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Youtuber gegen Islamismus

Länder: Deutschland

Tags: YouTube, Islamismus, Blog

Ende September soll die Kampagne online sein. Bekannte Youtuber wie LeFloid oder MrWissen2go wollen ihre Anhänger und Follower zum Thema Islam aufklären. In den Videos soll der von den Extremisten propagierten, reduzierten Lesart von Koran und Islam ein differenzierteres Bild entgegengesetzt werden. Zielgruppe sind Jugendliche mit sogenannten Ausgrenzungserfahrungen, die den islamistischen Seelenfängern im Netz ins Netz gehen könnten.

Die islamistischen Terrorgruppen schöpfen alle Möglichkeiten der neuen Medien aus, um weltweit Anhänger zu rekrutieren. Sie verbreiten gewaltverherrlichende Videos auf Youtube oder DailyMotion, bespielen terrorismusaffine  Websites, Blogs und Diskussionsforen, nutzen Skype, WhatsApp, Facebook oder Twitter und sind sogar im Onlinedating präsent. Sie sind da, wo die Jungen sind, sprechen ihre Sprache. Hippe Bilder, poppiges Design.  Hochprofessionelle Internetpropaganda.

Um diesen Verführern und Vereinfachern im Netz etwas entgegenzusetzen, hat sich die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) eine neue Kampagne ausgedacht - eine Art Gegenoffensive. Auch sie soll die Jungen da abholen, wo sie sich tummeln, nämlich bei ihren Lieblings-Youtubern. Web-Stars mit Millionen von Followern sind mit von der Partie. 

Nicht nur der durch sein Merkel-Interview jetzt auch analog berühmte Online-Star Florian Mundt alias LeFloid, auch die Beauty-Bloggerin Hatice Schmidt oder der um keine Antwort verlegene Youtuber MrWissen2go. Ab Ende September wollen sie und andere Youtuber in Videos für Aufklärung sorgen. Sie werden Experten interviewen und Kernbegriffe des Islams erklären, wie die Umma, die Gemeinschaft aller Muslime, oder das Kalifat.

Vor zwei Jahren hat die bpb schon einmal einen Volltreffer mit ihrer Kampagne "Youtuber gegen Nazis" gelandet. Bekannte Rapper und Musiker haben ihre Botschaft vom "Gemeinsam-anders-Sein" in coolen Clips verbreitet.

 

Hey Mr. Nazi (feat. TC) 

(Clip in deutscher Sprache)

 

 

Bei den französischen Behörden tut man sich noch ein bisschen schwer mit jugendgerechter Aufklärung im Netz. Abgesehen von einem gelungenen Stop-Dschihadismus-Clip, der seit Januar 2015 online ist, sind die Informations –und Erklärungsclips im eher trockenen Ton gehalten. 

Da hat der Clip des belgischen Bloggers Zaki Chairi schon viel mehr Chancen, die potentielle Zielgruppe zu erreichen. Seine Satire auf die "Bekämpfung von Anzeichen der Radikalisierung" ist witzig und schlau, denn er ruft zu einem differenzierten Umgang mit Muslimen auf. 

 

(Clip in französischer Sprache)

 

 

Großes Echo fand in Großbritannien die Kampagne "Not in my name" und auch die britischen Musliminnen treten im Netz gegen Radikalisierung und Missbrauch des Islam auf. Auch der einstige Islamist Maajid Nawaz bekam schon fast 600.000 Klicks für seine flammende TED- Konferenz

 

Die Kampagne "Not in my name"

(Clip in englischer Sprache)

 

 

Aber Illusionen über die Wirkung der neuen Internetkampagne macht man sich nicht, wie Arno Busse von der bpb erklärt: "Menschen, die bereits radikalisiert sind, haben ein sehr geschlossenes Welt- und Religionsbild. Sie werden solche Angebote vermutlich nicht wahrnehmen oder ablehnen", so der Experte. Ansatz der YouTube-Videos sei es, "diejenigen aufzuklären, die noch nicht so weit radikalisiert sind".

 

Europa setzt zu "Gegenerzählungen" an 
Die Organe der Europäischen Union wollen dem "gewaltbereiten Extremismus" und "Terrorismus" zukünftig mit "strategischer Kommunikation" begegnen. Vor allem im Internet, aber auch im Fernsehen sollen "Gegenerzählungen" ("counter narratives") präsentiert werden.  Anfang des Jahres wurde ein "Beratungsteam für strategische Kommunikation in Bezug auf Syrien" (SSCAT) ins Leben gerufen. Die Gruppe wird von der belgischen Polizei, der EU-Kommission und dem EU-Koordinator für die Terrorismusbekämpfung geleitet. Mit der "Research, Information and Communications Unit" (RICU) ist auch die britische Polizei beteiligt. Perspektivisch soll aus dem Projekt ein Netzwerk von Behörden und Experten der EU-Mitgliedstaaten etabliert werden.
Ein weiteres, sehr ähnliches Projekt unter dem Namen "Europäische gemeinsame Initiative zur Internet und Terrorismusbekämpfung" (EJI-ICT) wird unter Federführung der Niederlande betrieben. Zu den Aufgaben gehört die Bekämpfung der Nutzung des Internets "durch Terroristen zu Propagandazwecken, Rekrutierung, Kommunikation und Planung von Anschlägen".

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016