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Syrische Flüchtlinge im Libanon: Visum soll Einreise begrenzen

Länder: Libanon

Tags: Flüchtlige

Es ist eine Premiere in der Geschichte der beiden Länder. Auf der Flucht vor dem syrischen Bürgerkrieg haben mehr als eine Million Menschen Zuflucht im Libanon gefunden, ein Land, in dem der Flüchtlingsanteil mittlerweile der höchste der Welt ist. Heute machen die syrischen Flüchtlinge ein Viertel der libanesischen Bevölkerung aus. Eine schwierige Situation für Beirut und internationale Organisationen wie das Welternährungsprogramm. Im Oktober hatte die libanesische Regierung bekannt gegeben, Flüchtlinge nur noch aus „humanitären Gründen“ aufnehmen zu wollen. Das reichte nicht aus. Inzwischen hat Beirut neue Regelungen beschlossen, die die Flüchtlingsströme einschränken sollen. Während Syrer bislang nur mit ihrem Ausweis in den Libanon kommen konnten, brauchen sie nun ein Visum (Touristen-, Ärzte-, Studenten- oder Transitvisum) oder eine befristete Aufenthaltsgenehmigung für Geschäftsreisende oder Immobilienbesitzer. Die Flüchtlingskommission zeigt sich von diesen Beschränkungen beunruhigt und ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, dem Libanon zu helfen und „sicherzugehen, dass die Flüchtlinge nicht wieder in Situationen gezwungen werden, in denen ihr Leben in Gefahr ist.“

 
 

24 Stunden in einem syrischen Flüchtlingslager

Im Dezember haben unsere Reporter Wissam Charaf und  Houssam Hariri ein Lager für syrische Flüchtlinge im Libanon besucht und eine der dort lebenden Familien begleitet. Was akute Flüchtlings-Hilfe angeht, leistet der Libanon Grosses. Das kleine Land mit 4 Millionen Einwohner hat rund 1,5 Millionen syrische Flüchtling aufgenommen. Tausende von ihnen leben jetzt in Lagern in der Bekaa-Ebene. Über ihr neues Leben dort, in der Fremde, berichtet Wissam Charaf.

24 heures dans un camp de réfugiés syriens

 

 

Syrische Flüchtlinge im Libanon: Zahlen und Fakten

 

 

Mehr Informationen zu dem Thema gibt es in der bimedialen Serie "Refugees", insbesondere im Dossier zu der Situation im Libanon.

"Wir wussten, dass die Menschen in aller Welt die Syrer nicht aufgeben würden"

 

Anfang Dezember war das UN-Welternährungsprogramm WFP mit einer tiefgehenden Krise konfrontiert: Es fehlten 64 Millionen Dollar, um den syrischen Flüchtlingen im Nahen Osten weiter zu helfen.

Das Welternährungsprogramm verteilt Lebensmittelkarten, damit die Flüchtlinge Nahrungsmittel und Treibstoff beziehen können. Für viele Flüchtlinge sind diese Karten die einzige Nahrungsquelle. Als sie am 5. Dezember wie gewohnt ihre Rationen abholen wollten, waren die Vorräte aufgebraucht.

Angesichts der Notlage startete das WFP eine nie dagewesene Spendenkampagne im Internet. Dank massiver weltweiter Unterstützung und dem Engagement von Ländern wie Saudi-Arabien übertraf das Ergebnis alle Hoffnungen. Die akute Krise konnte so gelöst werden. Aber angesichts des Konflikts, der sich immer mehr hinzieht, ist fraglich, ob die Hilfe für die Syrienflüchtlinge auf Dauer gewährleistet werden kann.


Interview mit Sandy Maroun - Pressebeauftragte des UN-Welternährungsprogramms in Beirut:

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016