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Verschärfung der Gesetze gegen Cyber-Mobbing

Länder: Europäische Union

Tags: Cyber-Grooming, Gesetz

2013 war jeder dritte Jugendliche Opfer von Cyber-Mobbing. Auf Drohungen und andere Demütigungen, die über die sozialen Netzwerke im Internet verbreitet werden, reagiert der Gesetzgeber mit verschärften Bestimmungen.

 

MAGAZINE EUROPEEN- VOX POP (34)

Andere Menschen im Schutz der Anonymität des Internets verbal zu attackieren scheint für einige User zu einem Zeitvertreib geworden zu sein. Bei einer französischen Umfrage aus dem Jahr 2013 gaben 40% der befragten Schüler an, im Netz schon einmal verbale Gewalt erfahren zu haben. Eine alarmierende Zahl, wenn man bedenkt, dass diese Form der Belästigung die Opfer in den Selbstmord treiben kann.

Vor zwei Jahren nahm sich die 14-jährige Britin Hannah Smith das Leben, nachdem sie auf Ask.fm zum Mobbing-Opfer geworden war. Dieses soziale Netzwerk wurde 2011 ins Leben gerufen und gestattet es seinen Mitgliedern, anonym miteinander zu kommunizieren. Tag für Tag wurde das Mädchen mit verletzenden Bemerkungen traktiert: „Verreck endlich, du Schreckschraube! Alle werden sich darüber freuen“, „Tu uns bitte den Gefallen und bring dich um!“, oder auch „Schluck Gift“.

Die Regierung in London nimmt diese Fälle von Cyber-Mobbing sehr ernst. Aktuell erwägen die britischen Behörden eine Verschärfung der Mobbing-Gesetze, die künftig Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren vorsehen könnten.   

In Bayern ermittelte das Landeskriminalamt (LKA) wegen Cyber-Grooming (des gezielten Ansprechens von Minderjährigen zur Anbahnung sexueller Kontakte), nachdem im Netz Gerüchte über einige Lehrer gestreut worden waren. Einer von ihnen wurde in einem gefakten Webzine (Online-Magazin) der Pädophilie beschuldigt, ein anderer immer wieder von Unbekannten angerufen, die seine im Internet verbreitete Telefonnummer für eine Sex-Hotline hielten.

 

Aufklärung bei Jugendlichen

Das so genannte Sexting, der Austausch erotischen Bildmaterials vom eigenen Körper, ist zur neuen Waffe der Cyber-Mobber auf Instant-Messaging-Anwendungen wie Snapchat oder WhatsApp geworden. Um diesem Phänomen zu begegnen, setzt Belgien auf Aufklärung bei den Jugendlichen, beispielsweise durch Unterricht in Medienbildung oder die 2013 ins Leben gerufene Schockkampagne „Stop Cyberhate!“. Webseiten, Videospots und Lehrkräfte sensibilisieren die Heranwachsenden für die verheerenden Auswirkungen, die das Teilen erotischer Aufnahmen mit sich bringen kann. Am weitesten verbreitet ist das Sexting allerdings in Dänemark und Rumänien.

Die Europäische Union finanziert ihrerseits Forschungsprogramme zur Bekämpfung des Cyber-Mobbings, darunter das European Cyberbullying Intervention Project (ECIP) mit Sitz in Bologna (Italien) oder EU kids online unter der Federführung der London School of Economics. Ziel beider Projekte ist es, Kinder schon früh im richtigen Umgang mit den neuen Medien zu schulen. Andere, wie die internationale Kinderschutzorganisation Beatbullying, bilden Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren zu Mentoren für ihre gleichaltrigen Kameraden aus.


Besser zweimal überlegen

Zuweilen kommen Lösungsansätze auch von den Jugendlichen selbst. Auf der Global Science Fair 2014 weckte die 13-jährige Amerikanerin Trisha Prabhu im Frühjahr letzten Jahres die Aufmerksamkeit des Internet-Giganten Google mit ihrem Projekt Rethink das sie als „wirksames Mittel zur Bekämpfung des Cyber-Mobbings“ präsentierte. Die Erfindung, deren Name übersetzt so viel heißt wie „Besser zweimal überlegen“, basiert auf einer Schnittstelle, die Internet-Nutzer zwischen 12 und 18 Jahren systematisch dazu auffordert, ihre Nachrichten noch einmal durchzulesen, bevor sie sie verschicken oder posten. Die Anwendung will auf diese Weise verletzende Inhalte herausfiltern und den Nutzern vor Augen führen, welche Auswirkungen ihre Nachricht haben könnte. Erste Tests geben der jungen Erfinderin Recht: 93,4% der Nutzer entschieden sich nach erneutem Durchlesen ihrer Nachricht, diese besser nicht abzuschicken.

 

Céline Peschard

 

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017