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Waffenruhe in Aleppo: ein neuer Anlauf

Länder: Syrien

Tags: Bürgerkrieg, Aleppo

Die Konfliktparteien im syrischen Bürgerkrieg haben sich auf eine Waffenruhe für die geteilte Großstadt Aleppo geeinigt. Diese soll für zwei Tage gelten, berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Außenministerium in Moskau. Zuletzt haben sich für Aleppo vereinbarte Waffenruhe als brüchig erwiesen.

Die Vereinbarung soll ab Donnerstag gelten, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Unklar ist, ob auch der Rest des Landes in die Vereinbarung einbezogen ist.

 

Versagen bei Hilfslieferungen?

Mehr als 50 syrische Oppositionsgruppen warfen den Vereinten Nationen Versagen bei Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung vor. Bei den Menschen, deren Lage am verzweifeltsten sei, komme kaum Unterstützung an. Laut Medienbericht gingen allein im April 88 Prozent der Nahrungsmittellieferungen in Gebiete, die unter Kontrolle von Regierungstruppen stehen. Nur zwölf Prozent hätten Menschen in den von der Opposition kontrollierten Regionen erreicht. Viele Dörfer und Städte werden dort von Regierungstruppen belagert und sind praktisch ohne Zugang zu Nahrung oder medizinischer Versorgung. 

Heftige Gefechte zu Beginn der Woche

Hintergrund für die Waffenruhe sind erneute schwere Kämpfe, die am Mittwoch in und rund um Aleppo stattgefunden haben. Bei den Gefechten zwischen Regierungstruppen und Dschihadisten sollen "mindestens 70 Kämpfer" getötet worden. Die Informationen stammen von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, deren Angaben von objektiver Seite nicht zu überprüfen sind.

Gleichentags haben die Regierungstruppen am Boden dank der Unterstützung der syrischen und der russischen Luftwaffe Teile der Stadt von den oppositionellen Rebellen zurückerobern können, nachdem sie die Kontrolle darüber nur Stunden zuvor verloren hatten. Die mit Al-Kaida verbündete Al-Nusra-Front startete daraufhin aber einen Gegenangriff auf Chalassa.

Das Verteidigungsministerium in Moskau warf der Al-Nusra-Front vor, mehrere Stadtviertel von Aleppo mit Raketenwerfern angegriffen zu haben und südwestlich der Stadt eine Offensive mit Panzern gestartet zu haben.  Die Al-Nusra-Front ist mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündet. 

 

Aleppo Ramadan

11. Juni, Fastenmonat Ramadan: Bewohner von Aleppo warten in einem von Rebellen besetzten Viertel auf die von der NGO "Syria charity" organisierte Essensausgabe.

 

 
Notorisch brüchige Waffenruhen in Aleppo

Schon Ende Februar trat eine landesweite Waffenruhe zwischen Regierungstruppen und gemäßigten Rebellen in Kraft. Die von den USA und Russland vermittelte Feuerpause wurde allerdings immer wieder gebrochen, insbesondere in der umkämpften Großstadt Aleppo. Wegen der wiederaufgeflammten Kämpfe hatte sich die syrische Opposition im April aus den Genfer Friedensgesprächen zurückgezogen.

Am Mittwoch hat US-Außenminister John Kerry die russische Regierung erneut aufgefordert, zur Waffenruhe zurückzukehren. Russland muss verstehen, dass unsere Geduld nicht unendlich ist", sagte Kerry. Bei der Frage, ob der syrische Staatschef Baschar al-Assad für die wiederaufgeflammten Kämpfe "zur Rechenschaft gezogen wird", sei die Geduld Washingtons sogar "sehr begrenzt""Wir wissen das, wir machen uns keine Illusionen", fügte er hinzu. Darum müsse jetzt eine "echte" Einstellung der Kampfhandlungen erreicht werden. Bemühungen, die Waffenruhe landesweit wieder in Kraft zu setzen, weitere Hilfslieferungen und eine Fortsetzung des Friedensprozesses zu ermöglichen, seien bereits im Gange. Eine "neue Vereinbarung" werde in ein bis zwei Wochen angestrebt, kündigte Kerry an.

 

Fünf Jahre Krieg in Syrien: Der Bürgerkrieg in Syrien begann im Frühjahr 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen Staatschef Baschar al-Assad. Seither wurden nach Schätzungen der UNO mehr als 280.000 Menschen getötet und Millionen in die Flucht getrieben. Zu unserem Dossier. 

 

Zuletzt geändert am 26. Juli 2016