Was ist die Charcot-Krankheit?

Länder: Welt

Tags: Gesundheit, Ice-Bucket-Challenge, soziale Netzwerke

Ein Eimer Eiswasser, der über den Kopf von Prominenten gekippt wird. Das Ganze wird gefilmt, auf sozialen Netzwerken gepostet und voilà, schon haben wir eine "Ice-Bucket-Challenge". Mit dieser Aktion sollen Spenden gesammelt werden. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf eine schlimme Krankheit zu lenken: Die Amyotrophe Lateralsklerose, auch unter dem Namen Charcot-Krankheit bekannt. Aber was verbirgt sich eigentlich dahinter? Die Antwort in fünf Schlagwörtern.

Definition

Die Seite der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke dgm.org definiert die Charcot-Krankheit (auch als Lou-Gehring-Syndrom bekannt) folgendermaßen: "Die Amyotrophe Lateralsklerose ist eine sehr ernste Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems." Die Krankheit bewirkt eine fortschreitende Degeneration der motorischen Neuronen. Eine Verschlimmerung der Lage kann nicht verhindert werden. Die Hälfte der Betroffenen stirbt drei Jahre nach Ausbruch der Krankheit. Ein Patient von zehn hat im besten Fall noch etwa zehn Jahre zu leben. 

 

Symptome

Weil die Charcot-Krankheit die Muskeln angreift, leiden die Erkrankten an zahlreichen Behinderungen und können auf Dauer nicht mehr selbst für sich sorgen. Am Ende sind alle willkürlichen Muskeln betroffen, was zu Lähmungen, zu Schluckbeschwerden und Sprachschwierigkeiten führt. Wenn auch die Muskeln des Zwerchfells und des Brustkorbs angegriffen werden, können die Patienten nicht mehr atmen. Es ist dieses Atemversagen, das für gewöhnlich zum Tode führt.

 

Ursache

Bei ungefähr fünf bis zehn Prozent der Betroffenen ist die Krankheit erblich bedingt. Bei den restlichen Patienten bleibt die Ursache – trotz zahlreicher Studien – unklar. Es gibt jedoch mehrere Risikofaktoren. Umweltfaktoren wie giftige oder ansteckende Stoffe werden zum Beispiel in Betracht gezogen. Andere Studien haben sich damit beschäftigt, ob körperliche Traumata oder Hochleistungssport eventuell eine Rolle spielen könnten. Auch die Ernährung wird von Wissenschaftern als möglicher Grund erforscht. Vor allem Glutamat könnte dazu beitragen, dass sich die Krankheit entwickelt. Aber bis jetzt fehlen eindeutigen Beweise, um einen der Faktoren mit eindeutiger Sicherheit als Ursache ausmachen zu können. 

 

Betroffene 

Die Krankheit bricht vor allem bei Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren aus. Außerdem sind mehr Männer als Frauen davon betroffen. Einige Berufsgruppen scheinen häufiger an ALS zu leiden als andere. Dazu zählen zum Beispiel Landwirte, Kriegsveteranen (vor allem aus dem Golfkrieg) oder Hochleistungssportler.  In Deutschland sind Schätzungen zufolge zwischen 6.000 und 7.000 Menschen von der Krankheit betroffen. Jährlich kämen etwa 2.000 dazu. Den größten Medienrummel gab es um die Fälle mehrerer italienischer Fußballer. Zwischen 1973 und 2008 starben fast 40 von ihnen an der Krankheit. Es wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Als Ursache für den Ausbruch von ALS wurden mehrere Möglichkeiten in Erwägung gezogen, vor allem die Auswirkungen von Dopingmitteln oder die für die Pflege des Stadionrasens benutzten Pestizide.

 

Behandlung

Es gibt kein Medikament gegen die Charcot-Krankheit. Aber dank Riluzole, eines Mittels, das die Freisetzung von Glutamat vermindert, können die Patienten zumindest einige Monate länger leben. Tests mit anderen Molekülen, wie zum Beispiel Lithium, sind gerade am Laufen. Außerdem wurden Behandlungen entwickelt, um die Symptome zu lindern und das Wohlbefinden der Erkrankten zu verbessern.

Ein Hoffnungsschimmer oder wenigstens eine wissenschaftliches Mysterium: Der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking lebt seit 50 Jahren mit der Krankheit. Er war 21 Jahre alt, als ALS bei ihm diagnostiziert wurde. Die Ärzte gaben ihm damals nur noch "einige Jahre zu leben". Heute ist er 74.

 

Wer ist von der Krankheit betroffen? 
(Klicken Sie auf die Porträts um mehr über die Krankheitsgeschichte dieser Persönlichkeiten zu erfahren.)
 

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016