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Wer ist Julius Malema ?

Länder: Südafrika

Tags: ANC, Julius Maléma, EFF, Jacob Zuma

20 Jahre nach dem Ende der Apartheid können die Wähler in Südafrika heute eine Bilanz an den Urnen ziehen. Sie sind aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen, das Ende des Monats den Präsidenten bestimmen wird. Ohne Zweifel dürfte dies weiterhin Jacob Zuma sein. Er steht an der Spitze des ANC – doch die Partei von Nelson Mandela hat viel von ihrem alten Glanz bei den Wählern verloren. Speziell die jungen Wähler, die erst nach dem Ende der Apartheid geboren wurden, sind vom ANC enttäuscht. Die Partei und Präsident Zuma stecken bis zum Hals in Korruptionsskandalen – gleichzeitig haben sie es nicht geschafft, die hohe Arbeitslosigkeit zu senken und die Armut im Land energischer zu bekämpfen. Von der Enttäuschung vieler Wähler könnte Julius Malema profitieren. Er gehörte einst dem ANC an, wurde 2012 aus der Partei ausgeschlossen und gründete daraufhin die Partei Economic Freedom Fighter (EFF), die zur drittstärksten Partei werden könnte. Damit wäre Malema die eigentliche Überraschung dieser Wahlen.

Malema gefällt sich in der Pose des Revolutionärs und gibt sich als Champion der Armen – die Rolex, das italienische Schuhwerk und ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung scheinen viele Wähler in den Townships nicht zu stören. Denn er fordert eine radikale Umverteilung und wird damit zum Schreckgespenst speziell der weißen Südafrikaner. Sein rotes Berett passt zu seinem Auftritt, ein wenig gibt er sich wie der ehemalige Präsident Venezuelas, Hugo Chavez. Doch im Gegensatz zu Chavez hat Malema nie ein Land regiert – auch wenn er das gerne würde. Seine politische Zukunft wird von dieser Wahl abhängen – und davon, wie das Justizverfahren gegen ihn in Pretoria ausgeht.

 

Wie es sich anfühlt, arm zu sein, weiß Julius Malema. Geboren wurde er am 3. März 1981 in der Provinz Limpopo, einem von Südafrikas ärmsten Landstrichen. Seine Mutter arbeitet als Bedienstete. Schon im Alter von neun Jahren engagiert sich Malema für den ANC. 2008 übernimmt er die Führung der Jugendorganisation der Partei – und macht bald durch seine Rhetorik gegen Weiße von sich reden. Von Beginn an stellt er sich auf die Seite von Jacob Zuma – es ist die Zeit, in der der ANC zwischen Zuma und Thabo Mbeki zerrissen ist. Malema erklärt, er sei sogar bereit, für Zuma zu töten.

 

Doch dann ändert er seine Position radikal, erläutert Vincent Darracq, Afrika-Experte beim Think Tank International SOS and Control Risks. "Zu Beginn duldete der ANC seine aggressiven Reden, er war so etwas wie der nützliche Idiot, der es dem AND erlaubte, sein Image als Partei der Armen zu bewahren und junge, benachteiligte Wähler an sich zu ziehen. Aber von einem bestimmten Zeitpunkt an hat ihm die Führung des ANC bedeutet, seinen Ton zu mäßigen. Er hat das nicht getan, er gehört nicht zu denen, die einfach gehorchen. Im Gegenteil, er hat sich zu guter Letzt gegen Zuma gewendet, er hat begonnen, ihn als Präsidenten zu kritisieren. Deswegen hat der ANC die Entscheidung getroffen, ihn 2012 aus der Partei auszuschließen."

 

Danach gerät Malema in die Mühlen der Justiz. Ohne die Unterstützung des ANC wird er verwundbar. Seine Finanzen werden überprüft, er soll der Steuerbehörde etwa 1,3 Millionen Euro schulden. Ein Teil seines Vermögens wird konfisziert. Malema vermutet politische Rache dahinter. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass er unehrlich ist", sagt Darracq. "Er hat viel Geld verdient, indem er seine politischen Kontakte genutzt hat, etwa in Limpopo, wo er sehr gute Beziehungen zum Regierungschef der Provinz hatte."

 

Doch offenbar ist Julius Malema nicht der Mann, der sich leicht schlagen lässt. Im Oktober 2013 gründet er seine Partei "Economis Freedom Fighters" (EFF). Er betont, wo der ANC überall versagt hat und verspricht den Wählern wahre Wunder. "Seine Linie ist die, dass der ANC nichts für die Armen getan hat, dass der ANC die Privilegien der Weißen nicht angerührt hat. Eine große Mehrheit der Bevölkerung sei schwarz und immer noch arm, der ANC habe also das Volk verraten", erklärt Darracq. "Malema schlägt vor, viel radikalere Maßnahmen zu ergreifen, er will eine wirtschaftliche Umverteilung. Sein Credo geht so: Wir haben die politische Freiheit, aber der ANC hat uns nicht die wirtschaftliche Freiheit gebracht. Er sagt im Prinzip, dass man den Weißen alles wegnehmen muss, um es zu verstaatlichen, insbesondere die Minen. Er spielt die populistische Karte – was er vorschlägt, ist schlicht nicht praktikabel."

 

Mit seinen Ansichten könnte Malema vor allem Stimmen der jungen, arbeitslosen Schwarzen bekommen – aber es wird nicht reichen, um die absolute Mehrheit seines Rivalen Jacob Zuma zu gefährden. In den jüngsten Umfragen liegt Malemas Partei zwischen fünf und sechs Prozent, also weit hinter Demokratischen Allianz. Sie ist die stärkste Oppositionspartei und traditionell die Partei der weißen Wählerschaft. In Umfragen liegt sie bei etwa 20 Prozent. Doch möglicherweise könnte auch sie von der Unzufriedenheit mit dem ANC profitieren.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016