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Spanien – Wie die Kirche sich die Moschee von Córdoba angeeignet hat

Länder: Spanien

Tags: Religion, Kirche, Franco-Regime

In aller Heimlichkeit und zu einem Spottpreis hat Spaniens katholische Kirche die Moschee-Kathedrale von Córdoba erworben. Politiker und Bürger fürchten hierdurch das historische Bauwerk seiner islamischen Vergangenheit beraubt.   


Die Moschee-Kathedrale von Córdoba stellt ein Juwel arabisch-andalusischer Kultur dar, das jährlich über eine Million Besucher anlockt. Lange Zeit dachte man in Spanien, der imposante Bau sei Eigentum des Staates, bis kürzlich einige Historiker aufdeckten, dass der Episkopat ihn 2006 klammheimlich – und für gerade einmal 30 Euro – gekauft hat. Möglich war dies aufgrund eines alten, aus der Zeit des Franco-Regimes stammenden Gesetzes von 1946. Tausende Immobilien mit ungeklärten Eigentumsverhältnissen bzw. ohne Eigentümer hat sich die spanische Kirche dadurch angeeignet. Die Tageszeitung El País spricht von rund 4.500 erworbenen Immobilien. 
„Willkommen in dieser heiligen Kirche“

30 €

Kaufpreis der katholischen Kirche für die Moschee-Kathedrale von Córdoba 

 


Seit Anfang 2014 hat sich in Córdoba die Bürgerinitiative Patrimonio de tod@s formiert, um die Aneignung der Moschee-Kathedrale durch die katholische Kirche anzuprangern. Im Rahmen einer Online-Petition wurden bereits rund 373.343 Unterschriften gesammelt. Die Mitglieder der Bürgerinitiative beklagen, dass über fünf Jahrhunderte maurischer Geschichte in Vergessenheit geraten seien, denn auf der Homepage des Bauwerks sowie auf Broschüren und Eintrittskarten steht nunmehr geschrieben: „Willkommen in dieser heiligen Kathedrale“ – ein Hinweis auf die islamische Vergangenheit der „Mezquita“ (Moschee), wie sie in Córdoba genannt wird. Das gigantische Bauwerk wurde 1984 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt und ist ein Symbol für das harmonische Zusammenleben islamisch und christlich geprägter Kulturen. Einst war die Mezquita ein römischer Tempel, bevor sie zur Kirche und später zu einer Moschee wurde, in der schließlich eine Kathedrale errichtet wurde. Vom 8. bis zum 15. Jahrhundert war sie die größte Moschee im westlichen Teil der islamischen Welt.
„Unantastbar“
Angesichts der Polemik haben die beiden großen spanischen Linksparteien (Izquierda Unida und Partido Socialista Obrero Español) im andalusischen Regionalparlament einen Antrag gutgeheißen, wonach die Bischöfe „korrekt“ gehandelt haben. Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy hat vor einigen Monaten einen Vorentwurf für ein Gesetz vorgestellt, das die alte Gesetzgebung, die diese Form der Aneignung durch die Kirche ermöglicht, außer Kraft setzen soll. Der Historiker Antonio Manuel bemängelt allerdings, „dass der riesige Teil des bereits aufgekauften Kulturerbes unantastbar bleiben wird“. Was das Bistum Córdoba betrifft, so versichert er, „niemals den Besitz oder die Verwaltungsautorität des Tempels in Frage gestellt zu haben“.
 


 

Céline Peschard

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016