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Wer sind die Christen der Ostkirchen?

Länder: Monde

Tags: Ostkirchen, Christen

Die armenische-orthodoxe Kirche, die äthiopische Kirche, die Kopten - es gibt viele verschiedene christliche Glaubensgemeinschaften im Nahen und Mittleren Osten. Wie sind sie entstanden und was sind die Unterschiede?

 

Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus kamen innerhalb der Kirche Diskussionen und Kontroversen insbesondere bezüglich des Konzepts des gleichzeitig einzigen und dreifaltigen Gotts (Vater, Sohn und Heiliger Geist) sowie der doppelten Natur Jesu Christi (Mensch und Sohn Gottes) auf. Auf ökumenischen Konzilen sollten diese Grundfragen beantwortet und Dogmen definiert werden.

Die Konzile

325 - Das Konzil von Nicäa und der göttliche Charakter Christi

 

L'empereur Constantin

Das von Kaiser Konstantin einberufene Konzil bestätigte, dass der Sohn ebenso göttlich ist wie der Vater; das Schlüsselwort lautet homoousious, was als "wesensähnlich" übersetzt werden kann. Damit wies das Konzil die These von Arius, einem Priester aus Alexandria, ab, der Christus zwar als göttlich, aber dennoch als Geschöpf, also niederer göttlicher Natur als den Vater sah.  

 

381 - Das Konzil von Konstantinopel

Es setzte dem arianischen Streit ein Ende und widersprach allen, die den Heiligen Geist als ein Vater und Sohn untergeordnetes göttliches Wesen sahen. Mit diesem Konzil wurde die Dreifaltigkeitslehre eingeführt, die einen Gott mit drei gleichrangig göttlichen Wesen beschreibt.


431 - Das Konzil von Ephesos

Konfrontation von zwei Standpunkten: Nestorius sah in Jesus Christus zwei Personen vereint – eine göttliche und eine menschliche –, während für Kyrill von Alexandria die göttliche Natur im Vordergrund stand. Das Konzil folgte Kyrills Argumentation und setzte sein Dogma der „hypostatischen Union“, also der Vereinigung der göttlichen und

Léon Le Grand

menschlichen Natur Christi in einer einzigen Person fest. Dieses Dogma wurde zum Monophysitismus weiterentwickelt, der nur das göttliche Wesen Christi anerkennt.

 
451 - Le concile de Chalcédoine

Réuni par le pape Léon le Grand, il condamne solennellement le monophysisme et définit le dogme christologique le plus fondamental, celui de l’existence en Christ de deux natures, l’une humaine et l’autre divine, sans confusion ni séparation.

 

Die Ostkirchen

Die von den ökumenischen Konzilen aufgestellten Dogmen wurden nicht von allen Kirchen anerkannt, wodurch es im christlichen Orient zu zahlreichen Spaltungen kam. Vom 5. und 6. Jahrhundert an sind mindestens drei Hauptströmungen innerhalb der Christenheit zu unterscheiden: die Monophysitisten (in Ägypten, Syrien und Armenien), die Nestorianer (im Persischen Reich) und die chalzedonischen Kirchen (heute als Katholiken und Orthodoxe bekannt).

 

Die assyrische Kirche des Ostens: Ablehnung des Konzils von Ephesus
Un musulman et un chrétien d'Orient

Die Christen der gegen Ende des 1. Jahrhunderts entstandenen Ostkirche sind der Doktrin von Nestor treu geblieben, für den Jesus Christus als Doppelwesen in göttlicher Gestalt (in Form des Wortes) und als Mensch (in Form von Jesus) besteht.

Die assyrische Kirche hat etwa 300.000 Mitglieder.

1553 kam es zu einer Spaltung innerhalb der assyrischen Kirche des Ostens im Zuge derer die chaldäisch-katholische Kirche, die den byzantinischen Ritus praktiziert, entstand. Ihr gehören über eine Million Gläubige an.


Les Églises orientales-orthodoxes : le rejet du concile de Chalcédoine

Die Gläubigen werden als Monophysitisten bezeichnet, da sie nur die göttliche Natur Christi anerkennen.

Die syrische Ostkirche spaltete sich im 17. Jahrhundert in die syrisch-orthodoxe Kirche (auch als Jakobiter bezeichnet) mit 750.000 Gläubigen und die syrisch-katholische Kirche mit 175.000 Mitgliedern.

• Die Kopten

Un religieux copte

Die koptische Kirche entstand in der Frühzeit der Christenheit in Ägypten. Heute gehören 10-15 % der ägyptischen Bevölkerung den 40 Diözesen unter Leitung eines auf eine Synode gestützten Patriarchen an. Insgesamt hat die koptische Kirche weltweit geschätzte 10 Millionen Anhänger; 250.000 davon sind katholisch.

Die äthiopische Kirche

Äthiopien wurde schon im Jahr 330 christianisiert. 1959 machte sich die äthiopisch-orthodoxe Tewahedo-Kirche von den Kopten unabhängig und zählt heute 35 Millionen orthodoxe und 900.000 katholische Mitglieder.

 

Die armenisch-orthodoxe Kirche

Armenien konvertierte um das Jahr 300 unter König Trdat III. zum Christentum und gehörte damit zu den ersten Ländern, in denen es zur Staatsreligion wurde. Der armenisch-orthodoxen Kirche gehören sechs Millionen Menschen an; zur armenisch-katholischen Kirche bekennen sich 200.000 Katholiken.

 

Chalzedonische Kirchen: Berufung auf das Konzil von Chalcedon
Livre sacré

Die griechischen Kirchen werden seit dem Schisma von 1054 – also der Spaltung zwischen Rom (Westkirche) und Konstantinopel – als orthodox bezeichnet. Sie zählen 14 Millionen Gläubige, zwischen 750.000 und 1 Million davon leben im Nahen und Mittleren Osten.

Die griechisch-katholische oder melkitische Kirche

Die Melkiten folgen dem christlich-byzantischen Ritus und schlossen sich 1724 der katholischen Kirche an. Etwa 700.000 Anhänger dieses Glaubens leben heute im Nahen Osten, insbesondere in Syrien, im Libanon und in Palästina.

Die maronitische Gemeinschaft

Die Maroniten wurden ab dem 7. Jahrhundert nach und nach von den Moslems aus Syrien vertrieben, bevor die Byzantiner sie im 10. Jahrhundert endgültig ins Exil in den Libanon zwangen. Dort leben heute noch ca. 900.000 Glaubensanhänger. Insgesamt sind weltweit 4 Millionen Maroniten in der Diaspora verteilt, 80.000 davon in Frankreich. Die Gemeinschaft bezeichnete sich von Beginn an als katholisch, Historiker bestätigen die Bindung an Rom hingegen erst ab dem 12. Jahrhundert.

Zuletzt geändert am 28. April 2017