Simbabwe: Happy Birthday Mr. President...

Länder: Simbabwe

Tags: Mugabe, Zimbabwe

Robert Mugabe, der Präsident von Simbabwe, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Eine enorme Leistung in einem Land, in dem die Lebenserwartung seines Volkes bei nicht einmal 40 Jahren liegt. Die Partei Mugabes hat eine große Spendenaktion organisiert, um das Ereignis gebührend zu feiern. Eine Million Dollar wurden gesammelt, bei der Bevölkerung, der es eigentlich an allem fehlt. Mugabe kleckert nicht, er klotzt. Letztes Jahr hatte er sich einen 89 Kilo schweren Kuchen liefern lassen, dekoriert mit Goldmünzen aus den nationalen Rücklagen. Dieses Jahr wurde ein Fußballstadion für die große Feier am Sonntag beschlagnahmt. ARTE Journal hat sich fünf Geschenke ausgedacht, über die sich der Diktator sicher freuen würde.

Gesundheit
Am Tag seines 90. Geburtstags ist Robert Mugabe nicht in Simbabwe. Er ist in Singapur in Behandlung, offiziell wegen eines Grauen Stars im linken Auge. In Diplomatenkreisen kursiert schon länger das Gerücht, dass er an Prostatakrebs erkrankt ist, was die häufigen Aufenthalte in Singapur erklären würde. Aber Robert Mugabe hat diese Gerüchte stets dementiert. Offiziell ist der Präsident von Simbabwe noch rüstig und gesund, ein Neunzigjähriger, der wie durch ein Wunder die Gesundheit eines jungen Mannes besitzt. Und auch weiterhin besitzen wird, so Gott will...

 

Ein besseres Image
Lange Zeit hat man Robert Mugabe mit Nelson Mandela verglichen. Wie Mandela verbrachte Mugabe mehrere Jahre im Gefängnis, weil er die Rassentrennung, die weiße Bauern in seinem Land eingerichtet hatten, anprangerte. Auch er hat nach der Unabhängigkeit die Macht übernommen und ein großes Versöhnungsprogramm ins Leben gerufen. In den Augen der westlichen Welt schien er der Retter. Nur, im Gegensatz zu Mandela hat Mugabe an der Macht festgehalten, sein Land zu Fall gebracht wurde zum ruchlosen Diktator. Heute ist Simbabwe international isoliert, das Volk stirbt vor Hunger und die Wirtschaft ist völlig zerstört. Die Inflation galoppiert und die Arbeitslosigkeit liegt bei 95 Prozent. Mugabe ist zum Feind der westlichen Welt geworden, es ist sicher, dass ihm bei seiner Beisetzung nicht die gleichen Ehren zuteil werden wie Mandela. Es sei denn, dass er sich mit 90 noch eines Besseren belehren lässt...

 

Eine Aufenthaltsgenehmigung auf europäischem Boden
2002 hat die Europäische Union Sanktionen gegen das Regime in Simbabwe verhängt, um gegen dessen Politik der Repression seiner Gegner zu protestieren. Diese Sanktionen wurden im Laufe der letzten Jahre teilweise aufgehoben. Da die Gespräche mit der Opposition wieder aufgenommen wurden, hat Brüssel Mitte Februar auch die restlichen Sanktionen aufgehoben. Alle, bis auf eine: Präsident Mugabe und seine Frau dürfen noch immer nicht in Europa einreisen. Er darf nur an den internationalen Gipfeln teilnehmen, so wie der, der am 2. und 3. April in Brüssel angesetzt ist.

 

Ein Nachfolger
Robert Mugabe vertraut so sehr auf Gottes Gnaden, dass er noch nicht an seine Nachfolge gedacht hat. Um sicher zu gehen, dass er an der Macht bleibt, hat der Diktator die Männer, die ihm hätten nachfolgen können, einen nach dem anderen eliminiert. Ganz davon abgesehen hat er sich die Verfassung so zurechtgebogen, dass er theoretisch noch bis 99 Jahre verlängern kann. Schliesslich hat er die besten Jahre noch vor sich. Nur, sollte er eines Tages verscheiden, braucht das Land jemanden, der die Zügel übernimmt. Ein Land, dass Mugabe seit 34 Jahren komplett unter seiner Kontrolle hat. Mugabe ist Zimbabwe. Noch. 

 

Eine friedliche Rente
34 Jahre an der Macht, das geht ganz schön in die Knochen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Robert Mugabe auch schon vor seinem Präsidentschaftsamt ein erfülltes Leben und zehn Jahre Gefängnis hinter sich hatte. Es wäre also wirklich an der Zeit, langsamer zu treten. Für ihn, vor allem aber für sein Land. Seine Bilanz ist nicht wirklich glänzend: Obwohl Simbabwe enorme natürliche Ressourcen und fruchtbares Land besitzt, sinkt es immer weiter in den Abgrund. Die Elite an der Macht ist korrupt, und das Volk zahlt die Rechnung. Simbabwe bräuchte jemanden, der es ans Licht führt. Happy Birthday, und Glückauf, Herr Präsident.

 

Fanny Lépine und Beate Bader für ARTE Journal

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016