|

Wirtschaftsaussicht: Der starke Schweizer Franken

Länder: Schweiz

Tags: Entkoppelung, Schweizer Franken, Euro

Donnerstag, 15. Januar: die Schweizer Nationalbank BNS beschließt die Entkoppelung des Schweizer Franken vom Euro. Der Jackpot für die nahe der Grenze wohnenden Schweizer und vor allem auch für die in der Schweiz arbeitenden Grenzgänger. Innerhalb nur weniger Minuten stieg ihre Kaufkraft um 20 Prozent.

Doch nach der ersten Euphorie sehen die Grenzgänger dem starken Franken mit gemischten Gefühlen entgegen. Welche Konsequenzen bringt die starke Schweizer Währung für die Schweizer Wirtschaft mit sich und welche Auswirkungen ergeben sich daraus mittelfristig auf die Arbeitsplätze? 

Nach der Entscheidung der BNS, sind die ersten Folgen der Entkoppelung bereits spürbar. Die Devisen sind im Vergleich zum Euro gestiegen und Schweizer Produkte sind nun im Vergleich zu Produkten aus der Eurozone 30 Prozent teurer. Die grenznahen Geschäfte der Eurozone konnten dadurch erhöhte Verkaufszahlen verbuchen und die Tram zwischen Basel und Deutschland fuhr öfter als gewöhnlich, um der Nachfrage gerecht zu werden.

 

Das sind unsichere Aussichten für die Schweizer Wirtschaft. Die hohen Preise werden sich negativ auf den Export und auf die Tourismusbranche auswirken. Das Züricher Institut für Wirtschaftsstudien KOF prophezeit bereits eine Schweizer Rezession und Nullwachstum für 2016. In der Folge würden 4,1 Prozent der aktiven Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen sein. Das mag für europäische Verhältnisse wenig erscheinen, ist aber für die Schweiz, wo es in den letzten Jahren so gut wie keine Arbeitslosigkeit gab, eine Rekordhöhe.

 

Sollte die Schweiz jedoch an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wären die Grenzgänger die ersten Leidtragenden. Bereits jetzt sind sie so manchem Schweizer ein Dorn im Auge.

 

Weniger Grenzgänger gleich weniger Arbeitslosigkeit?

Die schlechten Wirtschaftsaussichten könnten die Schweizer Firmen dazu veranlassen, Gehälter zu senken und immer weniger ausländische Arbeitskräfte einzustellen. Bereits jetzt wollen einige Arbeitgeber Grenzgänger in Euro statt in Schweizer Franken bezahlen. Dadurch würden die Gehälter virtuell auf dem gleichen Niveau gehalten wie vor der Entkoppelung der beiden Währungen ohne dass die Grenzgänger etwas von dem neuen vorteilhaften Wechselkurs hätten. Die Regelung hat etwas von einer versteckten Gehaltssenkung für Grenzgänger, die die Unterschiede zwischen Schweizer und ausländischen Arbeitskräften noch akzentuiert. Doch aus Angst, ihre Arbeitsstelle zu verlieren, wären viele Grenzgänger bereit, diese neue Regelung protestlos hinzunehmen.

 

Die Maßnahme, ruft die Volksabstimmung vom 9. Februar 2014 in Erinnerung: die Schweizer hatten sich für eine Begrenzung der Einwanderung ausgesprochen. Mit der Annahme des Vorschlages der UDC, wollten die Schweizer ausländische Arbeitskräfte und in erster Linie Grenzgänger davon abbringen, in der Schweiz arbeiten zu wollen. Aber das Ergebnis dieser Volksabstimmung, die nur eine knappe Mehrheit davontrug, ist in der Schweiz nicht unumstritten. Didier Burkhalter, der bis Ende 2014 Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft war, hatte sich gegen den Entwurf ausgesprochen und gleichzeitig betont, dass die Schweiz stets auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen war. In seinen Augen birgt die Initiative der UDC mehr Probleme als Lösungen.

 

Und in der Tat sind die wirtschaftlichen Wechselbeziehungen zwischen der EU und der Schweiz sehr eng. Sie werden jedoch durch Maßnahmen wie die Einwanderungsbeschränkung in Frage gestellt. Diese steht im strikten Gegensatz zu dem freien Personenverkehr der Schengen-Vereinbarung zwischen Schweiz und EU. In der Folge haben die Mitgliedsstaaten der EU der europäischen Kommission in ihrer Entscheidung bestärkt, die Details des Vertrages mit der Schweiz nicht neu zu verhandeln.

 

Heute arbeiten 280 000 Grenzgänger in der Schweiz. Die Hälfte von ihnen sind Franzosen, 20 Prozent sind Deutsche und 20 Prozent Italiener. Und für den Moment können sie noch den Höhenflug ihrer Kaufkraft genießen. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016