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Tag 16 - das Ego-Schiff

Länder: Frankreich

Tags: Theater, Theaterfestival Avignon


Da wo es ein Gemälde gibt, klafft in der Wirklichkeit ein Loch. Da wo das Zeichen herrscht, hat das Bezeichnete keinen Platz. Zur "Trilogie des Wiedersehens" von Botho Strauß, inszeniert von Benjamin Porée. Lycée Aubanel, bis zum 25 Juli.

 

"Trilogie des Wiedersehens" von Botho Strauß, inszeniert von Benjamin Porée. Lycée Aubanel, bis zum 25 Juli.

Weil es eines der letzten Schauspiele in Avignon ist, und die Lust auf einen krönenden Abschluss unwiderstehlich ist, hat es uns zur "Trilogie des Wiedersehens" von Botho Strauß gezogen, umso mehr, als der Regisseur Benjamin Porée mit gerade einmal 29 Jahren als besonders vielversprechend gilt. Letztes Jahr inszenierte er Tschechows "Platonow", dieses Jahr lässt er sich wieder auf ein großes Theaterabenteuer ein, strebt "ein großes Schauspiel, ein umfassendes Schauspiel" an. Das Ergebnis jedoch bleibt hinter den Erwartungen weit zurück.

Wie jeden Sommer treffen sich die Kunstfreunde, um die Ausstellung "Kapitalistischer Realismus" zu entdecken, kuratiert von Moritz, dem Direktor eines Museums mitten in der Pampa. "Eine Zusammenkunft, eine Begegnung, die eine Auseinandersetzung mit den Kunstwerken, aber auch mit dem Blick der Anderen und sogar mit der Zensur nach sich zieht." Und jedem die Gelegenheit zu bewusster Selbstdarstellung vermittelt. 

Auf der Bühne bewegen sich 17 Schauspieler in den Sälen eines Museums. Das Bühnenbild ist sachlich, fast elegant. Und Benjamin Porée zeigt, dass er als Regisseur vor allem Bilder mag, und an schönen Bilder mangelt es bei ihm nicht. Sein Theater scheint gegen den Strom des Bühnenlärms und Bühnenfurors zu schwimmen, der heutzutage üblich ist. 

Dennoch ist das Ergebnis langweilig, wegen der Länge (über drei Stunden) und insbesondere, weil der Text unhörbar ist. Wir hätten gerne gelacht, schließlich ist Botho Strauß oft witzig, voller Sarkasmus und Ironie. Es geht nicht. Häufig scheinen die Darsteller nicht zu verstehen, was sie gerade spielen. Wahrscheinlich wurde es ihnen schlecht erklärt - jammerschade.

Letztendlich stehen wir einem intimen Theater gegenüber, das noch unfertig, einem Stil, der noch unbestimmt ist. 
"Ich mag es, einem Schauspieler beim Eingeständnis seines Wesens zuzusehen. In meinem Theater muss ich die Einsamkeit auf der Bühne verspüren," erklärte Porée kürzlich in einem Interview. Das hätten auch wir gerne in einem der letzten Schauspiele von Avignon verspürt. Angesichts von so viel Ehrgeiz und Energie sind wir vor allem vom Ergebnis enttäuscht. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016