Weiter Proteste in Venezuela

Länder: Venezuela

Tags: Vénézuela, Proteste, Krise

20 Tote, fast 300 Verletzte und Massenverhaftungen - die Krise in dem seit 4 Wochen von einer sozialen Protestwelle erschütterten Venezuela hat sich weiter verschärft. In bester chavistischer Tradition hat sich Präsident Nicolas Maduro entschieden mit repressiven Massnahmen auf die Demonstrationen zu antworten.


Als Nicolas Maduro vor einem Jahr das Erbe von Hugo Chavez antrat, schwor er die bolivarische Revolution des Commandante fort zu führen. Doch offensichtlich, sind immer weniger Venezolaner bereit Maduro zu folgen. Für sie hat die Revolution nicht mehr als steigende Kriminalität, eine Wirtschaftskrise und eine wachsende Inflation gebracht. Und Maduro scheint unfähig, die Probleme des Landes in den Griff zu bekommen.
 

Massenproteste gegen die Regierung

Im ganzen Land gehen seit Wochen zehntausende von Menschen auf die Strasse, um gegen den Präsidenten zu protestieren. Dabei kommt es immer wieder zu heftigen Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften. Juan Requesens, Student und einer der Anführer der Proteste, sagte bei einer Kundgebung mit mehr als 20.000 Demonstranten am letzten Sonntag in Caracas: "Dies ist der Kampf eines Volkes gegen eine ineffektive Regierung. Maduro, sie haben die Strassen Venezuelas verloren, weil sie heute dem Volk gehören."
 


Von der Studentendemo zum Massenprotest

Die Unruhen begannen am 4. Februar als Studentenproteste in der Stadt San Cristobal im Nordwesten des Landes. Doch schnell schlossen sich tausende Regierungsgegner und die Partei "Wille des Volkes" der Bewegung an. Leopoldo Lopez, Chef der Partei und unterlegener Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr, wurde Mitte Februar während einer Demonstration festgenommen. Schon unter  Chavez galt Lopez als erbitterter Gegner der Regierung.
 

Presse wird mundtot gemacht

Maduro wirft den Führern der Opposition vor, einen Staatsstreich zu planen. Dem venezolanischen Fernsehen verbot er Bilder der Unruhen zu zeigen. Als NTN 24, ein in Venezuela empfangbarer kolumbianischer Sender, über die Proteste berichtete, wurde der Sender kurzerhand aus dem Kabelnetz genommen. Laut der venezolanischen Gewerkschaft der Pressevertreter wurden seit Beginn der Demonstrationen 90 Journalisten bestohlen, misshandelt oder festgenommen.
 

UNO und Washington fordern Aufklärung

Die UNO hat inzwischen eine Untersuchung der Übergriffe gefordert. Als Antwort kam eine kategorische Weigerung aus Caracas. Die USA, Lieblingsfeind der Regierung, bezeichneten die Methoden als inakzeptabel. Maduro wirft Washington vor die Proteste zu unterstützen. Beide Länder reagierten inzwischen mit der Ausweisung von Diplomaten des jeweils anderen Landes.  
 

Keine Ende der Krise in Sicht

Zu Beginn der Woche hatte Nicolas Maduro zu einem nationalen Dialog aufgerufen. "Ich bin gerne bereit, mich mit dem Teufel einzulassen, wenn dies hilft die gewalttätigen Unruhen zu beenden”, sagte der Präsident. Doch von der Opposition kam eine klare Absage. Maduros Appel sei nichts weiter als eine Maskerade. Für heute haben Maduros Gegner zu neuen Massenprotesten aufgerufen.
 

Quellen: AFP, CNN, Le Nouvel Observateur, Miami Herald, Reuters
 

 
Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016