Wahltag in Pjönjang

Länder: Nordkorea

Tags: Kim Jong Un, Nordkorea, Wahlen

Wie wählt man in einem Land, in dem man eigentlich gar keine Wahl hat? Heute lässt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seine neues Parlament vom Volk absegnen. ARTE Journal hat versucht sich in die Haut eines Wählers hinein zu versetzen. Ein satirischer Blick auf ein Land, in dem es eigentlich alles andere als lustig zugeht.

 

06:00 Uhr
 

Sonntag Morgen. Gerade noch vom “Obersten Führer”geträumt, da klingelt mein Wecker mit dem Ehrenmarsch “General Kim Jong Un”. Aufstehen und ein ehrfürchtiges "Vater-der-Nation-und-des-Universums-Unser" beten.
 

Mein Name ist Kim Park Chol. Nordkoreanischer Staatsbürger. Wohnort Pjönjang. Heute ist ein besonderer Tag. Wir dürfen die 687 Abgeordneten der Obersten Volksversammlung wählen. Es sind die ersten Wahlen seit der Generalissimus die Nachfolge seines Vaters Kim Jong ll, “unseres lieben Führers, der eine perfekte Verkörperung des Erscheinungsbildes war, die ein Führer haben muss”, angetreten hat.
 

Mehr als zwei mal pro Jahr kommt unser Parlament nicht zusammen. Ist auch unnötig. Der Oberste Parteisekretär Kim Jong Un entscheidet in seiner grenzenlosen Weisheit eh allein über Gesetze und Haushalt. Unsere Volksvertreter dürfen seine Entscheidungen dann durch stundenlanges Dauerklatschen absegnen.
 

07:00 Uhr
 

Gemeinsam marschiert unser ganzer Wohnblock zum Wahllokal. Überall herrscht Feststimmung. Die Menschen tanzen und singen vor Freude. Die Frauen tragen ihre schönsten Kleider und die Kameraden haben ihre Orden und Parteiabzeichen frisch aufpoliert.
 

Ich wähle im Bezirk Paektu-Berg Nummer 111. Bei uns hat sich Kim Jong Un “auf einstimmigen Wunsch der Wählerschaft” höchstpersönlich aufstellen lassen. In jedem Wahlkreis tritt nur ein Kandidat der Einheitsliste an. Man kann nur mit JA oder NEIN stimmen. Das Fernbleiben von der Wahl wird als “politisches Vergehen” betrachtet und kann mit einer ganz persönlichen Urne belohnt werden.
 

08:00 Uhr
 

Vor den Augen der amtlichen Wahlbeobachter habe ich Kamerad Kim und der kommunistischen Partei der Arbeit Koreas PdAK mein Ja-Wort gegeben. Ich wünsche mir, dass wir die Wahlbeteiligung des Urnengangs von 2009 noch übertreffen werden. Damals lag sie bei 99,98%...
 

Die erste Bürgerpflicht ist vorschriftsmässig erfüllt. Was macht man nun mit so einem angebrochen Wahlfeiertag in Pjönjang?

 

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Text: P. Schulze-Heil / Grafik: T. Millotte / ARTE Journal

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016