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Waffenexporte innerhalb von fünf Jahren annähernd verdoppelt

Länder: Russland

Tags: Waffenhandel, Ukraine-Krise

Der Handel mit Waffen legte nach einer Studie des Internationalen Stockholmer Institutes für Friedensforschung SIPRI in den letzten fünf Jahren stark zu. Die USA und Russland festigen ihren Rang als Branchenführer im Verteidigungssektor; China stößt zu den größten Waffenexportnationen hinzu. Die Ukraine-Krise scheint der deutschen Waffenindustrie zugute zu kommen; in den Jahren davor war deren Handel noch rückläufig.

In den letzten fünf Jahren haben die Waffenexporte in Aufsehen erregendem Maße zugenommen und sich fast verdoppelt. Dies belegt das Stockholmer Institutes für Friedensforschung SIPRI in einer am Montag dem 22. Februar veröffentlichten Studie für den Zeitraum von 2011 bis 2015. Der weltweite Waffenhandel war seit ca. 20 Jahren rückläufig, weitete sich aber nach 2001 wieder aus. Diese Zunahme an Umschlägen auf dem Waffenmarkt erklärt sich teilweise durch die Zunahme politischer Spannungen im Mittleren Osten, bei denen auch die europäischen Mächte, Russen und Amerikaner mitmischen.

 

Spitzenreiter Vereinigte Staaten

Weltmarktführer mit 33 % der Exporte sind nach wie vor die US-Konzerne. Die amerikanischen Waffenlieferungen legten zwischen 2011 und 2015 im Vergleich zu den fünf davor liegenden Jahren um 27 % zu. In diesem Zeitraum exportierte das Land über 46 Milliarden TIV an Kriegsgeräten. Die US-Waffenindustrie bedient ein ausgedehntes Netzwerk an Kunden: In den vergangenen fünf Jahren belieferte sie 96 Staaten und bereitet, so die SIPRI-Studie, ein Kontingent von 611 Kampfflugzeugen des Typs F-35 für neun verschiedene Länder vor. Einen Großteil ihrer Rüstungsgüter lieferten die USA nach Nordafrika und in den Mittleren Osten. In diese Region gehen 41 % der US-Waffenexporte zwischen 2011 und 2015. Die besten Kunden der USA sind Ägypten, Afghanistan und der Irak. Auch Südkorea gab innerhalb von fünf Jahren bei den US-Konzernen ein beachtliches Volumen von drei Milliarden TIV in Auftrag.

 

Die zehn größten Waffenexporteure zwischen 2011 und 2015 

source Sipri

 

Die Maßeinheit TIV: Das SIPRI entwickelte ein Referenzsystem zum Vergleich des Umschlagvolumens auf dem weltweiten Rüstungsmarkt: den "Trend Indicator Value". Die Einheit TIV wird gemeinhin verwendet für die Auswertung des zeitlichen Verlaufs der Ströme an Rüstungsgütern zwischen Ländern und Regionen. Der Indikator bildet keinen realen finanziellen Wert für Waffenverkäufe ab und ist daher nicht mit Regierungsstatistiken vergleichbar.

 

 

 

Russischer Absatzmarkt Asien

Mit einem Anteil von 25 % an den weltweiten Exporten belegt Russland Platz zwei. Von 2011 bis 2015 legten die Exporte um 28 % zu - trotz westlicher Sanktionen gegen das Land wegen dessen Rolle im Ukraine-Konflikt. Beträchtliche Waffenkontingente verkauften die Russen in erster Linie nach Asien, hauptsächlich Indien, wodurch das Land seine Verluste auf dem europäischen Markt auffangen konnte. Zwei asiatische Großkunden Russlands sind Vietnam und China. In Nordafrika bestellte Algerien über zwei Milliarden TIV an Rüstungsgütern. Auch Venezuela und Aserbaidschan gaben bei russischen Konzernen große Bestellungen in Auftrag.

