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Was steckt hinter dem World Vision Skandal?

Länder: Israel

Tags: World Vision, Gazastreifen, Hamas

In Israel hat Ende August der Prozess gegen den Gaza-Direktor der internationalen Nichtregierungsorganisation "World Vision" begonnen. Ihm wird die Umlenkung von Spenden-Geldern an die radikal-islamische Hamas-Organisation vorgeworfen

Gaza : le procès autour du scandale World Vision
Gazastreifen: Der Prozess um den World Vision Skandal In Israel hat der Prozess um den World Vision Skandl begonnen. Es geht um die Umlenkung von Spendengeldern. Gazastreifen: Der Prozess um den World Vision Skandal

WORLD VISION FORDERT TRANSPARENZ 

Inzwischen hat der Präsident der internationalen Hilfsorganisation World Vision die israelischen Beschuldigungen gegen seinen Büroleiter im Gazastreifen in Zweifel gezogen und ein öffentliches Gerichtsverfahren zur zweifelsfreien Aufklärung gefordert. "Ein Prozess ist legitim, wenn er transparent ist", erklärte Kevin Jenkins gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Das Gerichtsverfahren gegen den Angeklagten Mohammed al-Halabi begann am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der südisraelischen Stadt Beerscheba.

Al-Halabi wird vorgeworfen, im Laufe mehrerer Jahre Dutzende Millionen Dollar an den bewaffneten Flügel der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas geleitet zu haben, die den Gazastreifen kontrolliert. Die Hilfsorganisation macht allerdings geltend, dass ihr Gesamtbudget für das isolierte Palästinensergebiet im fraglichen Zeitraum nur 22,5 Millionen Dollar betragen habe.

 

Erste Anhörung am Dienstag

"Angesichts der schwerwiegenden Anschuldigungen gegen unseren Mitarbeiter drängen wir auf ein faires Verfahren", hob der Präsident der global tätigen christlichen Hilfsorganisation hervor. Die Beschuldigung, Spendenmittel zugunsten der Hamas umgelenkt zu haben, sei so weitreichend, dass seine Organisation aus einem öffentlichen Verfahren so viele Erkenntnisse wie möglich gewinnen wolle, sollte sich die Anklage als berechtigt erweisen. "Unser Leumund hängt davon ab. Genauso sehr wie unsere Spender hoffen wir, dass die Wahrheit ans Licht kommt", fügte Jenkins im Interview mit AFP hinzu.

Im Verfahren gegen al-Halabi fand am Dienstag hinter verschlossenen Türen eine erste Anhörung statt, Presse und auch Vertreter von World Vision waren nicht zugelassen. Verteidigerin Lea Tsemel erklärte, die Anklageschrift sei verlesen worden. Ihr Mandant habe sich noch nicht geäußert, werde aber auf unschuldig plädieren. Das Verfahren werde Anfang Oktober fortgesetzt. Am 4. August hatte der israelische Inlandsgeheimdienst die Anschuldigungen gegen den Chef von World Vision im Gazastreifen bekanntgegeben. Zu diesem Zeitpunkt saß dieser bereits sieben Wochen in Haft, was aber einer Nachrichtensperre unterlag. 

 

Auch "Save the Children" im Visier

Weil die Hamas von den USA und der EU als terroristisch eingestuft wird, wenden alle im Gazastreifen tätigen karitativen Gruppen schärfste Kontrollmechanismen an. World Vision hat gegenwärtig alle Aktivitäten im Gazastreifen  gestoppt, dessen fast zwei Millionen Bewohner stark von Auslandshilfe abhängig sind. Zunächst sollen sämtliche Projekte in den Palästinensergebieten einer internen Betriebsprüfung unterzogen werden.
"Wir haben aber den starken Wunsch, nach Gaza zurückzukehren", bekräftigte Jenkins. So habe seine Organisation dort im vergangenen Jahr 40.000 Kinder mittels Patenschaften unterstützt.

Wenige Tage nach Bekanntwerden der Affäre um World Vision hatte der israelische Geheimdienst ähnliche Beschuldigungen gegen die Gruppe "Save the Children" erhoben und die Verhaftung eines für die UNO im Gazastreifen tätigen Ingenieurs bekannt gegeben. Dieser soll die Hamas begünstigt haben, was von der UNO aber nachdrücklich bestritten wurde. Die Klärung vor einem ordentlichen Gericht steht auch in diesen Fällen noch aus. 
        

Zuletzt geändert am 31. August 2016