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Wildtierhandel steigt sprunghaft

Länder: Europäische Union

Tags: Wildtierhandel, Wilderei

Nahezu 160 Milliarden Euro … Diesen alarmierenden Betrag bringt der weltweite Handel mit Wildtieren jährlich ein und belegt damit – nach dem Handel mit Drogen und Waffen – den dritten Platz in der Rangliste der einträglichsten illegalen Geschäfte. Seit 1970 sind laut der Naturschutzorganisation WWF 52 Prozent der Wildtierarten von unserem Planeten verschwunden.

 

Schlangen, Vogelspinnen, Geckos und andere Exoten sind heute als Haustiere beliebt und stellen einen riesigen Parallelmarkt dar, der von skrupellosen Geschäftemachern getragen wird. Laut einem vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und Interpol veröffentlichten Bericht dient dieser Handel hauptsächlich der Finanzierung des organisierten Verbrechens, insbesondere paramilitärischer und terroristischer Gruppierungen.

Je stärker eine Tierart bedroht ist, desto höher ihr Wert auf dem Schwarzmarkt, daher verschwinden manche Arten in einem rasanten Tempo. Afrika und Südamerika sind nach wie vor die am stärksten betroffenen Erdteile. 10 Prozent der auf dem Schwarzmarkt gehandelten Tiere stammen aus Brasilien. Seit dem Einmarsch Chinas in Tibet im Jahr 1950 ist der Tierhandel aber auch in dieser Region stark angewachsen. So zählt beispielsweise die äußerst seltene und seit 1979 unter Artenschutz stehende Tibetantilope zu den meistbedrohten Tieren der Welt. Aus ihrer sehr feinen Wolle, genannt „Shahtoosh“, werden Schals gefertigt, die Preise bis zu 3.000 Euro erzielen.

Die Europäische Union (EU) will mit Hilfe verschiedener Ausschüsse verstärkt gegen die Wilderei vorgehen. „Die EU hat den Handel mit Wildtieren stets an vorderster Front bekämpft, jedoch stellt sie nach wie vor einen großen Markt und Umschlagplatz dar (…), wir müssen daher einen Weg finden, unsere Effizienz zu steigern“, so der europäische Umweltkommissar Janez Potočnik bei einer Pressekonferenz am 7. Februar 2014.

 

Wilderei im Internet

Seit 2004 führt der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) Untersuchungen zum Online-Handel mit wilden Tierarten durch. Die Ergebnisse sind erschreckend. Insgesamt wurden auf 280 Internetseiten in 16 verschiedenen Ländern 33.006 Wildtiere illegal zum Kauf angeboten. Ihr Gesamtwert wird auf 7 777 617 Euro geschätzt. 54 Prozent der Anzeigen betrafen lebende Tiere, die übrigen 46 Prozent Wildtierteile und -produkte. Auf französischen Webseiten wurden 1.653 illegale Artikel angeboten; ein Drittel davon enthielt echtes oder mutmaßliches Elfenbein. In Deutschland konnten über 1.600 Online-Anzeigen ausfindig gemacht werden. Hier fanden sich im Wesentlichen Meeres- und Landschildkröten (70 Prozent) sowie exotische Vögel.

NGOs fordern von den betroffenen Ländern ein vollständiges Verbot des Handels mit geschützten Tierarten sowie die Zerschlagung international operierender, mafiöser Netzwerke, die hinter diesem Handel stehen.

Céline Peschard

 

 

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017