Wie kann man die Zensur umgehen?

Länder: Türkei

Tags: Twitter, Erdogan

Beispiele von Webzensur gibt es viele: 2005 sperrten die Behörden in Nepal den Internet-Zugang, 2011 folgten Syrien und Libyen diesem Beispiel. Auch Nordkorea, der Iran oder China gestalten das Web so, dass es ihrer Ideologie entspricht. Nun hat auch die Türkei Twitter blockiert, nachdem Ministerpräsident Erdogan vor kurzem damit gedroht, die sozialen Netzwerke wie Youtube und Facebook „auszurotten“. Einziger Hacken an diesem Angriff auf die Meinungsfreiheit: Die Zensur kann jeder umgehen.

Die Mittel der Zensur werden immer präziser: Während die Autokraten früher lieber den Internetzugang komplett blockierten, begnügen sie sich inzwischen damit, einzelne Dienste ins Visier zu nehmen. So auch der Ministerpräsident der Türkei, der eines der wichtigsten sozialen Netzwerke mundtot gemacht hat, um die unliebsamen Stimmen der Opposition stumm zu stellen.

 

Erdogan hat eine Route blockierte, doch es gibt viele Umgehungswege, mit denen die Internetnutzer ans Ziel kommen. Ein Beispiel: IRC, der weltweit wichtigste Kommunikationsdienst, über den sich viele tausend Benutzern in Echtzeit miteinander austauschen können. 

 

Twitter ist tot, es lebe Twitter!

Trotz Blockade tweeten die Türken fleißig weiter. Ihre Nachrichten können Sie über folgende Hashtags mitverfolgen: #TwitterisblockedinTurkey, #DictatorErdoğan, #direntwitter, #OccupyTwitter. Auch auf diesem Twitter-Feed können Sie ihre Botschaften lesen:

 

 

Viele Internetnutzer haben inzwischen Anleitungen zum Umgehen der Web-Zensur ins Netz gestellt:

 

Twitter selbst hat einen Hinweis verbreitet, wie Nutzer in der Türkei weiterhin per SMS Nachrichten verschicken können:

 

Doch sollte ein Land entscheiden, jene Internetuser zu bestrafen, die auf illegalen Seiten waren, greifen all diese Techniken nicht.

 

Anonymität als Schlüssel zur Freiheit

 

Denn jeder von uns lässt im Netz Spuren. Wer ist Schuld daran? Unsere IP-Adresse. Diese Adresse ermöglicht es Anderen, uns zu lokalisieren, die von uns besuchten Seiten nachzuverfolgen und auf unsere persönlichen Daten wie zum Beispiel unsere Passwörter zuzugreifen. Sprich: Jede unserer Aktionen können Andere damit nachzeichnen. Seinen Verlauf zu löschen, ändert daran rein gar nichts. Um die Zensur zu umgehen, lautet das Zauberwort daher: Anonymität. Wer anonym surft, kann auch nicht erwischt werden.

 

Nicht nur Diktatoren zensieren

Auch Frankreich und Deutschland üben sich gerne im Zensieren. Unsere Regierungen haben die Möglichkeit, uns auszuspähen und oft lassen sie sich keine Schnüffel-Gelegenheit entgehen. Immer mehr Webuser greifen daher auf verschiedene Techniken zurück, um anonym zu surfen. Die von Reporter ohne Grenzen ins Leben gerufene Webseite wefightcensorship.org bietet zum Beispiel Techniken und Programme an, um Internet-Verbindungen oder E-Mail-Adresse im abgesicherten Modus zu starten.

 

Tor : eine kryptografische Hintertür mit Lücken

Das bekannteste Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten ist Tor. Die Software ermöglicht, dass beide Seiten einer Kommunikation anonym bleiben und schützt damit seine Nutzer vor der Analyse des Datenverkehrs. Mit Tor können die Internetnutzer daher die Webzensur umgehen und mit der Außenwelt kommunizieren, ohne größere Risiken einzugehen. Doch auch Tor hat seine Sicherheitslücken und bietet nicht gegen jeden Angreifer Anonymität.

 

Mathieu Boch

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016