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Unterzeichnerstaaten, Chronologie der Angriffe und Grauzonen

Länder: Welt

Tags: Chemiewaffen

Welche Länder haben die Chemiewaffenkonvention ratifiziert, welche nicht? Und warum? Antworten finden Sie hier. 

Klicken Sie auf die Reiter, um zu sehen, welche Staaten die Chemiewaffenkonvention unterzeichnet haben, welche Länder einen Chemiewaffenbestand deklariert haben und wo es Produktionsanlagen für Chemiewaffen gibt:

 

 

Chronologie chemischer Angriffe, die die Geschichte geprägt haben

 

 

 

Die Grauzonen der Chemiewaffenkonvention

 

Wenn eine Chemikalie gegen die Bevölkerung und gezielt zu Vergiftungszwecken eingesetzt wird, dann wird sie als chemische Waffe angesehen.

Scott Cairns, Inspektor der OPCW

Scott Cairns, Inspektor der OPCW: "Es spielt keine Rolle, ob eine Chemikalie im Anhang der chemischen Stoffe aufgeführt ist oder ob sie auf der Liste der eingestuften Produkte steht. Wenn eine Chemikalie gegen die Bevölkerung und gezielt zu Vergiftungszwecken eingesetzt wird, dann wird sie als chemische Waffe angesehen und ist somit von dem Übereinkommen über das Verbot chemischer Waffen verboten." Weißer Phosphor, das Entlaubungsmittel Agent Orange, Napalm, neutralisierende Reizstoffe: Diese Stoffe werden aus wissenschaftlichen Gründen nicht offiziell als chemische Waffen klassifiziert. Aber laut der Chemiewaffenkonvention werden alle chemischen Arbeitsstoffe, die bewusst gegen Menschen oder Tiere eingesetzt werden und die durch ihre chemische Wirkung schwere Schäden verursachen oder zum Tode führen, im Nachhinein als Chemiewaffen betrachtet.

 

Brandwaffen: Napalm und weißer Phosphor

Napalm ist eine Substanz mit dem Hauptbestandteil Benzin, verfestigt mit Benzol und Polystyrol. Weißer Phosphor ist eine andere molekulare Form des chemischen Elements Phosphor. Die Substanzen werden von der OPCW nicht als chemische Waffen klassifiziert, aber ihr oftmals gleichzeitiger Einsatz wird von dem Genfer Übereinkommen über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes bestimmter konventioneller Waffen seit 1980 verboten:

das Protokoll über Brandwaffen verbietet ihre Verwendung gegen die Zivilbevölkerung oder gegen militärische Ziele in zivilen Ballungsräumen. Aber der Text bezieht sich nur auf Waffen, die absichtlich im Rahmen eines offensiven Angriffs eingesetzt werden, um ein Ziel zu verbrennen und nicht auf die Waffen, die Gebiete sozusagen als Kollateralschaden  verbrennen.

Napalm verursacht die schrecklichsten Schmerzen, die man sich nur vorstellen kann. Wasser siedet bei 100°C,  aber Napalm erzeugt Temperaturen von 815°C bis 1200°C.

Kim Phùc, Viatnamesin

Deswegen dürfen Geräte, die diese chemischen Mischungen aufgrund ihre Rauch- oder Brandeigenschaften nutzen, verwendet werden: Darum geht die ganze Diskussion. Wenn die französische, amerikanische, russische, irakische oder israelische Armee und andere zugeben, diese Stoffe zu verwenden, um aus taktischen Gründen Kampfzonen zu erleuchten und Nebelwände zu erzeugen, antwortet die betroffene indochinesische, vietnamesische,  tschetschenische, kurdische und palästinensische Bevölkerung, indem sie das Ausmaß der Schäden für den Menschen bezeugt. "Napalm verursacht die schrecklichsten Schmerzen, die man sich nur vorstellen kann. Wasser siedet bei 100°C,  aber Napalm erzeugt Temperaturen von 815°C bis 1200°C", bestätigt Kim Phùc, das kleine vietnamesische Mädchen, das für immer durch das Foto verewigt wurde, auf dem abgebildet ist, wie sie auf der Flucht vor einer Napalmwolke nackt eine Straße entlangläuft. Napalm wird auch als "das Feuer, das an der Haut klebt" bezeichnet. 

 

Entlaubungsmittel: Agent Orange

Agent Orange ist ein extrem leistungsfähiges Unkrautvernichtungsmittel. Seine militärische Nutzung besteht darin, es literweise über Wälder und Felder zu versprühen, um die Tarnmethoden und die Verstecke des Feindes aufzudecken, aber auch um die Nahrungs- und Wasserversorgung zu stören. Das in dem chemischen Stoff vorhandene Dioxin verursacht nicht nur während des Angriffs, sondern auch noch Jahre später schwere Gesundheitsschäden und sorgt in der betroffenen Bevölkerung für einen Anstieg an Krebsfällen sowie für Missbildungen bei Neugeborenen.

Agent Orange, das vor allem von den USA im großen Stil benutzt wurde, um den Aufstand in Nordvietnam zu unterdrücken, ist laut einer Schätzung der vietnamesischen Regierung von 2003 für den Tod von einer Million Menschen verantwortlich, darunter 150.000 Kinder.

 
Neutralisierende Reizstoffe

Eine weitere Grauzone betrifft die neutralisierenden und lähmenden Kampfstoffe. Da sie als nicht-tödlich betrachtet werden, ist ihr Einsatz für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung erlaubt. Der Einsatz dieser Kampfstoffe entwickelt sich jedoch in beunruhigender Weise. Es gibt Beweise, dass Länder wie Russland, die USA und die Tschechische Republik diese immer leistungsfähigeren Stoffe entwickeln, um sie bei Anti-Terror-Operationen oder bei Geiselnahmen einzusetzen. Der umstrittenste Einsatz einer solchen Chemikalie fand während der Geiselnahme durch tschetschenische Separatisten im Moskauer Dubrowka-Theater im Oktober 2002 statt. Um diese zu beenden, pumpten die russischen Spezialeinheiten eine unbekannte Substanz in das Ventilationssystem des Theaters. Diese Chemikalie wurde nie offiziell identifiziert, aber aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um ein Fentanyl-Derivat, ein synthetisches Opioid. 41 Kämpfer und 129 Geiseln wurden damit getötet. Trotz dieser hohen Verluste wurde die Operation nicht als eine Verletzung der Chemiewaffenkonvention angesehen. Deren Rechtsvorschriften sind in Bezug auf diese Substanzen, die unbestreitbare Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem haben, nicht sehr eindeutig. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016