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Tschechische Republik –Startschuss für den Verkauf von medizinischem Cannabis

Länder: Tschechische Republik

Tags: Pharmaindustrie, cannabis

Seit Anfang November haben die tschechischen Apotheken begonnen, Cannabis als Arzneimittel zu verkaufen. Eine lange angekündigte, mehrfach verzögerte Markteinführung.

Cannabis hat jetzt seinen festen Platz zwischen Hustensirup und Aspirin. Seit einigen Tagen kann man in der Tschechischen Republik Marihuana zu therapeutischen Zwecken erwerben. Die Vermarktung des Medizinalhanfes begann am 12. November 2014 in der Apotheke der tschechischen Stadt Uherské Hradiště (dt.: Ungarisch Hradisch). Zugelassen ist der Verkauf der getrockneten Blüten mit 6 bis 12 % THC, aber nur auf ärztliches Rezept und in begrenzter Menge (maximal 30 Gramm pro Person / pro Monat). In den kommenden Wochen dürften die anderen Apotheken des Landes folgen.
 

Zugelassen, aber nicht im Angebot

Cannabis lindert die Symptome mehrerer Krankheiten: Krebs, multiple Sklerose, Parkinson, Schuppenflechte, atopisches Ekzem. Vor zwei Jahren wurde mit viel Getöse der Verkauf von Medizinalhanf in der Tschechischen Republik freigegeben. Zumindest auf dem Papier … Denn obwohl das entsprechende Gesetz im April 2013 in Kraft trat, konnte man in den tschechischen Apotheken bisher absolut kein Marihuana für den medizinischen Gebrauch auftreiben. Das lag an mehreren bürokratischen Hindernissen, aber nicht allein. „De facto hat das Gesundheitsministerium – der Regierung, die den Mezizinalhanf genehmigt hat! - die Anwendung des Gesetzes sehr erschwert und hinausgezögert“, urteilt der öffentlich-rechtliche tschechische Hörfunksender Radio Praha. So dauerte es fast zwanzig Monate, bis das Tschechische Institut für Arzneimittelkontrolle eine Liste der zum Verkauf freigegebenen Medikamente auf Cannabisbasis aufstellte.
 

Versorgungsschwierigkeiten

Die Tschechische Republik hat begonnen, Cannabis in kleinen Mengen aus den Niederlanden zu importieren. Aber die Einfuhr ist sehr teuer. Daher wandte sich der tschechische Gesundheitsminister Miroslav Němeček an Israel, einen der weltweiten Marktführer auf diesem Gebiet, wo die Preise niedriger liegen sollen. Seit kurzer Zeit kann die Hanfpflanze auch auf tschechischem Boden angebaut werden, sofern die Erlaubnis des Staatlichen Instituts für Arzneimittelkontrolle vorliegt. In Prag hat die Medizinische Fakultät der Karls-Universität bereits angekündigt, dass sie eine Genehmigung für den Hanfanbau und die Weiterentwicklung der Cannabis-Forschung zu therapeutischen Zwecken beantragen wolle.

 

Manuel Vicuña