Von Damaskus ins Elsass

Länder: Frankreich

Tags: Syrien, Flüchtlinge

This is the end my beautiful friends… Hier kommt die letzte Folge unserer Serie "Von Damaskus ins Elsass". Sandra und Terry sind zwei Syrer, die im August 2015 nach Frankreich kamen. Seit mehr als sechs Monaten erzählen sie uns von ihrem Alltag als Flüchtlinge: eine neue Kultur, bürokratische Hürden, die Begegnung mit anderen, ihre Reise in den Dschungel von Calais, ihr Umzug… Der Blick, den sie dabei auf ihr neues Heimatland werfen, ist weder naiv noch frustriert. Stattdessen beeindrucken sie mit ihrer ungebrochenen Freude am Leben. In der letzten Folge blicken die beiden zurück auf ihre lange Reise: Von der Ankunft in einem Dorf im nördlichen Elsass bis zu dem Erhalt eines langersehnten Blatt Papiers: der Aufenthaltserlaubnis. Am Ende durften sie im ARTE-Studio als Moderatoren Gäste empfangen.

Alle Folgen der Serie können Sie auf Arabisch in unserem Arte YouTube anschauen.

Große Ehre für viel Arbeit: Eine Auszeichnung für Sandra und Terry
Sandra und Terry haben beim Internationalen Filmfestival Skandinaviens den Jurypreis "Award of recognition" (auf Deutsch: "Preis der Anerkennung") erhalten. Ausgezeichnet wurde ihr Film "Strangers in the jungle", der als Eröffnungsfilm auf dem Festival lief. Aus der Web-Reihe "Von Damaskus ins Elsass" haben sie die drei Folgen (Nummer 18, 19 und 20), in denen die beiden syrischen Flüchtlinge das Lager in Calais besuchen, zusammengeschnitten und damit nicht nur ARTE, sondern auch die skandinavische Jury überzeugt. 

Sandra Alloush und Terry Haddad haben Syrien am 18. Dezember 2012 verlassen. Beide lebten in Damaskus. Sandra war Journalistin und eine bekannte Moderatorin bei Syrian News, einem staatlichen und somit vom Regime abhängigen Fernsehsender. Sie leitete eine politische Sendung. Terry arbeitete bei demselben Sender als Programmgestalter und war verantwortlich für den Musikbereich.

Im Mai 2012, gerade als ihre Sendung anzulaufen beginnt, erhält Sandra Mord-, Gewalt- und Entführungsandrohungen. Man beschuldigt sie, für die Regierung zu arbeiten und eine Verräterin zu sein. Dass der Direktor des Senders ihr seinerseits vorwirft, zu offen zu sprechen und Gäste einladen zu wollen, die sie nicht einladen sollte, macht die Sache nicht leichter.

Sandra und Terry kündigen und die Ereignisse überschlagen sich. Der Direktor der Syrian News droht ihnen, den Sicherheitsdienst einzuschalten und dafür zu sorgen, dass sie das Land nicht verlassen können. Am selben Abend werden sie von einem weißen Wagen verfolgt. Als sie eine Brücke überqueren, versucht er, sie von der Straße zu drängen.

Am nächsten Tag, dem 28. November 2012, explodieren zwei Bomben direkt vor ihrer Wohnung im Viertel Jaramana, einem Vorort, der als regimefreundlich gilt. Die Bilanz: mindestens 50 Tote und 120 Verletzte. Drei Stunden später verlassen Sandra und Terry in einem kugelsicheren Wagen, der einem Cousin von Terry gehört, ihre Wohnung und drei Wochen später das Land.

Es folgen zweieinhalb Jahre im Libanon. In Beirut übernachten sie erst bei einem Freund, dann finden sie eine eigene Wohnung. Sie arbeiten von Zeit zu Zeit im Medienbereich, doch ihre Rücklagen sind bald aufgebraucht. Sandra nimmt an einer Art "The Voice" für Moderatoren teil: "Arab anchor", sie schafft es bis ins Finale und wird vierte.

Ihr Gesicht ist nun in einem großen Teil der arabischen Welt bekannt. Sie erhält Jobangebote, doch ihre Aufenthaltserlaubnis, genau wie die von Terry, läuft aus. Zu diesem Zeitpunkt gelingt es einem befreundeten Flüchtlingskoordinator für den Irak und Syrien des Bundes evangelischer Kirchen in Frankreich für sie ein Visum zu organisieren.

Am 26. August 2015 kommen sie in Roissy an und werden von dort direkt in eine Aufnahmefamilie im Norden des Elsass gefahren. Ihr Antrag auf Asyl, den sie bei der OFPRA (Französisches Amt für den Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen) eingereicht haben, läuft noch.

Zuletzt geändert am 27. Juni 2017