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"Verdammt kleine Fische in einem ziemlich großen Teich"

Länder: Deutschland

Tags: Donald Trump, Michael Roth

Der designierte US-Präsident Donald Trump könnte ein unberechenbarer, unbequemer Verhandlungspartner werden. Zumindest, wenn er sich an seine Wahlversprechen hält: Freihandelsabkommen? Mag er nicht. Das Atomabkommen mit dem Iran? Rückgängig machen. Nato? Wenn die USA schon Mitglied sind, sollen die anderen wenigstens dafür zahlen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth ist Staatsminister im Außenministerium. Er hofft, dass zumindest nicht alle Vorschläge Trumps umgesetzt werden. Im Interview mit ARTE Info spricht er über die Herausforderungen der europäischen Außenpolitik, warum die deutsch-französischen Beziehungen nun so wichtig sind und weshalb das Jahr 2017 eine Bewährungsprobe ist.

ARTE: Herr Roth, Sie kümmern sich auch um die deutsch-französischen Beziehungen. Wie hat man in diesem Umfeld, Paris und Berlin, das Ergebnis der Wahl in den USA aufgenommen?

Michael Roth: Ich habe den Eindruck, dass in ganz Europa die Überraschung ziemlich groß war. Viele, ich beziehe mich da ausdrücklich mit ein, haben mit diesem Wahlausgang nicht gerechnet. Aber niemand ist in Panik verfallen.

Europa ist Teamspiel und nicht Einzelsport.

Michael Roth

 

Was sind die nächsten Schritte um auf einen solch speziellen, aber wichtigen Verhandlungspartner wie Trump zuzugehen?

Michael Roth: Geschlossenheit ist jetzt gefragt. Es bringt nichts, wenn jeder Einzelne mit einer unterschiedlichen Position nach Washington reist. Die Europäer müssen hier mit einer Stimme sprechen, wenn sie ihre Angebote unterbreiten. Es wird darum gehen, wie Verantwortlichkeiten gemeinsam getragen werden, sei es bei der Flüchtlingsfrage, der Lage im Nahen und Mittleren Osten oder in Afrika. Wir müssen aber auch die Vereinigten Staaten daran erinnern, dass wir sie als konstruktiven Partner zur Lösung internationaler Konflikte dringend brauchen.

 

Bedeutet ein Präsident Trump, dass Deutsche und Franzosen noch enger zusammenrücken müssen?

Michael Roth: Gerade in diesen schwierigen Zeiten brauchen wir starke Partner und deshalb ist die deutsch-französische Zusammenarbeit möglicherweise wichtiger denn je. Und wir brauchen handlungsfähige europäische Institutionen. Schließlich ist Europa Teamspiel und nicht Einzelsport. Wir dürfen auch nicht in eine Phase der Starre verfallen, nur weil im nächsten Jahr der französische Präsident und der Deutschen Bundestag gewählt werden. Die großen anstehenden Bewährungsproben erlauben uns nicht, Zeit zu verlieren.

ARTE Reportage widmet sich ausführlich den Präsidentschaftswahlen in den USA und dem doch etwas überraschenden Ausgang:

Amerikaner und Europäer brauchen einander.

Michael Roth

Mit Trump kommt ein Präsident, der viele Konflikte anders bewertet als sein Vorgänger. Da geht es um Syrien, das Atomabkommen mit dem Iran… Wie groß ist der Hebel, den Deutsche und Franzosen da betätigen können?

Michael Roth: Wir sind alle verdammt kleine Fische in einem ziemlich großen Teich. Das muss uns klar sein - wenn wir unsere Zukunft, die Globalisierung, gestalten wollen, geht das nur gemeinsam im Team der Europäischen Union. Die EU braucht dafür auch eine gemeinsame Position mit den USA bei der internationalen Wirtschafts- und Handelspolitik. Amerikaner und Europäer brauchen einander. Wir müssen uns innerhalb der Nato verständigen und sicherstellen, dass diese nach wie vor unser Solidaritätsbündnis darstellt. Denn unabhängig von einem Politikwechsel bleiben die starken wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Beziehungen erhalten.

Zuletzt geändert am 17. November 2016