|

Wie Trump die Welt sieht

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Trump, Donald Trump, Außenpolitik


Als sich in der Nacht auf Mittwoch abzeichnet, dass Donald Trump die Wahl gewinnt, spielt das für die ganze Welt eine Rolle. Nicht umsonst spricht man beim US-Präsidenten vom mächtigsten Mann der Welt. Besonders seine Äußerungen zur Außenpolitik haben während des Wahlkampfs verunsichert. ARTE Info zeigt, welche Folgen die Wahl Trumps für die internationale Gemeinschaft haben könnte.

"America first" ist das Anliegen vieler Trump-Anhänger. Sie glauben daran, dass ihr zukünftiger Präsident ihr Leben verbessern wird. 

America first 

In seiner ersten Rede nach dem Sieg bot Trump heute morgen eine faire Zusammenarbeit mit der Weltgemeinde an. Noch im gleichen Atemzug betonte er aber auch sein im Wahlkampf wiederholtes Motto "Amercia First"; Die Außenpolitik soll sich nach innenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten richten. Das bedeutet etwa, dass Freihandelsabkommen wie TTIP nun keine Chance mehr haben sollen.

Anderes Beispiel: China. Das Land habe sich "amerikanische Arbeitsplätze einverleibt." Während seines Wahlkampfs kündigte er deswegen an, Zölle auf chinesische Produkte erheben zu wollen. "Wir können China nicht erlauben unser Land weiter zu vergewaltigen. Das ist der größte Diebstahl in der Geschichte der Welt", wetterte Trump im Mai diesen Jahres.

 

Klima last

 

tweet_donald.png

 

Das Land der Mitte ist ein beliebter Sündenbock für Trump. Demnach sei der Klimawandel eine Erfindung Chinas , tweetet Trump 2012. Der Immobilienmogul hat nach massiver Kritik den Tweet mittlerweile als Scherz verharmlost. An die Erderwärmung glaubt er dennoch nicht so recht - in der Vergangenheit nannte er sie einen „absoluten Schwindel“, „Bullshit“ und „Pseudo-Wissenschaft“.
Auch deswegen ist er entschlossen, Obamas Erbe als "Klimapräsident" zunichte zu machen. Unter anderem hat Trump versprochen, aus dem in Paris beschlossenen Weltklimaabkommen, dessen Umsetzung gerade in Marrakesch diskutiert wird, austreten zu wollen. Auch wenn das rechtlich nicht sofort möglich ist, spielt das kaum eine Rolle, da die Umsetzung der Klimaziele für die Staaten freiwillig ist. Trump könnte die Zusage der Obama-Regierung also einfach ignorieren. Statt eines groß angelegten Ausbaus erneuerbarer Energien will der zukünftige Präsident alte Kohlekraftwerke laufen lassen und Fracking fördern. 

 

Von Mauern und Migranten

 

Es war das wohl medienwirksamste Versprechen Trumps während seines Wahlkampfes: Der Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, um illegale Flüchtlinge von der Einreise in den USA abzuhalten. Die Kosten, die von Experten auf mehrere Milliarden geschätzt werden, würde Mexiko übernehmen, so zumindest Trump. Das betonte er auch nach einem Treffen mit dem mexikanischen Präsidenten:

 

Das alles geschehe natürlich zum Schutz des amerikanischen Volkes: "Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität mit sich. Sie sind Vergewaltiger" schimpfte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Juli. Er kündigte an, sich in den USA illegal aufhaltende Einwanderer abschieben zu wollen. Davon wären geschätzt elf Millionen Menschen betroffen. 

 

Kampf gegen den Terror

Zweites Thema, das Trump mit Ausländern verbindet: Der Kampf gegen den Terror, besonders gegen den so genannten Islamischen Staat. "Sobald ich im Amt bin, werde ich meine Generäle einen 30-Tage-Plan erstellen lassen, um den IS zu zerstören"  verkündete er bei einer Wahlkampfveranstaltung im September. Details zu dem Masterplan gab er nicht bekannt, angeblich, damit ihn politische Konkurrenten nicht kopieren können.  Um Terroranschläge im eigenen Land zu verhindern, wollte er zudem allen Muslimen aus "Terrorstaaten"  die Einreise in die USA verbieten.
Auch Foltertechniken wie Waterboarding sollen mit einem Präsidenten Trump wieder möglich sein.

 

how-trump-viezws-the-world.jpg
© Aaron Nemo

Trumps Blick auf die Welt nach dem Comiczeichner Aaron Nemo

 
Kein Weltpolizist mehr

Er wolle das Militärbündnis Nato zwar nicht verlassen, aber weit weniger dafür ausgeben, gab der kommende Präsident zu verstehen. Streitpunkte mit dem Bündnis sind vor allem der Ukraine-Konflikt, in dem Trump sich einen wesentlich größeren, auch militärischen Einsatz der Europäer wünscht, sowie das Atomabkommen mit dem Iran, das er aufkündigen möchte. Amerika könne sich nicht mehr das gleiche militärische Engagement leisten wie in den vergangenen Jahren. Ein Ausweg für Trump: „Die Länder, die wir verteidigen, müssen dafür bezahlen. Tun sie das nicht, müssen die USA bereit sein, diese Länder sich selbst verteidigen zu lassen", sagte er Ende April.

Die USA gaben allein im letzten Jahr über 640 Milliarden US-Dollar für ihr Militär aus. Zum Vergleich: Das Land in der Nato, das am zweitmeisten für Rüstung ausgab, war Großbritannien – 60 Milliarden US-Dollar.

 

Anlehung an Moskau?

Überraschend war es nicht, dass Wladimir Putin als einer der ersten Staatschefs Donald Trump zum Wahlsieg gratulierte. Er hoffe, dass es ihnen gemeinsam gelingen werde, die Krise der russisch-amerikanischen Beziehungen zu überwinden, sagte Putin. Trump hatte sich zuvor ähnlich geäußert und aus seiner Begeisterung für den russischen Präsidenten keinen Hehl gemacht. In einem Interview mit dem Fernsehsender ABC deutete er im August an, er würde als US-Präsident Russlands Annexion der Krim anerkennen. Als sein Vize Mike Pence im Fernsehduell überraschend harte Kritik an Russlands übte, pfiff Trump ihn zurück. Vollkommen eindeutig ist Trump in seiner Sicht auf Russland dennoch nicht, wie etwa die Süddeutsche Zeitung hervorhebt: "Im Mai erklärte er, sollten - wie zuletzt öfter geschehen - russische Kampfjets amerikanischem Militär zu nahe kommen, werde er den Befehl geben, sie abzuschießen."

© Petras Malukas / AFP
Dass Trump in Bezug auf Russland derart unterschiedliche Töne anschlägt, ist symtomatisch für seine Haltung in der Außenpolitik. Oft hat er seine Meinung zu internationalen Themen geändert - auch deswegen gilt er als unberechenbar.
Zuletzt geändert am 16. November 2016