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Vater Najeeb rettet das christliche Erbe im Irak

Länder: Irak

Tags: Mossul, Erbe, Christentum

Die Offensive der Terrormiliz Islamischer Staat im letzten Sommer war für das kulturelle Erbe des ehemaligen Mesopotamiens folgenschwer, denn zahlreiche Gebäude und christliches Kulturgut wurden zerstört. Die IS hält heute angeblich über 4000 Stätten, offizielle Zahlen gibt es allerdings nicht. Die Dschihadisten haben zahlreiche historische, denkalgeschützte sowohl muslimische, als auch christliche Gebäude in die Luft gejagt. Um die Erinnerung an das Christentum und die Kirche im Irak aufrechtzuerhalten, hat sich ein dominikanischer Priester dazu entschieden, alte Bücher und Manuskripte zu retten, die die Geschichte der Christen in der Region seit über 2000 Jahren bezeugen. Vater Najeeb stammt aus Mossul, der zweiten irakischen Stadt, die durch die Terrormiliz IS im Juni 2014 eingenommen wurde. Der Priester ist inzwischen nach Erbil geflüchtet, der Hauptstadt des irakischen Kurdistans, wo er weiter für den Erhalt des irakischen, christlichen Erbes kämpft. Marie Forestier hat ihn getroffen und ihm dabei zugeschaut, was er unternimmt, um das christliche Erbe zu schützen.  

 

 

 

Der Exodus der Christen aus dem Orient lässt sich nur schwer beziffern. Aufgrund der allgemeinen Migrationsbewegungen der Bevölkerung und den ländereigenen Zahlenerhebungen lässt sich der Anteil der Christen nur schätzen. Entgegen der Erwartungen ist die Zahl der im Mittleren Osten lebenden Christen im Laufe des 20. Jahrhunderts stetig angestiegen: von 2 Millionen im Jahr 1910 bis auf etwas mehr als 12 Millionen heute. Dabei handelt es sich um einen natürlichen demographischen Wandel.  Gemessen an der Gesamtbevölkerung der arabischen Länder ging der Anteil der christlichen Minderheit aber deutlich zurück. Machten Christen zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch 12 bis 15 % der Gesamtbevölkerung aus, sind es heute gerade mal noch 5 %.

Der Einmarsch der amerikanischen Truppen im Irak 2003 und die durch den Arabischen Frühling hervorgerufenen Konflikte führten dazu, dass die religiösen Verhältnisse in der Region aus dem Gleichgewicht gerieten. Immer mehr Christen wurden deshalb zu Flüchtlingen und verließen Syrien und den Irak, um im Libanon und der Türkei Schutz zu suchen. Auch in Ägypten, wo 2011 die Muslimbrüder an die Macht gelangten und sich der Salafismus zunehmend ausbreitet, sind immer mehr Migrationsbewegungen zu beobachten. Dennoch profitieren viele ägyptische Kopten, deren Zahl von religiösen Behörden meist überschätzt wird, von ihren engen Beziehungen zu ihren Gemeinden im Ausland wie etwa in den USA.

In den Ländern am Golf sieht es dagegen anders aus: hier steigt die Zahl der Christen, die aus Asien kommen, stetig an. Diese hohen Zahlen lassen sich vor allem durch die Migrationsströme aus Pakistan, Indien und Indonesien nach Bahrain oder die Vereinigten Arabischen Emirate erklären. In diesen Ländern werden die Immigranten jedoch meist als billige Arbeitskräfte eingestellt und können ihre Religion nicht frei ausüben. In Saudi-Arabien, dem „Heiligen Land“ des Islam, ist es zum Beispiel verboten, Synagogen oder Kirchen zu errichten. Christen müssen sogar mit Haft oder Abschiebung rechnen, wenn sie beim Beten erwischt werden. Dieses Schicksal teilen auch alle anderen nicht-muslimischen Gläubigen.

Sophia Gese

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016