt. Die graue Zone markiert das Einflussgebiet der Dschihadisten des "Islamischen Staates." Für mehr Informationen klicken Sie auf das Menü oben links und auf die einzelnen Icons.

 

 

Rückeroberung nach blutigen Gefechten

Der syrischen Armee war es am Sonntag mithilfe der russischen Luftwaffe sowie der libanesischen Hisbollah-Miliz nach wochenlangen, blutigen Kämpfen gelungen, Palmyra vollständig von der Terrormiliz "IS" zurückzuerobern. Die Truppen des "IS" hatten Palmyra etwa vor einem Jahr erobert. In den folgenden Monaten schockierte die Miliz die Welt mit brutalen Hinrichtungen in den Ruinen der Stadt sowie mit der Zerstörung zweier bedeutender Tempel, des berühmten Triumphbogens und zahlreicher Grabmäler. 

 

Ein Prestigeerfolg für Assad

Syriens Präsident Baschar al-Assad interpretierte die Rückeroberung der Stadt als "Beweis der Effizienz" seiner Armee. Russlands Staatschef Wladimir Putin rief Assad an, um ihm zu gratulieren. Putin habe dabei betont, wie wichtig der Erhalt der historischen Stadt sei, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow laut russischen Nachrichtenagenturen. Assad wiederum habe Putin für die russische Hilfe gedankt. 

Die Offensive zur Rückeroberung von Palmyra hatte Anfang März begonnen. Seitdem wurden nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 400 Dschihadisten getötet. Auf der Gegenseite starben demnach fast 190 Soldaten und regierungstreue Milizionäre. Die Armee will nun von Palmyra aus den "IS" weiter schwächen und dessen Hochburg Rakka sowie Deir Essor angreifen. Auch im Irak steht die Terrormiliz unter hohem Druck.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016