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Syrien und Irak - Verbrechen gegen das Weltkulturerbe

Länder: Irak, Syrien

Tags: Patrimoine, UNESCO, Etat Islamique

Uralte Schätze, antike Anlagen, Schlösser und religiöse Stätten: Syrien und der Irak sind reich an kulturellen Schätzen, es sind Wiegen der Hochkulturen. Aber seit in den beiden Ländern der Krieg tobt, wurde das wertvolle Erbe von allen Kriegsparteien geplündert: vom Regime, den Rebellen, den Dschihadisten und selbst von den Bürgern. Anfang März hat die Zerstörung der nordirakischen Stadt Nimrud durch die Terrormiliz Islamischer Staat diese bittere Tatsache wieder ins Bewusstsein gerufen. Das große kulturelle Erbe des Mittleren Ostens droht zu verschwinden. Nach Angaben der Altertumsbehörde der Provinz Ninive haben die Dschihadisten nun auch damit begonnen, Ruinen in der alten assyrischen Königsresidenz bei Chorsaba zu sprengen. Die Ortschaft liegt in der Nähe der IS-Hochburg Mossul. Das Ministerium für Altertum hat nun die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten, um gegen die Zerstörung anzukämpfen. Adel Fahas al Scherschab, der Minister für Tourismus und Altertümer, forderte sowohl von der internationalen Gemeinschaft als auch von der internationalen Koalition "Luftangriffe gegen den Terrorismus, wo immer dieser auftaucht". 

Verwüstungen im Museum von Mossul

Anfang März haben Dschihadisten des Islamischen Staates ein Video ins Netz gestellt, das zeigt, wie sie prähistorische Skulpturen in dem Museum von Mossul zerstören. Eine Woche später hat die Terrormiliz erneut ein architektonisches Juwel des Iraks angegriffen. Mit Bulldozern haben die Dschihadisten die antike Stadt Nimrud im Norden des Landes zerstört. Nimrud, die frühere Hauptstadt der Assyrer, wurde vor über 3300 Jahren gegründet. Sie ist im Irak für ihre historische Bedeutung bekannt.

Für die IS-Terroristen sind die alten Gräber und Statuen Symbole der Götzenanbetung, die sie verurteilen. Doch das ist Spezialisten zufolge nicht der Grund für die brutalen Verbrechen an dem Kulturerbe des Irak.

"Wild, aber sehr gut informiert"

"Das sind Wilde, das ist klar. Aber sie sind sehr gut informiert. Sie wissen, was sie machen, wählen ihre Ziele und den Zeitpunkt, zu dem sie ihre Taten veröffentlichen sehr sorgfältig aus", so Cheikhmous Ali, Vorsitzender des Vereins zum Schutz der Archäologie Syriens zu Gast bei ARTE. Das Ziel der Terroristen ist zu schockieren. Und das ist ihnen gelungen. Die UNESCO hat die Taten sogleich als "Kriegsverbrechen" verurteilt. Für Cheikhmous Ali handelt der IS aber nicht nur aus Propagandazwecken, sondern auch aus finanziellen. "Wenn sie den großen geflügelten Stier zerstört haben, dann vor allem deswegen, weil er zu schwer war, um ihn zu transportieren. Viele kleinere Objekte sind verschwunden. Ich denke, sie werden sie in die Nachbarländer transportieren und versuchen, sie dort zu verkaufen".

Eine virtuelle Rekonstruktion von Nimrud

"Stellt euch vor, so etwas passiert in der Kathedrale von Straßburg"

Die Motive der Dschihadisten sind also nicht nur religiöse. Der Hauptbeweggrund sei, die Moral der Zivilbevölkerung zu untergraben. "Stellt euch vor, heute passiert so etwas in der Kathedrale von Straßburg. Das würde alle betreffen, weil es ein Angriff auf das Wahrzeichen der Stadt ist", erklärt Cheikhmous Ali. "Sie wollen der Bevölkerung Angst machen, genau wie wenn sie Leute entführen und ihnen den Kopf abschlagen. Das ist eine Art, die Bevölkerung zu foltern, um sie besser zu beherrschen und zu kontrollieren."

 

 

Hier sehen Sie unseren Beitrag über die Zerstörung von Nimrud und das Gespräch mit Cheikhmous Ali:

 

Irak : le nettoyage culturel

 

Unsere interaktive Karte listet die Stätten im Irak und in Syrien auf, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Die Stätten in Rot wurden bereits zerstört oder sind von einer Zerstörung bedroht. Die grünen Stätten wurden bisher verschont. Die graue Zone markiert das Einflussgebiet der Dschihadisten des Islamischen Staates. Für mehr Informationen klicken Sie auf das Menü oben links und auf die einzelnen Icons. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016