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"Tag des Zorns" im Westjordanland

Länder: Israel, Palästina

Tags: Gaza, Westjordanland

Der Gaza-Konflikt ist in Jerusalem angekommen. Nur mit Mühe konnten Israels Sicherheitskräfte einen Sturm auf den Tempelberg verhindern. Mehr als 10.000 Palästinenser demonstrierten im Westjordanland. Der Iran feuert sie an.

Demonstrationen zum Al-Kuds-Tag

Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem. Hinter dem vom Iran 1979 eigerichteten Demonstrations-Feier-Tag steht ein politisches Konzept. Es ist die von Ayatollah Khomeini ausgerufene Pflicht aller Muslime, "Jerusalem von der jüdischen Besetzung zu befreien". An diesem letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan rief Irans Präsident Hassan Ruhani die islamische Welt dazu auf, angesichts der Ereignisse in Gaza "einheitlich ihren Hass und Widerstand gegen Israel zu erklären".  

Fotostrecke zum Al-Kuds-Tag in Teheran auf spiegel.de.
 

Der Gaza-Konflikt weitet sich aus - bis nach Jerusalem. Bisher hatte die Palästinensische Autonomiebehörde Proteste gegen Israels Vorgehen in Gaza friedlich gehalten. Doch in der Nacht zum Freitag explodierte die Wut. In Bethlehem, Hebron, Naplus, Tulkarem und andere Orten des Westjordanlandes kam es zu flammenden Protesten. Mehr als 10.000 Palästinenser demonstrierten "für Freiheit und Würde". Mit Steinen, Brandbomben und Pyrotechnik wurden am Grenzübergang Kalandija israelische Sicherheitskräfte attackiert. Die schossen zurück.. Zudem mischt sich der Iran immer lauter in den Gaza-Konflikt ein.

 

Von der Nacht zum Tag des Zorns

Im Reich von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland hat die Hamas wenig Anhänger. Proteste gegen Israel wurden bisher klein gehalten. Ramallah und die Menschen hier sind von guten Wirtschaftsbeziehungen zu Israel abhängig. In der Nacht zum Freitag, dem letzten Freitag in diesem Fastenmonat Ramadan aber änderte sich das. Vom Regierungssitz Ramallah aus zogen Anhänger der Fatah-Bewegung von Abbas in Richtung Ost-Jerusalem, angefeuert von wütenden Passanten. An einem Übergang zwischen dem Westjordanland und der Hauptstadt kam es während der ganzen Nacht zu schweren Zusammenstössen. Ein 25-jähriger Palästinenser wurde von israelischen Sicherheitskräften getötet. Am Mittwoch hatte das geistliche Oberhaupt des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, die Palästinenser aufgefordert, weiter gegen Israel zu kämpfen und diesen Kampf auch auf das bisher ruhige Westjordanland auszuweiten.

 

Mehr zum Thema

Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung in den Breaking News der "Jerusalem Post" (englisch). 

Gaza-Konflikt erreicht Jerusalem

Nach Informationen der "Jerusalem Post" flammten Unruhen auch in Jerusalems Altstadt auf. Sie weiteten sich auf die arabischen Viertel in Ost-Jerusalem aus. 4.000 Polizisten verhinderten, dass die jüdischen Viertel in West-Jerusalem erfasst wurden. Für den Freitag schlossen die Behörden den Zugang zur Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg für Männer bis zu 50 Jahren. Das galt auch für das Damaskus-Tor in der Stadtmauer. Der Durchgang wurde ebenfalls für Männer unter 50 Jahren gesperrt. Die Israelis tun alles, um nach der zweiten Intifada (2000 - 2005) keine dritte arabische Erhebung aufkommen zu lassen.

 

Tote nun auch im Westjordanland

Nach Informationen der linksliberalen israelischen Zeitung "Haaretz"  lautet die Bilanz dieses "Freitags" des Zorns" um 17.36 Uhr: In den vergangenen 24 Stunden wurden im Westjordanland sechs Palästinenser getötet, davon zwei am Checkpoint Kalandija. Zwei weitere starben in dem Ort Beit Ummar. Auch ein jüdischer Siedler erschoss zwei Palästinenser. Im Gazastreifen stieg die Zahl der Toten bis Freitagabend auf 832. Verletzt wurden 5400 Bewohner. Israel beklagt 33 Soldaten und drei Zivilisten. Aus dem Gazastreifen wurden weiter Raketen auf Tel Aviv, seinen Flughafen und drei weitere Orte in Israel abgefeuert.

 

Iran bekennt sich zur militärischen Aufrüstung der Hamas

Die auf Israel aus dem Gazastreifen abgeschossenen Raketen konnten nur fliegen, weil Teheran dazu die nötige Technologie lieferte. Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani sagte gestern der Internetseite des Senders Al-Alam: "Sie brauchten die Technologie für die Waffenproduktion." Und er fuhr fort, heute könnten sich die Hamas-Kämpfer in Gaza selbst mit Waffen versorgen. Bisher hatte sich die iranische Führung nicht zu den Militärhilfen bekannt. 

 

 


 


 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016