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Anschlag in Gaziantep: Mindestens 54 Tote

Länder: Türkei

Tags: Gaziantep, Terror, Anschlag

Bei einem Anschlag auf eine Hochzeitsfeier im türkischen Gaziantep sind 54 Menschen gestorben, 69 wurden verletzt. Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) als "wahrscheinlicher Urheber" der Tat. Das Attentat ist das bislang blutigste in der Türkei in diesem Jahr.

Terrible attentat à Gaziantep, dans le sud-est de la Turquie
Attentat in Gaziantep: Mindestens 51 Tote Attentat in Gaziantep: Mindestens 51 Tote Attentat in Gaziantep: Mindestens 51 Tote

Die Hochzeitsfeier in Gaziantep im Südosten der Türkei neigte sich ihrem Ende zu, als es zur Explosion kam. Sie riss mindestens 51 Menschen in den Tod. "Ich sprach gerade mit meinem Nachbarn. Er ist gestorben, bei der Explosion ist er auf mich gefallen. Wenn das nicht passiert wäre, wäre ich tot" zitiert die Zeitung Hürriyet eine der Verletzten. Insgesamt wurden 69 Menschen ins Krankenhaus gebracht. 17 von ihnen schweben noch in Lebensgefahr, verkündete Präsident Erdogan am Sonntag. 

Erste Hinweise deuten auf ein Selbstmordattentat, am Tatort wurden Reste eines Sprengstoffgürtels gefunden. Ein Kind zwischen 12 und 14 Jahren soll den blutigen Anschlag verübt haben, so Erdogan. Dabei ist noch unklar, ob sich das Kind selbst in die Luft gesprengt hat oder ob der Sprengsatz per Fernzünder ausgelöst wurde. Für die Türkei, die seit einem Jahr von mehreren Attentaten getroffen wurde, wäre es der erste Anschlag, der von einem Kind oder Jugendlichen verübt wurde.

 

Bisher kein Bekennerschreiben

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Sonntag, dass erste Hinweise auf die Terrormiliz IS als Drahtzieher des Anschlags hindeuteten. Dennoch mache er bei der terroristischen Bedrohung "keinen Unterschied" zwischen dem IS, der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Gülen-Bewegung, die von der Regierung für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich gemacht wird. Vize-Regierungschef Mehmet Simsek verurteilte den "barbarischen Angriff" auf die Hochzeitsgesellschaft. "Das Ziel dieses Terrors ist es, die Menschen zu verängstigen, aber wir werden das nicht zulassen", sagte Simsek im türkischen Fernsehen. 

In einem Kondolenzschreiben an Ministerpräsident Yildirim sprach Merkel von "feiger und hinterhältiger Gewalt". Die Bundesregierung stehe "im Kampf gegen den Terrorismus weiter eng an der Seite der Türkei". Der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte die "Grausamkeit" und den "Zynismus" des Anschlags, US-Botschafter John Bass versprach Ankara eine weitere enge Zusammenarbeit im "Kampf gegen die terroristische Bedrohung". Papst Franziskus forderte die Gläubigen dazu auf, für die Opfer des Anschlags zu beten.

 

Viele der Opfer sind Kurden

Auch die türkische Kurdenpartei HDP verurteilte die Tat. Die Explosion ereignete sich in einem Viertel mit zahlreichen kurdischen Einwohnern. Nach Angaben der HDP waren auch einige ihrer Mitglieder anwesend. "Viele Kurden haben ihr Leben verloren", erklärte die Partei. Der Chef der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, sagte, das Ziel seien Kurden und der Bräutigam, ein HDP-Mitglied, gewesen. Nach Medienberichten überlebten Braut und Bräutigam verletzt. Viele Dschihadisten sehen die Kurden als ihre Feinde an; kurdische Milizen spielen eine wichtige Rolle im Kampf gegen den IS im benachbarten Syrien.

 

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