Wandel, Erwärmung, Störung? Welche Worte beschreiben am besten, was mit unserem Klima los ist?

Länder: Europäische Union

Tags: Cop 21

Unseren ersten Artikel über den Beginn der Weltklimakonferenz COP21 müssen wir jetzt schon schreiben (weil noch Zeit für die Übersetzungen eingeplant werden muss), obwohl wir noch gar nicht wissen, was der Klimagipfel bringen wird. Womit fangen wir an? Mit der Anteilnahme und freundschaftlichen Verbundenheit, die in vielen Zuschriften und Beiträgen zur Operation Klima zum Ausdruck kommt!

Aus Norwegen:

„Ich hoffe, es ist nicht zu schwer, in Paris zu sein. Ich habe heute mit der Präfektur gesprochen, und dort sagte man mir, dass die meisten Demonstrationen in der Nähe der COP wahrscheinlich verboten werden würden, aber wir kommen trotzdem…”

 

Aus Rumänien:

„Guten Abend, geht’s euch gut? Ich habe solche Angst und weiß gar nicht, was ich fühlen soll: Trauer, Bestürzung, Wut oder Bedauern. Ich hoffe, dass es euch, euren Familien und euren Freunden gut geht. Ich bin in Gedanken bei euch.”

 

Aus Russland:

„Wie geht es euch? Gebt uns ein Lebenszeichen, vor allen Dingen von L. Wir leiden mit euch. Ihr wisst sicherlich, was wir gerade durchmachen: Der Absturz der russischen Maschine nach Sankt Petersburg hat so viel Leid und Schmerzen über die Menschen hier gebracht.”

 

Am 17. November schrieb Paul Krugman in einem Leitartikel der New York Times, dass der Terrorismus unsere Zivilisation weder zerstören könne noch werde, die globale Erwärmung könne das aber schon. 

 

„Es wird heiß. Nein …“

 

Erderwärmung also, oder wie Cedric, einer der Videofilmer in der interaktiven Umweltdoku es ausdrücken würde: „Es wird heiß. Nein, es ist ein bisschen komplizierter. Ein bisschen, ja.

 

Aus den europäischen Filmbeiträgen wird deutlich, dass die Begriffe nicht für alle die gleiche Bedeutung haben. Das Schmelzen der Gletscher wird der Erderwärmung angelastet, die zunehmenden Überschwemmungen aber als Folge einer Klimastörung gesehen.
 

 

Mit vielen Videofilmern waren die Diskussionen komplizierter. Manche verstanden nicht, worauf wir hinauswollten. Oft waren sie nicht ausreichend informiert, bekamen die Klimaveränderung nicht am eigenen Leib zu spüren (wirklich nicht) oder waren sich der Zusammenhänge nur nicht bewusst. Ihr Stück vom Paradies gefällt ihnen einfach so wie es ist.

 

„Es ist zwar heiß, aber wir haben das Meer zur Abkühlung, und der Garten hängt gerade voller Feigen”, schrieb uns eine junge Griechin. Wir haben ihr dann ein paar Zahlen geschickt, die die klimabedingte Zunahme der Trockenheit und die knapper werdenden Süßwasserressourcen auf ihrer Insel belegen.

 

Hier bin ich glücklich – Basta!

 

Vor allem in Osteuropa kannten viele unserer Videofilmer die Begriffe gar nicht und wussten auch nichts von der COP21 und dem Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Freundlich, aber bestimmt machten wir Ludmilla (18 Jahre) aus Russland klar, wie wichtig eine solche Begrenzung ist. Sie meinte nämlich, zwei, drei oder vier Grad mehr, das würde für sie keinen großen Unterschied machen, weil bei ihr die Temperaturen im Winter bis auf unter minus 20 Grad sinken. In ihrer Nachricht, die in bestem Schulenglisch verfasst und mit bunten Smileys durchsetzt war, schrieb sie uns: Manchmal wünschte ich mir, es wäre hier nicht so kalt. Nur im Sommer kann es manchmal auch ziemlich heiß werden, das muss ich zugeben.”