 

China im Spitzen-Trio

China hievte sich auf Rang drei der größten Waffenexportnationen - noch vor Deutschland und Frankreich. Allerdings liegt das Land mit einem Anteil von 5,9% am Weltmarkt immer noch weit abgeschlagen hinter den USA und Russland. Um seinen technologischen Rückstand aufzuholen, investiert China seit zehn Jahren stark im militärisch-industriellen Sektor. Der chinesische Militäretat belief sich 2015 auf 886,9 Milliarden Yuan (140 Milliarden Franc[1]). Durch diese massiven Investitionen konnte das Land hochqualitatives militärisches Gerät herstellen und Waffenlieferungen aus dem Ausland um 25 % zurückfahren. Bei seinen Exporten hingegen lege China rasant zu: von 2011 bis 2015 im Vergleich zu den fünf davor liegenden Jahren um 88 %. Insgesamt exportierte China im betreffenden Zeitraum insgesamt für über acht Milliarden TIV. Chinesische Waffen sind vor allem auf dem asiatischen Markt gefragt, besonders in Pakistan, Bangladesch und Birma.

 

Für Deutschland ein Ärgernis

Bei den weltweiten Exporten liegt Deutschland mit Rang fünf unmittelbar hinter Frankreich. Die Ausfuhren an Waffen haben sich von 2014 bis 2015 verdoppelt. Vorrangige Kunden der deutschen Rüstungsindustrie von 2011 bis 2015 sind die USA, Südkorea, Israel sowie Griechenland.

Jedoch ist diese positive Bilanz für den deutschen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ein Ärgernis, hatte er bei seinem Regierungsantritt 2013 noch versprochen, sich strikt gegen Verkäufe an autoritäre Regimes zu stellen.

Im Detail betrachtet, nahmen die deutschen Ausfuhren von 2011 bis 2013 ab, legten 2014 und 2015 allerdings wieder zu.

 

Die Folgen des Ukraine-Konflikts

Seit 2010 fuhren die europäischen Staaten die Waffentransfers aufgrund von Einsparungen im Militärbereich zurück. Jedoch änderte die Ukraine-Krise ab 2013 die Sachlage.

Nach einem Artikel der "Deutschen Wirtschaftsnachrichten" hatte die politische Konfrontation zwischen Europa und Russland um die Ukraine-Krise Auswirkungen auf den Rüstungsmarkt. Das neue Bewusstsein ihrer mangelhaften Fähigkeit zur Abschreckung mit konventionellen Waffen gegenüber Moskau könnte für die europäischen Mächte Anlass für neue Investitionen im Bereich Verteidigung gewesen sein. Davon wieder wiederum würde die deutsche Rüstungsbranche profitieren, denn diese ist besonders bei ihren europäischen Partnern gefragt – in erster Linie bei Griechenland, Spanien und Italien.

 

Großimporteure Indien und Saudi-Arabien

Nach der SIPRI-Studie ist das Land, das zwischen 2011 und 2015 die meisten Waffen importierte, Indien. An zweiter Stelle kommt Saudi-Arabien – das seinen Rüstungsetat in den vergangenen Jahren verdreifachte. Dahinter folgen auf Platz vier die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR), die sich in erster Linie von europäischen und US-Waffenkonzernen beliefern lassen. Die USA exportierten zwischen 2011 und 2015 eigene Rüstungsgüter im Wert von 4 Milliarden TIV. Trotz des Ölpreis-Sturzes waren die Aufträge für Waffenlieferungen in fünf Jahren nicht rückläufig. Die Türkei belegt weltweit den Platz sechs. Als ebenfalls verlässliche Importnation gilt Mexiko: Das Land hat seine Käufe schwerer Waffen für den Einsatz "gegen den Drogenkrieg" verdreifacht. Größter Waffenimporteur auf dem afrikanischen Kontinent ist Algerien – das Land liegt im Rüstungswettlauf gleichauf mit Marokko.

 

Zuletzt geändert am 17. Februar 2017