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Xavier Muntz: Eindrücke aus dem Sindchar Gebirge

Länder: Irak

Tags: Kurden, IS, Xavier Muntz

Xavier Muntz hat zwanzig Tage lang mit den kurdischen Kämpfern im Sindchar Gebirge verbracht. Für seinen Film erhielt er im Oktober 2015 eine Auszeichnung, den Prix-Bayeux für Kriegsreporter. Die Kämpfer, deren Alltag er für eine kurze Zeit teilte, sind inzwischen alle bei ihrem Kampf gegen den IS ums Leben gekommen. Im Februar sprachen wir mit dem Regisseur über seine noch frischen Eindrücke aus dem Sindchar Gebirge.
 
Die Terrororganisation IS hat den Kampf um Kobane verloren. Was bedeutet dieser Sieg für die Kurden im Sindchar?

Das ist für sie natürlich eine gute Neuigkeit. Der Kampf um Kobane war zu einem der wichtigsten Kämpfe der Kurden geworden. Und das obwohl die Stadt zu weit vom Sindchar-Gebirge entfernt ist, als dass der Sieg Auswirkungen auf die Kämpfe dort hätte. Gleichzeitig hatte der Kampf eine ebenso grosse Symbolkraft für die Terroristen des IS. Sie hatten viele Opfer zu verzeichnen und da sie ihre Kräfte auf dieses Kampfgebiet konzentriert haben, haben sie die Kontrolle über andere Gebiete verloren.

 

 Es war faszinierend diese Leute zu treffen, die keine Angst davor hatten, zu kämpfen. Kämpfer, die mit ihrem ganzen Herzen für diese eine Sache einstehen.

 

Sie haben 20 Tage mit den kurdischen Kämpfern im Sindchar-Gebirge verbracht. Wie war die Stimmung vor Ort?

Die Kurden wollen vor allem eine Revanche. Eine Gelegenheit den Terroristen die Massaker heimzuzahlen, die sie in ihren Städten angerichtet haben. Sie kämpfen mit dem Willen zu gewinnen, um die Frauen und Kinder, die immer noch als Geiseln festgehalten werden, zu befreien. Es war faszinierend diese Leute zu treffen, die keine Angst davor hatten, zu kämpfen. Kämpfer, die mit ihrem ganzen Herzen für diese eine Sache einstehen.

 

Der Kampf gegen die Terroristen hat Anhänger verschiedener Religionsrichtungen zusammengeführt. Wie verstehen sie sich im Alltag?

Es gibt zwar verschiedene religiöse Gruppen, aber alle sind Kurden. Natürlich gibt es die Christen, die Muslime, die Jesiden… aber das stellt gar kein Problem dar. Sie sind alle vereint im Kampf gegen die Terroristen. Ihre Religion üben sie privat aus. Das ist intim. Und militärisch spielt die Religion keine so große Rolle wie politisch.

 

Die internationale Gemeinschaft hilft der PKK aus diplomatischen Gründen nicht, obwohl diese an der Front die besten Verbündeten sind, die der Westen finden kann, um ISIL zu stoppen.

 

Die internationale Gemeinschaft hat den Peschmerga-Kämpfern Waffen geliefert. Fühlen sich die Kurden dadurch ausreichend unterstützt? Was sind ihre Erwartungen an den Westen?

Die Peschmerga haben in der Tat mehrere Waffenlieferungen erhalten. Aber diese Lieferungen gingen nur an die Peschmerga, das heisst, die Kurden im Irak. Die anderen Kurdeneinheiten, die unter der Flagge der PKK kämpfen, haben keinerlei Unterstützung erhalten. Sie müssen sich mit den Waffen verteidigen, die sie auftreiben können. Das liegt daran, dass die PKK von den Vereinigten Staaten und der EU noch immer als Terrororganisation eingestuft wird. Eine Waffenlieferung an die PKK würde auch die Türkei verärgern. Deshalb hilft die internationale Gemeinschaft der PKK aus diplomatischen Gründen nicht, obwohl diese an der Front die besten Verbündeten sind, die der Westen finden kann, um ISIL zu stoppen.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016