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Syrien: Frankreich ermittelt gegen Assad

Länder: Syrien

Tags: Fotografie, Ausstellung, Syrien, Gefängnis

Die französische Staatsanwaltschaft hat am 15. September erste Ermittlungen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen X eingeleitet, die auf die syrische Regierung um Präsident Bachar al-Assad abzielen. Die Pariser Staatsanwaltschaft stützt sich dabei auf Fotos eines ehemaligen Fotografen der syrischen Militärpolizei, der unter dem Decknamen César für die Oppositon arbeitete und inzwischen aus Syrien ausgeschleust wurde.  Die  55.000 Bilder zeigen  verstümmelte und ausgehungerte Leichen, allesamt vermeintliche Opfer des syrischen Regimes. 

 

Als Teil der Militärpolizei fotografiert César vor dem syrischen Bürgerkrieg Unfälle und Verbrechen, von denen ein Soldat betroffen war. Doch mit dem Beginn der Revolution in Syrien ändert sich seine Aufgabe: Er musste fortan verstümmelte Leichen fotografieren, die als Terroristen bezeichnet werden. Dabei handelte es sich um einfache Demonstranten, berichtet César.

"Operation César - im Herzen der syrischen Tötungsmaschinerie"

 - So heißt das Buch der französischen Autorin Garance Le Caisne, die César traff und sein Zeugnis in einem Buch veröffentlichte. Es erschien am 7. Oktober 2015 in Frankreich. 

Als er den Schrecken seiner eigenen Aufnahmen nicht mehr ertragen kann, tritt er mit der syrischen Opposition in Kontakt. Diese überzeugt ihn, weiterzuarbeiten, um Beweise gegen Assad zu sammeln. Zwischen 2011 und 2013 macht César 55.000 Aufnahmen, bis ihn die Opposition aus Syrien ausschleust: dazu musste sie Césars Tod vortäuschen.

Als die Fotos erstmals publik wurden, bestritt Assad in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ ihre Authenzität: Den Militärfotografen habe es nie gegeben. „Wer hat diese Fotos aufgenommen? Wer ist es? Niemand weiß es. Es sind haltlose Vorwürfe“, sagte Assad. Doch inzwischen sind die Aufnahmen unter anderem vom amerikanischen Geheimdienst FBI authentifiziert worden. Frankreich hat auf ihrer Basis nun Vorermittlungen gegen X wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet. Die Fotos Césars könnten als Beweismittel dienen, um Assad vor der internationalen Strafjustiz zur Rechenschaft zu ziehen. 

 

Im vergangenen März hatte eine Fotoausstellung am Sitz der Vereinten Nationen in New York die Bilder gezeigt. Unser Reporter Renaud Dumesnil hat sich die Ausstellung angesehen.

Photographie : l’horreur des geôles syriennes

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016