Wie offen ist Europa?

Länder: Europäische Union

Tags: Flüchtlingspolitik, Flüchtlingsdrama, Europa, Migration

Europa erlebt einen Ansturm der Hilfesuchenden. Mehr als eine halbe Million Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr zu uns. Vor welche Probleme stellen sie uns? Und wie gehen wir mit den neuen Europäern aus dem Süden um?

Samstag, 13. Juni

14:00

Yourope

Angst vor dem Fremden?

Europa ist auf Abwehr gerüstet. Hohe Stacheldrahtzäune an den Außengrenzen sollen Flüchtlinge abhalten. Patrouillenboote verkehren auf Grenzflüssen, modernste Grenztechnik wurde installiert. Genützt hat das bisher nichts. Denn es kommen nicht weniger, sondern immer mehr Flüchtlinge zu uns. Ihre Not ist so groß, dass sie sogar die Reise auf maroden und überfüllten Kuttern in Kauf nehmen. Wohl wissend, dass hunderte vor ihnen bereits bei der Überfahrt gestorben sind.

 

frontière sud

Mehr als eine halbe Million Menschen haben sich allein im vergangenen Jahr in der Europäischen Union um Asyl beworben. Mehr als doppelt so viele wie 2010. Experten erwarten in diesem Jahr einen weiteren Anstieg. Ursachen sind die zahlreichen aktuellen Krisenherde. Etwa der Bürgerkrieg in Syrien oder die sich zuspitzende innenpolitische Lage in Afghanistan. Aber auch aus Ostafrika kommen tausende Flüchtlinge nach Europa. Zum Beispiel aus Eritrea, wo ein totalitäres System die Bevölkerung brutal unterdrückt. Doch wie gehen wir mit ihnen um? Wie bewältigt Europa den Ansturm der Hilfesuchenden ?

 

Der Faktencheck:

Yourope MDR6 Faktencheck

 

Überblick:

Yasser: Ankunft in der neuen Heimat

Pegida: Rechtsnationale Bewegungen haben in Europa Konjunktur

Tschechien: Ein Land stemmt sich gegen Zuwanderung

 

Yasser, Ankunft in der neuen Heimat

 

Einer der vielen neuen Europäer ist Yasser. Er ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland geflohen. Yasser hat Glück. Im Gegensatz zu vielen anderen wurde sein Antrag auf Asyl gerade bewilligt. Drei Jahre darf er nun in Deutschland bleiben und arbeiten. Im Video begleiten wir ihn bei seiner Suche nach einer persönlichen Zukunft in Europa.

 

Yasser

 

Empfangen wird er gleichermaßen mit Herzlichkeit und Freundschaft aber auch mit Skepsis und Ablehnung. Vielen Asylbewerbern geht es wie Yasser. Sie machen ähnliche oder dieselben Erfahrungen. Denn wie bei kaum einer anderen Frage ist Europa so gespalten wie bei der nach dem richtigen Umgang mit Flüchtlingen. Es lässt sich eine regelrechte Hilfswelle beobachten. Fast überall entstehen Projekte, um ihnen bei ihrer Ankunft zu helfen. Lokale Netzwerke haben sich gegründet, um etwa bei der Beschaffung von Kleidung oder bei Amtsgängen behilflich zu sein. So vermittelt etwa die Organisation "Welcome Refugees" Flüchtlinge als Mitbewohner an Privatpersonen. In "Refugee Law Clinics" werden sie rechtlich beraten und in Organisationen wie "Migramed" medizinisch betreut.

 

Yourope MDR6  Yasser

Gleichzeitig werden Asylbewerber, wie auch Yasser, mit einem Phänomen konfrontiert, das sie vielleicht nicht erwartet hätten: Fremdenfeindlichkeit. In ganz Europa haben sich in den vergangenen Jahren rechtskonservative und rechtsnationale Bewegungen etabliert. Ihre Thesen sind meist krude und bizarr, doch sie greifen die Ängste vieler Bürger auf.

 

Pegida: Rechtsnationale Bewegungen haben in Europa Konjunktur

 

In Deutschland zum Beispiel ist die Zahl der Straftaten gegen Asylbewerber im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Wiederholt kam es auch zu Protestaktionen von Anwohnern gegen neue Flüchtlingsheime. Das vielleicht bekannteste Beispiel: Tröglitz. In der kleinen Gemeinde sollte ein Wohnhaus für 40 Flüchtlinge errichtet werden. Nach zahlreichen Protestaktionen musste der Bürgermeister des Ortes zurücktreten. In der Nacht zum 04. April brannte schließlich sogar der Dachstuhl des Gebäudes. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Macht sich also in Europa eine gefährliche, ausländerfeindliche Stimmung breit?

 

Pegida

 

Umfragen zufolge ist zumindest in Deutschland eine Mehrheit Zuwanderern gegenüber positiv eingestellt und spricht sich für die Aufnahme weiterer Migranten aus.

 

Yourope MDR6 Youropinion

Gleichzeitig wünschen sich viele Deutsche aber auch eine bessere Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU. Damit stehen sie nicht allein. Ähnliche Wünsche gibt es auch bei vielen Schweden und Italienern.

 

Yourope MDR6 Pegida

Andere Staaten dagegen haben entschieden, keine Flüchtlinge aufnehmen zu wollen - wie zum Beispiel Tschechien.

 

 

Tschechien: Ein Land stemmt sich gegen Zuwanderung. Wieso eigentlich?

 

Während in Schweden im vergangenen Jahr mehr als 74.000 Menschen Asyl suchten, nahm das einwohnerreichere Tschechien rund 1.000 auf. Geht es nach der tschechischen Regierung soll sich daran auch nichts ändern. Doch nicht nur die Regierung, auch die Bevölkerung ist Flüchtlingen gegenüber skeptisch. Dabei hat das Land einen Ausländeranteil von gerade einmal vier Prozent. Inzwischen werben zahlreiche Initiativen für einen anderen Umgang mit den Zuwanderern.

 

Yourope MDR6  Tchéquie
 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016