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Was tun gegen Euro-Blüten?

Länder: Italien

Tags: Falschgeld, Handel

In Europa ist immer mehr Falschgeld im Umlauf, allein 2014 wurden 838 000 Blüten aus dem Verkehr gezogen. Dahinter stecken sowohl kriminelle Organisationen als auch Einzelpersonen.

 

Die italienische Finanzpolizei gab am 8. Januar 2015 bekannt, dass sie in einer Industrielagerhalle südlich von Neapel über eine Million falsche Geldscheine entdeckt habe. Die Blüten „standen kurz vor der Fertigstellung, das auf 50‑Euro-Scheinen aufgedruckte Hologramm war bereits vorhanden“. Die Hauptstadt der Region Kampanien ist als Mafiahochburg berüchtigt. Die Hälfte des Falschgelds, das in Europa im Umlauf ist, wurde in einem Umkreis von zwanzig Kilometern um die süditalienische Stadt hergestellt.

Frankreich ist eines der Lieblingsziele der neapolitanischen Fälscher. Über das Mittelmeer und den Hafen von Marseille gelangt das Falschgeld schnell in das Nachbarland, wo jedes Jahr zwischen dreißig und vierzig Fälle aufgedeckt werden. Am 16. Dezember 2014 wurde in der südfranzösischen Hafenstadt und in Avignon ein Fälschernetzwerk ausgehoben, wobei die Gendarmerie falsche 50‑Euro-Scheine von außerordentlich guter Qualität mit einem Nennwert von 900 000 Euro sicherstellte. Fünf Personen zwischen 32 und 47 Jahren wurden wegen Geldfälschung und Bildung einer kriminellen Vereinigung festgenommen, ihnen drohen nun dreißig Jahre Haft.

Nach den Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) wurden 2014 insgesamt 838 000 falsche Scheine beschlagnahmt, 25 % mehr als 2013. In der zweiten Jahreshälfte wurde der 20‑Euro-Schein am häufigsten gefälscht und machte 60 % der Funde aus, gefolgt vom 50‑Euro-Schein (26 %). Manche Fälscher gehören kriminellen Organisationen an, andere arbeiten auf eigene Rechnung.

 

Ein 14-jähriger Fälscher

Am 1. April 2015 griff die französische Grenzpolizei bei einer Verkehrskontrolle in der Nähe von Mulhouse unweit der deutschen und schweizerischen Grenze zwei 36- und 38-jährige Rumänen auf. Im Rahmen einer Ermittlung zu gefälschten Schengen-Visa stießen sie in einem Versteck unter dem Fahrzeugdach auf 199 gefälschte 500‑Euro-Scheine. Die beiden Männer stehen unter Verdacht, an einem groß angelegten Handel mit falschen Papieren und Falschgeld beteiligt zu sein.

Einen ganz anderen Hintergrund hat der Fall eines 14‑jährigen Schülers, der Anfang April im südfranzösischen Montélimar in Untersuchungshaft genommen wurde. Nach Informationen der Tageszeitung Le Dauphiné Libéré soll der junge Mann 450 gefälschte 20‑Euro‑Scheine in den Geschäften der Stadt ausgegeben und einen Gesamtschaden von 9 000 Euro verursacht haben. Der junge Fälscher war über das Dark Web, ein Geheimnetzwerk im Internet, an seine Beute gelangt. Er verkaufte dort im Austausch gegen Falschgeld persönliche Daten, die er zuvor anderen Surfern im Netz entlockt hatte. 

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017