Syrien: Die Kinder von der Front

ARTE Reportage - Sonntag, 23. August 2015 - 19:30

Länder: Syrien

Tags: Aleppo, Rebellen, Krieg

Wenn Krieg schon schrecklich ist für Erwachsene, was richtet er dann erst in den Seelen der Kinder an? Über drei Jahre schon kämpfen die Rebellen gegen die Armee Assads: Mindestens 7000 Kinder wurden getötet, eine Million flohen aus dem Land.

Viele Kinder Syriens leiden weiter unter Hunger, den Granaten, den Heckenschützen und den Luftangriffen. Viel zu viel Leid für kleine Seelen…

Abu Ali und seine Frau Hala haben drei Töchter, Helen, Farah, Sara und einen Sohn, Mohammed. Abu Ali ist Kommandeur eines Bataillons der Freien Armee in Aleppo und er hat mit seiner Frau und den Kindern entschieden, das sie alle zusammen bleiben wollen. Sie leben in einem der Häuser an der Front, aus denen die Menschen nach den schweren Luftangriffen von Assads Armee geflohen sind – weit jenseits der Viertel in denen noch ein Hauch von „Normalität“ in Aleppo zu spüren ist.

Marcel Mettelsiefen hat das Vertrauen dieser Familie gewonnen und ein paar Tage lang ihren Alltag filmen dürfen: Was Helen, Farah, Sara und Mohammed ihm erzählten, das ist das zutiefst verstörende Zeugnis der Schrecken des Krieges aus Kindermund – wie ein Weckruf an die Welt, endlich irgendetwas zu unternehmen, um dem Grauen in Syrien ein Ende zu setzen.   

 

von Marcel Mettelsiefen und Anthony Wonke - ARTE GEIE / ITN – Royaume Uni 2014 – Wiederholung

 

 

 

Interview mit Marcel Mettelsiefen

Der Reporter Marcel Mettelsiefen ist in den vergangenen Jahren 15 mal undercover nach Syrien gereist, um über den Bürgerkrieg dort zu berichten. Seine Reportage für ARTE "Die Kinder von der Front" berichtet über die Familie von Abu Ali und seine Frau Hala. Sie haben drei Töchter, Helen, Farah, Sara und einen Sohn, Mohammed. Abu Ali ist Kommandeur eines Bataillons der Freien Armee in Aleppo und er hat mit seiner Frau und den Kindern entschieden, das sie alle zusammen bleiben wollen. In einem Telefoninterview erzählt Marcel Mettelsiefen, wie er der Familie an der Front begegnete und was in den letzten Monaten mit ihnen geschehen ist. Für seine Reportagen aus Syrien wurde er 2013 mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet.    

 

 

 

Kurzbiografie Marcel Mettelsiefen
Der 1978 geborene Marcel Mettelsiefen ist in Spanien und Deutschland aufgewachsen. Nach dem Abitur begann er zu fotografieren und wandte sich früh dem Fotojournalismus zu. Mettelseifen war Mitarbeiter der Zeitschrift “Zenith – Zeitschrift für den Orient”. Er reiste im Jahr 2000 im Auftrag der Nachrichtenagentur AP für mehrere Monate nach Israel und Palästina. Hinzu kamen in den folgenden Jahren Reportage-Reisen für die Nachrichtenagentur dpa nach Afghanistan (2001), in den Irak (2003) und nach Haiti (2004). Daneben begann Mettelsiefen 2004 ein Medizinstudium an der Berliner Charité, das er 2008 für ein 13 Monate dauerndes fotografisches Langzeitprojekt in Afghanistan unterbrach.
In der Folge arbeitete er eng mit dem Stern-­Korrespondenten Christoph Reuter zusammen. Mit diesem veröffentlichte er das Buch “Kunduz, 04. September 2009. Eine Spurensuche”, dem Ergebnis ihrer Recherche über den verheerenden Luftangriff im Süden der Stadt Kunduz sowie eine Porträtserie der Hinterbliebenen der insgesamt 92 Zivilisten, die dabei ums Leben kamen. Das Projekt wurde 2010 für einen Henri Nannen Preis nominiert. Eine begleitende Ausstellung wurde in mehreren Städten präsentiert. Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg besuchte diese im Mai 2010 und bat, bei den Vermittlungen für die Entschädigungen der Opferfamilien mitzuhelfen. Ende August 2010 wurde jede Familie mit 5.000 Euro entschädigt.
Während des sogenannten „Arabischen Frühlings“ 2011 bereiste Mettelsiefen im Auftrag der Magazine Stern, Der Spiegel und Geo Ägypten, Libyen, Afghanistan und das Bürgerkriegsland Syrien. In letzterem hielt er sich mehrere Male „undercover“ auf. Dabei enstanden Filme für die Fernsehsender CNN und ZDF. Mettelsiefen gewann zahlreiche Preise, unter anderem den „Axel-Springer-Preis“ (2012) sowie den „Hanns-Joachim-Friedrichspreis“ (2013). Nun wurde seine Reportage „Syrien – die Kinder von der Front“, die am 26. April 2014 auf ARTE in der Sendung ARTE-Reportage ausgestrahlt wurde, mit dem renommierten „Prix Bayeux-Calvados“ in der Sparte „großformatige Fernsehreportage“ ausgezeichnet. 

 

UPDATE - 10/09/2015

Viele wollen wissen, was aus den Kindern aus Aleppo geworden ist. Deshalb haben wir Marcel Mettelsiefen interviewt – er hat das Schicksal der Familie in den letzten Monaten mit der Kamera verfolgt.

 

Zuletzt geändert am 27. März 2017