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UK – Studenten machen mobil gegen Studiengebühren

Länder: Großbritannien

Tags: Universität, Gebühren

Britische Studenten gehen massenweise auf die Straßen, um gegen eine Verdreifachung der Studiengebühren zu demonstrieren. Die Geburtsstunde einer umfangreichen Protestbewegung?

 


Busweise kamen sie aus allen Ecken des Landes herbei: Am 19. November zogen fast 10 000 britische Studierende aus über 40 Universitäten durch die Londoner Innenstadt, um ihrer Wut über die Erhöhung der Studiengebühren Ausdruck zu verleihen. „Bildung ist ein Recht, kein Luxus!“, „Was wollen wir? Kostenlose Ausbildung. Wann? Sofort!“, skandierten die Demonstranten, die im Herzen der britischen Hauptstadt bis vor die Tür von Downing Street 10 zogen, wo der konservative Premierminister David Cameron seinen Amtssitz hat.
Eine derartige Protestbewegung hatte das Land letztmals vor vier Jahren erlebt, als im Herbst 2010 fast 50 000 Studierende auf die Straße gegangen waren, um gegen einen Gesetzentwurf der Regierung Cameron zur Erhöhung der Studiengebühren zu demonstrieren.

 

10 000 Euro jährlich

Seit Inkrafttreten der Reform im Jahr 2012 haben sich die Studiengebühren an britischen Universitäten verdreifacht und belaufen sich mittlerweile in zwei von drei Hochschulen bei 9 000 Pfund (10 500 Euro) jährlich. Damit zählt das Vereinigte Königreich zu den europäischen Ländern mit der teuersten universitären Ausbildung. Dies zwingt mittlerweile immer mehr junge Menschen, sich für ihr Studium tief zu verschulden.

Die aktuellen Absolventen werden nach dem Verlassen der Universität unter einer Schuldenlast ächzen wie keine Generation vor ihnen“, warnte im August 2013 die britische Journalistin Jeni Russel in einem Artikel der Times, der in Courrier international nachzulesen ist. Viele britische Studierende sind dazu gezwungen, bei staatlichen Einrichtungen oder anderen Kreditinstituten Darlehen in Höhe von 40 000 bis 50 000 Euro aufzunehmen, um ihre Ausbildung abschließen zu können. Doch der Anteil nicht zurückgezahlter Studienkredite erreicht mittlerweile besorgniserregende Ausmaße, wie The Guardian im vergangenen März berichtete.

 

Beispiel Deutschland

Als Speerspitze des Studentenprotests geht die Organisation Student Assembly Against Austerity (studentische Sammlungsbewegung gegen Sparpolitik) davon aus, dass die Demonstration vom 19. November erst der Anfang einer langen Reihe von Aktionen war, mit denen die Studierenden ihren Forderungen im Vorfeld der britischen Unterhauswahlen im Mai 2015 Nachdruck verleihen werden. Die Student Assembly Against Austerity kämpft schon seit mehreren Monaten für eine völlige Befreiung von den Studiengebühren. „Wir fordern von der britischen Regierung, sich am Beispiel Deutschland zu orientieren“, erklären Vertreter der Organisation. Im vergangenen Oktober wurden in Deutschland die Studiengebühren abgeschafft. Damit ist die Hochschulausbildung für deutsche wie auch für ausländische Studierende bis auf die Verwaltungsgebühren.

Manuel Vicuña

 

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Zuletzt geändert am 15. Mai 2017