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Whistleblower am Bosporus

Länder: Türkei

Tags: Erdogan, Whistleblower

Wer ist Fuat Avni? Fast eine Million follower rätseln über die Identität des Informanten @fuatavni, der seit geraumer Zeit über den Kurznachrichtendienst Twitter Brisantes veröffentlicht, das eigentlich nur aus höchsten politischen oder polizeilichen Kreisen stammen kann.

 

32

Polizeioffiziere sollten laut Angaben von Whistleblower @fuatavni festgenommen werden

Süddeutsche Zeitung

 

Die Süddeutsche Zeitung hat in ihrer heutigen Ausgabe einen der jüngsten Tweets aus der Nacht zu Dienstag übersetzt: Am frühen Morgen sollten demnach 32 Polizeioffiziere aufgrund von fingierten Anschuldigungen festgenommen werden. Die Polizeieinheiten, die die Razzien durchführen, treffen sich um 4:30 Uhr, so der geheimnisvolle Insider, der auch gleich noch die Istanbuler Stadtteile nannte, in denen die Beschuldigten wohnen. Bis auf die Zahl der Festgenommmen – es waren schliesslich 33 – lag der Whistleblower mit allen Angaben richtig. Ein solches Wissen kann nur jemand haben, der Zugang zu höchsten Sicherheitskreisen hat – oder gar zum Umfeld des Ministerpräsidenten selbst. Brisant ist das vor allem gerade jetzt, denn am kommenden Sonntag wird in der Türkei ein neuer Staatspräsident gewählt, und Recep Tayyip Erdogan möchte es gern werden.


 

 

 

Steckt Fethulla Gülen dahinter?


Seit der Aufdeckung von Korruptionsvorwürfen gegen die Regierung im vergangenen Dezember verdächtigt Erdogan die Anhänger seines erbitterten Gegners, des in den USA lebenden islamistischen Predigers Fethulla Gülen, staatliche Institutionen mit dem Ziel unterwandert zu haben, ihn und die regierende AKP zu stürzen. Auch die Quelle @fuatavni soll zu diesem System gehören, so wird inzwischen spekuliert. Dass Erdogan brisante Informationen via Twitter und You Tube fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, zeigte sich im Frühjahr, als er beide Dienste in der gesamten Türkei sperren ließ. Eine Anordnung, die das Verfassungsgericht allerdings kurz darauf wieder aufhob. Das Twitterkonto von @fuatavni ist dagegen seit seinem Tweet vom Dienstag gesperrt. Aber der Whistleblower scheint nicht aufgeben zu wollen: Unter @fuatavnifuat wird jetzt weitergetwittert.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016