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Was für ein Zirkus!

Länder: Frankreich

Tags: Zirkus, Artistik, Schule

Am Nationalen Zentrum für Zirkuskunst (CNAC) in der Stadt Chalon im Nordosten Frankreichs laufen die Proben auf Hochtouren. Die elf Schüler der diesjährigen Abschlussklasse bereiten sich auf ihre eigene und finale Produktion „Over the Cloud“ vor, mit der sie ihre Ausbildung in unterschiedlichen Disziplinen beenden werden. Vom 28. Januar bis 22. Februar wird das Spektakel in La Villette in Paris zu sehen sein. Hérade Feist hat ihnen bei den Vorbereitungen über die Schulter geschaut.

 

 

Lernen fürs Leben

Wer die zehntägige Aufnahmeprüfung am Centre national des arts du cirque (CNAC) überstanden hat, absolviert hier in drei Jahren sein Diplom. Werkanalyse, Kunstgeschichte, Zirkustechniken, Theater-, Anatomie- und Sicherheitskurse füllen den Stundenplan der Jahrgänge. Ob Kunst am Trapez, Seil oder Trampolin, jeder Schüler kann seine eigene Disziplin wählen. Wer will, kann auch fürs Leben lernen: Das Zentrum bietet eine „lebenslange Ausbildung“ an, in der Künstler mit Fortbildungen begleitet werden. Mittlerweile spielt das CNAC eine große Rolle in der internationalen Szene. Seine Anfänge sind im zeitgenössischen Zirkus.

 

Antworten auf die Zirkuskrise

In den 1970er Jahren geht es vielen Zirkussen in Frankreich schlecht. Die Schwachstellen des Zirkusgeschäfts machen sich bemerkbar: Gesetze stehen den Künstlern im Weg, ihre Mobilität ist eingeschränkt und die Zirkusleitung ist meist schlecht. Das Kulturministerium will dem Sektor eine Struktur schaffen und ihn wiederbeleben. Deshalb räumt es  1979 dem „Zirkusmanagement“ einen Platz in der Abteilung Theater, Musik und Tanz ein. Um Artisten zusätzlich eine staatliche Ausbildung anzubieten, will das Ministerium in den 80er Jahren dann ein nationales Ausbildungszentrum erschaffen. Ihre Wahl fällt auf den Zirkus, der in Chalon schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts seine Zelte aufgeschlagen hat. 1985 geht der erste Ausbildungsjahrgang des CNAC an den Start. Zirkus wird seitdem in Frankreich gefördert.

Manche Zirkuskünstler beschließen, auf die Krise mit einer Neuordnung der Elemente zu reagieren und räumen in der Manege auf: Der jetzt aufkommende zeitgenössische oder neue Zirkus stellt den Menschen und seinen Körper in den Mittelpunkt. Die neue Form verschreibt sich dem Tanz, der Performance, Musik und Akrobatik, ohne wilde Tiere und Klamauk. Der zeitgenössische Zirkus will subtiler und ästhetischer als sein Vorgänger sein. Die unterschiedlichen Kunstformen sollen harmonisch miteinander verbunden werden und eine Geschichte erzählen. Einzelne Nummern und Paraden werden durch ein Großkunstwerk eingetauscht, das Anfang und Ende hat. Auch die Aufführungsorte ändern sich, vom Zirkuszelt zu Festivals oder Theatersälen.

 

Zirkus links und rechts vom Rhein

Während der Zirkus in Frankreich einen großen kulturellen Wert hat, fällt er in Deutschland nicht einmal unter den Kulturbegriff. Als Gewerbebetriebe müssen sich die hauptsächlich kleinen Zirkusse ohne Subventionen durchschlagen. Einzige Unterstützung ist manchmal die Sozialhilfe oder steuerliche Vergünstigungen. Noch dazu müssen sie in jedem Bundesland andere Vorschriften für Tierhaltung und Standplatzmiete beachten. Viele der kleinen Zirkusse bleiben daher in einem Bundesland, viele haben ihre Zelte zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen aufgeschlagen. Neben den kleinen Zirkussen gibt es den Eventtrend, dem sich viele Shows mit Spezialisierung verschreiben. Darunter gehört zum Beispiel die Pferdeshow Magnifico oder die Artistenshow Flic Flac.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016