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Slowakei: Wut und Trauer nach Journalisten-Mord

Länder: Slowakei

Tags: Journalist, Journalismus, Mord, Europa, Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Pressefreiheit, Slowakei

Der ermordete Journalist Jan Kuciak arbeitete immer wieder an der Offenlegung korrupter Handlungen. Schon in der Vergangenheit legte er sich mit der Regierung an. Diese steht nach dem Mord auf unsicheren Beinen. Die Bevölkerung reagieren mit Wut und Trauer.

Der Journalist Jan Kuciak arbeitete vor seiner Ermordung daran, Verbindungen zwischen der slowakischen Regierung und der italienischen Ndrangheta aufzudecken. Die Recherchen wurden nach dessen Tod auf aktuality.sk und von ARTE Info übersetzt.

In der Vergangenheit hat Kuciak immer wieder über mutmaßlichen Steuerbetrug berichtet. Im Fokus standen dabei prominente Unternehmer, die seinen Recherchen zufolge Geschäftsverbindungen zur italienischen Mafia Ndrangheta und der derzeitigen sozialdemokratischen Regierung haben.

So veröffentlichte Kuciak im November 2016 einen Artikel, der dem slowakischen Premierminister Robert Fico dubiose Praktiken bei der Vergabe öffentlicher Aufträge vorwarf. Fico beschimpfte die Journalisten daraufhin als "dreckige antislowakische Prostituierte".

Auch der regierungsnahe Unternehmer Marian Kocner hatte Kuciak wegen seiner Recherchen öffentlich bedroht. Dieser reichte daraufhin eine Strafanzeige bei der Polizei ein, die jedoch nicht ernst genommen wurde.

Der Enthüllungsjournalist Jan Kuciak und seine Verlobte wurden in der Nacht auf den 26. Februar 2018 in ihrem Privathaus im Dorf Velka Maca tot aufgefunden. Die beiden Opfer starben durch gezielte Schüsse in Kopf und Brust. Gründe für den Doppelmord sehen Ermittler in Kuciaks Tätigkeit als Investigativjournalist für das Online Portal aktuality.sk.

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Unklare Zukunft für die slowakische Regierung

Kuciaks Tod schlägt in der Slowakei große Wellen. Tausende Menschen versammelten sich zu Gedenkmärschen in Bratislava und anderen Städten, um Kuciak die letzte Ehre zu erweisen. Das Vertrauen der Bevölkerung in die slowakische Regierung ist angeschlagen. Schon im Juni 2017 gab es Proteste gegen Korruption im Land, die jedoch von der Regierung niedergeschlagen wurden.

Präsident Andrej Kiska möchte nun das Wohlwollen seiner Bürger wiedergewinnen und setzt Premier Robert Fico mit seiner Forderung nach Neuwahlen oder einer weitreichenden Regierungsumbildung unter Druck. Dieser hat nach dem Rücktritt des Kulturministers Marek Madarič alle Hände voll zu tun. Madarič legte sein Amt kurz nach dem Mord nieder, da er sich nach der Ermordung eines Journalisten nicht vorstellen kann, weiterhin Chef eines Ministeriums zu bleiben, das auch für die Medien zuständig ist.

Trotz vergangener Attacken auf slowakische Medien, beteuert Fico nun, wie wichtig Meinungsfreiheit und die Sicherheit der Journalisten für seine Regierung seien. Er bietet eine Million Euro für Information, die der Aufklärung des Mordes dienen.

Auch Ficos Hauptberaterin steht unter Mordverdacht. Sie hatte zuvor für italienische Unternehmer gearbeitet, die von der italienischen Justiz verdächtigt werden, Verbindungen zur Mafia zu pflegen.

 

Das EU-Parlament sendet Untersuchungsdelegation

Der Fall hat im In- und Ausland für Furore gesorgt. Das EU-Parlament sieht die EU als Wertegemeinschaft in Gefahr und entsendet eine Untersuchungsdelegation nach Bratislava, um Informationen über die Tat und ihre Hintergründe zu sammeln.

Der Mord an Jan Kuciak ist nun der zweite Mord an einem europäischen Journalisten, der es gewagt hat, sich mit den falschen Leuten anzulegen. Im Oktober 2017 wurde die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia durch eine Autobombe ermordet. Auch sie hat sich der Aufdeckung korrupter Affären des maltesischen Staates verschrieben.

Bisweilen kennt man Geschichten zu Journalistenmorden aus Ländern wie Mexico oder Russland. Die vergangenen Vorfälle in der europäischen Union zeigen aber, dass die Sicherheit investigativer Journalisten auch in Europa nicht mehr garantiert werden kann. 

 

Zuletzt geändert am 9. März 2018