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Umwelt-Abzocker: Die Recherche

Länder: Dänemark, Deutschland, Großbritannien

Tags: Braunkohle, Kohleindustrie, Klima, CO2

Seit etwa fünfzehn Jahren boomt der Bergbau weltweit. Grund dafür ist unter anderem die stark gestiegene Nachfrage nach natürlichen Ressourcen in den Schwellenländern. Zwar haben 75 % aller Bergbau- und Rohstoffunternehmen ihren Sitz in Kanada, doch Europa bleibt weiterhin Hochburg der Bergbau­industrie – dem erklärten Ziel, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, zum Trotz. 

 

Der Goldesel Osteuropas

Seit Jahren bekräftigt der staatliche Energiekonzern EDF (der sich zu 84 % in Hand des französischen Staates befindet) ein Anliegen: Senkung seiner CO2–Emissionen und Förderung eines „vielseitigen und CO2-armen Energiemixes“. So will das Unternehmen Vorreiter im Bereich der nachhaltigen Entwicklung werden. In Wahrheit verbringt sich hinter diesem Versprechen aber ein Bekenntnis zur Kernenergie und darüber hinaus zu jenem fossilen Brennstoff, der für ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist: Kohle.

Zugegeben, in Frankreich müssen die letzten Kohlekraftwerke der EDF in den kommenden Jahren stillgelegt werden, da sie den strengen, Normen der Europäischen Kommission nicht mehr genügen. Doch verzichten will der Energiekonzern auf den fossilen Brennstoff trotzdem nicht. Mehr denn je setzt die Wachstumsstrategie von EDF heute auf Kohle - nur eben nicht in Frankreich. Durch Übernahmen und Beteiligungen fasst die Gesellschaft langsam aber sicher im Vereinigten Königreich, in China, vor allem aber in Osteuropa Fuß. „EDF besitzt Kohlekraftwerke in Polen, hat sich für den Bau eines weiteren in Kroatien beworben und ist ferner an einem Projekt in Kolubara in Serbien beteiligt“, berichtet das Online-Magazin Observatoire des multinationales im Oktober 2014.

Laut jüngstem Tätigkeitsbericht des Energiekonzerns nutzt EDF übrigens immer mehr Kohle: 25 Millionen Tonnen im Jahr 2013, also 4 Millionen mehr als noch 2011. Auch der CO2-Ausstoß ist deutlich gestiegen: 80 Millionen Tonnen 2013 gegenüber 70 Millionen Tonnen zwei Jahre zuvor.

 

Deutscher Tagebau wieder in Betrieb

Doch nicht nur der französische Energiekonzern setzt weiterhin auf fossile Brennstoffe. In Deutschland ist ein regelrechtes Comeback der Kohle zu verzeichnen, wie wir vor Kurzem berichtet haben. Da Deutschland bis 2022 schrittweise aus der Atomenergie aussteigen will, greift es wieder verstärkt auf fossile Brennstoffe zurück.

Die Bundesregierung hat die Wiederaufnahme und den Ausbau des Braunkohletagebaus angekündigt. Dies bedeutet auch, dass mehrere Dörfer abgerissen und deren Bewohner umgesiedelt werden müssen. So werden auch in der Ortschaft Proschim in der Lausitz, einer Vorzeigegemeinde für erneuerbare Energien, eine Reihe landwirtschaftlicher Betriebe dem Tagebau zum Opfer fallen. Laut The Independent versuchen die aufgebrachten Bewohner nun, mehr schlecht als recht Widerstand zu leisten. 120 000 Unterschriften sind für ihre Petition schon zusammengekommen.

45 % des deutschen Stromverbrauchs wird derzeit durch Kohlekraft­werke gedeckt. Und so ist Deutschland mit einem CO2-Ausstoß von 760 Millionen Tonnen allein im Jahr 2013 der größte Umweltsünder der Europäischen Union.

Céline Peschard

 

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017