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Tschechische Republik – Jagd auf HIV-Positive

Länder: Tschechische Republik

Tags: HIV, Homosexuelle

Die Prager Gesundheitsbehörden haben Strafanzeige gegen dreißig Homosexuelle  wegen ungeschützten Geschlechtsverkehrs gestellt.

Ein geradezu unglaublicher Fall von moderner Hexenjagd: Im Januar 2016 haben die Gesundheitsbehörden der tschechischen Hauptstadt dreißig HIV-positive Männer angezeigt, denen vorgeworfen wird, ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Obwohl nach Angaben des Schweizer LGBT-Magazins 360° kein Geschädigter bekannt ist, müssen diese Personen gemäß Artikel 152 und 153 des tschechischen Strafgesetzbuchs mit einer zehnjährigen Haftstrafe wegen wissentlicher Übertragung einer Infektionskrankheit rechnen.

 

Anlass dieser Verfolgung waren Erkenntnisse der Prager Gesundheitsbehörde, denen zufolge sich die dreißig namentlich bekannten Personen mit einer weiteren sexuell übertragbaren Krankheit angesteckt hätten, nachdem sie bereits positiv auf das HIV-Virus getestet worden waren. Der Beweis, so die staatliche Stelle, dass die betreffenden Männer ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten.

 

Kriminalisierung HIV-Positiver

Vereine und Verbände sprechen von einem „unerhörten Skandal“. Nach Angaben der tschechischen Aidshilfe, die den betreffenden Personen juristischen Beistand angeboten hat, lag bei den meisten von ihnen dank Medikamenteneinnahme die Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze. Diese Männer konnten ihre im Allgemeinen ebenfalls HIV-positiven Partner daher gar nicht anstecken. Zudem können bestimmte Geschlechtskrankheiten wie zum Beispiel Syphilis trotz Gebrauch eines Präservativs übertragen werden, betont die NRO. „All das wird zur Folge haben,  dass HIV-positive Menschen bei Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit den Gang zum Arzt künftig meiden“, erklärte der Jurist der tschechischen Aidshilfe Jakub Tomšej gegenüber dem Web-Portal Gay Star News.

 

Das Vorgehen der tschechischen Behörden ist Gegenstand einer an die Europäische Kommission gerichteten Petition der European AIDS Treatment Group. Sie weist darauf hin, dass die Kriminalisierung HIV-positiver Personen die Maßnahmen zur Vorbeugung und Erkennung der Krankheit ernsthaft gefährdet.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016