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Sudan: Giftgas gegen das eigene Volk?

Länder: Südsudan

Tags: conflit armé, Darfour

Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe: Sudans Regierung soll in mindestens 30 Fällen Zivilisten mit Chemiewaffen wie Senfgas angegriffen haben. Seit Jahresbeginn sollen bei diesen Attacken in der Krisenregion Darfur so 200 bis 250 Menschen getötet worden sein, viele der Opfer seien Kinder.

Armes chimiques au Darfour
Chemiewaffen in Darfur Amnesty International zufolge soll Khartoum in 30 Fällen Zivilisten mit Chemiewaffen angegriffen haben.  Chemiewaffen in Darfur

Der rund hundertseitige Bericht der Menschenrechtsorganisation enthält grausame Fotos von Kindern mit Verbrennungen, Satellitenbilder von zerstörten Dörfern und Flüchtlingen sowie Interviews mit mehr als 200 Überlebenden. Außerdem werden Chemiewaffenexperten zitiert. Laut Amnesty ist die arabisch dominierte Regierung in Khartum für "unrechtmäßige Tötungen von Männern, Frauen und Kindern und für die Verschleppung und Vergewaltigung von Frauen" in der Gegend verantwortlich, in der die schwarzafrikanische Volksgruppe Fur lebt.

 

Auf ihrer Internetseite hat die Menschenrechtsorganisation eine Satellitenkarte veröffentlicht, die die Attacken zeigen soll: http://darfurconflict2016.amnesty.org/report/8

 

Khartum weist Vorwürfe zurück

Die sudanesischen Streitkräfte wiesen den Bericht als "falsch" zurück. "Die Lage vor Ort erfordert keine intensiven Bombardierungen, da es keine wirkliche Rebellenpräsenz gibt", sagte Militärsprecher Ahmed Chalifa al-Schami auf Anfrage von AFP. Auch widersprächen intensive Militäreinsätze den Bemühungen der sudanesischen Regierung, den Konflikt in Darfur politisch beizulegen.

13 Jahre Bürgerkrieg

Dem Bericht zufolge sind die Angriffe Teil eines am Boden und in der Luft geführten Militäreinsatzes gegen die Rebellenbewegung Sudanesische Befreiungsarmee - Abdul Wahid (SLA/AW), der die Regierung Angriffe auf Militärkonvois und Zivilisten vorwirft. Laut der Direktorin der Amnesty-Rechercheabteilung, Tirana Hassan, trieb die Boden- und Luftoffensive bereits zehntausende Menschen in die Flucht. 

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Zuletzt geändert am 30. September 2016