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Sputnik - Russland in der Nachrichten-Offensive

Länder: Russland

Tags: Sputnik

In Russland müssen unabhängige Medien mit Repressionen rechnen. Während kremlkritische Websites vom Netz genommen werden, investiert Moskau Millionen in Staatsmedien. Sie sollen ein Gegengewicht zur „russlandfeindlichen Berichterstattung“ des Westens sein.

 

Objektivität ist ein Mythos, den man uns aufzwingt. Unser Land braucht aber Liebe.

Dmitri Kisseljow

Russland hat die stärkste Armee Europas, es gibt keine Beweise für die Anwesenheit von russischen Soldaten im Osten der Ukraine und es ist der Westen der Ukraine, der für eine gewaltsame Lösung des Konflikts im Osten des Landes ist – die Website sputniknews.com berichtet aus der Perspektive des Kremls. Das Internetportal ist Teil einer großangelegten Medienoffensive: Zusammen mit Radiosendern soll es die Stimme Russlands im Ausland und noch im Verlaufe des Jahres in 30 Sprachen verfügbar sein. Im November wurde die Kampagne der Öffentlichkeit vorgestellt.

Direktor ist Dmitri Kisseljow, der einzige Journalist, der im Zuge der Krim-Krise von der EU mit Sanktionen belegt wurde. Die Berichterstattung werde einen Gegenpol zur „aggressiven Propaganda“ des Westens bilden. Als er 2013 von Wladimir Putin zum Kopf der neuen Medienbehörde Rossija Segodnja („Russland heute“) gemacht wurde, ließ er seine Mitarbeiter wissen, dass die Phase des „destillierten“ und „distanzierten Journalismus“ ende. „Objektivität ist ein Mythos, den man uns aufzwingt. Unser Land braucht aber Liebe.“ Patriotismus solle der Leitgedanke von Rossija Segodnja sein.

 

Eckdaten des russischen Nachrichtenportals Sputnik:

 

Sputnik VA

 

Neben dem Angebot von Sputnik gehört auch der Fernsehsender Russia Today zum staatlichen Medienkonzern. Das englischsprachige TV-Angebot wurde bereits 2005 gegründet, um die Hegemonie von CNN und BBC zu durchbrechen – mit beachtlichem Erfolg: Zwei Millionen Zuschauer erreicht der Sender allein in England. Neben der Seite sputniknews.com ist auch das Angebot von Russia Today im Internet auf Deutsch verfügbar.

 

Sputnik

1957 eroberte Sputnik als erster Satellit den Weltraum. Ein Meilenstein für Russland, den sich Moskau heute auch in der Nachrichtenwelt erhofft. 

Während der Kreml sein Medienimperium immer weiter ausbaut, wird es für unabhängige und ausländische Journalisten in Russland immer schwerer zu berichten. Im Oktober hat Moskau ein schärferes Mediengesetz verabschiedet – demnach dürfen ausländische Unternehmen maximal 20 Prozent an einem in Russland verbreiteten Medium halten. Eine erste Reaktion hat nicht lange auf sich warten lassen: Der Sender CNN hat zum Jahreswechsel sein Programm in Russland eingestellt. Der russische Journalistenverband warnt vor der Macht des neuen Propaganda-Apparats Rossija Segodnja. Kremlkritischen Medien wird die Publikation immer schwieriger gemacht, manchen kurzerhand abgeschaltet, wie die Internetseite kasparov.ru, die die Annexion der Krim-Halbinsel kritisch bewertete. Andere stehen auf einer im Internet veröffentlichten Schwarzen Liste, auf der sie als „antirussisch“ bewertet werden und ihnen Sanktionen angedroht werden.

 

Für Russland ist der Krieg in der Ukraine auch ein Krieg der Medien. Abweichende Meinungen sind unerwünscht. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt Moskau den 152. Platz (von 180). Damit rutscht das Land um vier Plätze weiter ab im Vergleich zum Vorjahr.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016