Tag 17 - Und dann kam … Fanny!

Länder: Frankreich

Tags: Theater, Theaterfestival Avignon, Fanny Ardant

Es ist die schöne Überraschung zum Ende des Festivals. Fanny Ardant ist in "Kassandra" jenseits von allem: Jenseits von Normen, Zeit und Bühne. Ganz einfach umwerfend.

 

Nein das war das einzige Wort, das mir blieb.

 

Zu Kassandra, nach Christa Wolf
Inszenierung von Hervé Loichemol
22. Juli, Opéra du Grand Avignon

Kassandra hat nur noch eine Stunde zu leben. Sie bleibt sich selbst treu und warnt die Menschen vor der drohenden Tragödie und dem Niedergang. ‚Nein‘ bleibt ihre einzige Zuflucht. Sie spricht, selbst wenn niemand sie hören will. Der Schmerz ihrer Kindheit, als Gefangene und als Frau.
Auf der Bühne der Opéra in Avignon wollte Hervé Loichemol die Novelle Christa Wolfs, eine 1982 in Ostdeutschland geschriebene Neuinterpretation des alten Mythos‘, auf einer Musikpartitur des Schweizers Michael Jarrell aufbauen – und natürlich: auf Fanny Ardant. Innerhalb weniger Minuten demonstriert sie ihre Präsenz auf der Bühne der der Opéra.

Der große schwarzen Mantel, die Haare zurück gekämmt und ihre Stimme. Nicht die gewohnte, eine andere, die nur selten zu hören war. Fast bedächtig und selbstsicher, als rückte der Niedergang Kassandras Fanny Ardant in die Nähe einer bestimmten Wahrheit, einer echten Authentizität. Ganz einfach wundervoll ist sie, zur zeitgenössischen Musik Michael Jarrells. Und dennoch sie fürchtete diese Musik. „Ich hatte immer eine schwierige Beziehung zu zeitgenössischer Musik. Man muss mit ihr leben, sie erschließt sich nicht sofort. Jarrells Musik wurde zu einer Art Verbündeter.

"Es ist kein Mozart mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende", erläutert sie bei einer Pressekonferenz des Festivals. Fanny Ardants Spiel in einer nüchternen Inszenierung ist großartig. Mit dem Orchester über ihr, im Hintergrund der Bühne, wirkt Kassandra abwechselnd mächtig und zerbrechlich.

Fanny Ardant ist in ihrer Rolle. Besser noch: die Rolle selbst hat sie gesucht, gerade so, als hätte Kassandra sie gebraucht. Hinter ihr werden manchmal Bilder mit Kriegsszenen projiziert. Sie gibt sich auf, widersteht aber. Und dennoch ist sie ganz Kassandra. "Kassandra ist diejenige, die nein sagt. Sie sagen, sie sei eine starke Frau, Das glaube ich nicht. Sie ist die menschliche Stimme gegen die Stadt, gegen die Gesellschaft. Und in unserer Zeit, in der die gängige Meinung den Geist erstickt, ist das immer wichtiger. Kassandra spielt sich in einer Stunde ab – in der letzten Stunde vor ihrem Tod."

Eine derart meisterhafte Darstellerin war lange nicht mehr zu sehen. Fanny Ardant ist eine unserer größten Schauspielerinnen. In Avignon, wo sie zum ersten Mal auftritt, macht sie das nur einmal mehr deutlich.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016