Ukraine: ein zerrissenes Land

Länder: Ukraine

Tags: Maïdan, Rechte Sektor

Im Westen der Ukraine sind es gewaltbereite, ultranationale Gruppierungen wie der Rechte Sektor, die das Bild der demokratischen Revolution auf dem Maidan trüben. Im Osten des Landes versuchen prorussische Separatisten mit Waffengewalt ihre Ziele durchzusetzen. Das Ergebnis sind zahlreiche Tote in verschiedenen Städten der Ukraine. Und mitten im Land bauen sich selbst organisierende Gruppen Straßenkontrollen auf, um, wie sie sagen, eine weitere Eskalation der Lage zu vermeiden.

Der rechte Sektor – Gefahr für die Demokratie?

Die Extremismus-Expertin Alina Polyakova beobachtet den Rechten Sektor schon lange. Vor allem die Jugend im Westen der Ukraine sehnt sich nach einem starken und unabhängigen Staat. Sie ist eine leichte Beute für die ultranationalistischen Parolen von Dmitri Jarosch, dem Führer des Rechten Sektors. In den letzten Tagen der Maidan-Revolution hatte gerade seine Gruppierung für eine Eskalation der Gewalt gesorgt und damit den Umsturz in Kiew letztlich erfolgreich gemacht. Alina Polyakova warnt davor, die Partei über zu bewerten, unstrittig sei jedoch, dass sie seit den Tagen des Maidan(s) stark an Anerkennung gewonnen habe. Die Waffen haben seine Gefolgsleute noch nicht abgelegt, während sich Dmitri Jarosch zum Präsidentschaftskandidaten aufstellen lassen hat.

 

Der Rechte Sektor in Lemberg

"Bist du bereit, für dein Land zu sterben?"
Interview mit der Expertin Dr. Alina Polyakova
"Es gab Extremisten und es wird sie weiterhin geben."

 

Aufstand im Osten – Terrorismus oder Volkswehr?

Im Osten der Ukraine ist die Lage längst eskaliert. Milizen haben zwei unabhängige Republiken ausgerufen und sie am Tag vor den Präsidentschaftswahlen vereinigt. – Eine Provokation, nicht zuletzt, um die Präsidentschaftswahlen zu behindern. Dima ist Mitglied in einer dieser Milizen. Gegenüber der Presse aus dem Westen sind er und seine Mitstreiter, die in Donezk durch die Barrikaden laufen, misstrauisch. Bezeichnungen wie Separatisten oder Terroristen verweigern sie sich, vielmehr solle man sie Volkswehr oder ganz einfach die Bewohner des Donbass nennen. So wollen sie ihren Aufstand dann auch verstanden wissen als einen demokratischen Widerstand, an dem jeder Bürger in Donezk teilhaben darf. 

 

Durch die Barrikaden von Donezk
"Kann man denen vertrauen?"
Eine Grenze, die es nicht geben dürfte

Die Regierung in Kiew hat längst eingeräumt, die Kontrolle über zahlreiche Landstriche im Osten verloren zu haben. Das bringt Menschen wie Jewgeni auf den Plan. Er und andere Freiwillige haben an der Ausfallstraße von Dnepopetrowsk, irgendwo zwischen Kiew und dem Osten der Ukraine, eine Straßensperre errichtet. Sie haben damit eine Grenze gezogen, die es eigentlich nicht geben dürfte. Diese Ukrainer sympathisieren mit der Maidan-Bewegung. Sie wollen verhindern, dass bewaffnete Ostukrainer in den Westen gelangen. Einen Groll gegen Russland hegen sie dennoch nicht, sie wollen einfach in einer vereinten Ukraine leben.

 

Eine Grenze mitten durchs Land
"Es ist nun mal so, dass ich in der Ukraine lebe."

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016