 

Wir baten die Europäer, ihr Fleckchen vom Paradies zu filmen, das sie nicht durch den Klimawandel verlieren wollen. Viele beschränkten sich darauf, einfach nur ihr Stück vom Paradies zu filmen. Das mag für Sachkundige befremdlich klingen, aber die Videofilmer wollten mit der Kamera einfach den Ort einfangen, an dem sie glücklich sind. Basta.
 

 

Vielen widerstrebte es wohl auch, sich der Frage nach dem Klimawandel zu stellen, weil sie fürchteten, in eine Diskussion zwischen Wissenschaft und Aktivismus zu geraten, der sie nicht ganz trauen oder deren Argumente sie sogar offen in Zweifel ziehen. Wir haben mit Europäern gesprochen, die den Studien über die vom Menschen verursachte Erderwärmung keinen Glauben schenken, aber trotzdem die Natur lieben und achten.

 

So schreibt einer der Videofilmer mit russisch-georgischen Wurzeln:

„Es gibt nur ein Problem. Wie Sie wahrscheinlich wissen, ist das Konzept von Klimawandel und Erderwärmung ein totales Fake, das von so Abschaumtypen wie Al Gore und Co erdacht wurde, um von den wahren Dingen abzulenken und ihnen noch mehr Geld und Macht zu geben.“ Und weiter schreibt er: “Mein Beitrag könnte es sein, davor zu warnen, unsere schöne Natur dem Wettlauf nach Profit zu opfern, für den einige die Wälder abholzen und die Umwelt verschmutzen, so als könnten ihre Nachkommen auf einen anderen Planeten des Universums weiterleben.“

 

Ein junges Paar aus Litauen hat schließlich ganz darauf verzichtet, ein Video zu drehen. „Um ehrlich zu sein, sind wir ein bisschen irritiert, weil wir nicht wissen, wie wir das Video machen sollen. Wir leben nicht in der Nähe vom Meer, also können wir nicht wirklich sehen, wie der Klimawandel sich in unserer Region auswirkt. Wir sehen, wie Großbauern das Land verändern, zu viel Dünger versprühen, das Wasser verschmutzen usw. Wenn man glaubt, dass die Großbauern den Klimawandel verursachen, dann ist das eine andere Geschichte…“

 

Privatinteressen, die die Natur zerstören

 

Wir haben schnell begriffen, dass es nichts bringt und auch fehl am Platze ist, in die Rolle des Lehrers zu schlüpfen. Viele Beiträge senden bereits die Botschaft aus, dass die Zerstörung der Natur offensichtlich ist und dringend mit dem Raubbau aufgehört werden muss.

 

Eine junge Bulgarin schrieb uns: „Also, ich bin vom Pirin-Gebirge begeistert. Es ist ein einzigartiger, von der UNESCO geschützter Ort. Unglücklicherweise versucht die bulgarische Regierung seit dem letzten Jahr, Pirin von der UNESCO-Liste der geschützten Orte streichen zu lassen, weil sie das Gebiet erweitern möchte, um es für Skilifte, Skiloipen und Hotels zu nutzen, was praktisch einer Zerstörung der Umwelt gleichkäme. […] Ich denke, das könnte ein interessantes Thema für Ihren Film sein – private Interessen zerstören die Natur.“

 

Gebäude werden in Städten hochgezogen, die schon aus allen Nähten platzen; die Industrie fischt die Meere leer und macht dadurch auch die kleinen Fischer arbeitslos; industrielle Abwässer belasten die Flüsse, und achtlos weggeworfene Haushaltsabfälle verhindern regelmäßig, dass man die Einsamkeit in der schönen Natur genießen kann.
 


 

Sehr schnell hat sich die Frage gar nicht mehr gestellt, ob die Videos und Erfahrungsberichte thematisch zur Dokumentation passen, die ja in einem größeren Zusammenhang mit der COP21 steht. In den Beiträgen wird die Gleichgültigkeit der Natur gegenüber angeprangert, und diese Einstellung trägt eine Mitschuld am Klimawandel. Alle Videofilmer übernehmen Verantwortung für den Erhalt der Natur, jeder an seinem Platz, so wie auch wir uns an unserem Platz und mit unseren Möglichkeiten für den Naturschutz einsetzen.