Türkei: Profit durch Kinderhände

Länder: Türkei

Tags: Kinderarbeit, Haselnüsse, Ferrero

Kinderarbeit ist in der Türkei verboten – doch das türkische Statistikinstitut zählt knapp eine Million Kinder zwischen sechs und 17 Jahren, die arbeiten. Die Hälfte davon zieht mit ihren Eltern als Helfer von Ernte zu Ernte, etwa um Haselnüsse zu pflücken. Die Familien brauchen das Geld zum Überleben und die Bauern brauchen billige Arbeitskräfte – denn die Einkäufer etwa von Nestlé und Ferrero haben, ganz im Sinne der Verbraucher, ein Interesse an niedrigen Preisen für die Haselnüsse.

Türkei : Kinderarbeit

Bei 38 Grad im Schatten an einem Steilhang hängen sich die Kinder in die Zweige der Büsche, schütteln die Nüsse ab und sammeln sie auf, Nuss für Nuss, zwölf Stunden am Tag, bis sie dann abends im Endspurt die vielen 20 Kilosäcke den Berg hoch ins Lager schleppen. Das geht so monatelang in der Erntezeit, ohne Schulunterricht, nur Arbeit, gemeinsam mit den Eltern. Die meisten kommen aus den kurdischen Gebieten, aus den Dörfern, die die Armee im Kampf gegen die PKK zerstört hat. Dass die Kinder mithelfen bei der Arbeit auf dem Feld, das ist dort Tradition. Aber die pure Not treibt die Eltern dazu, ihre Kinder weit über das übliche Maß hinaus zur Arbeit zu schicken.

Die Türkei liefert 70 Prozent der Haselnüsse auf dem Weltmarkt – dass Kinder dort schon jahrzehntelang ausgebeutet werden, das wurde vor gut drei Jahren zum ersten Mal bekannt.  Seitdem gibt es erste Bemühungen, auch der Weltkonzerne Nestlé und Ferrero, den Eltern und den Kindern wenigstens mit Pilotprojekten zu helfen. Unsere Reporter zeigen, wie schwer es noch immer in der täglichen Praxis ist, das Verbot der Kinderarbeit in der Türkei wirklich umzusetzen.   
 

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Von Eberhard Rühle, Alix Francois Meier und Markus Reichert – ARTE GEIE / Apollo Film – Frankreich 2014

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016