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Siegfried Lenz – Tod eines Menschenfreundes

Länder: Deutschland

Tags: Siegfried Lenz, Drittes Reich, Literatur

Kaum ein Autor hat die deutschsprachige Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur so geprägt wie Siegfried Lenz. Seine Bücher wurden in 35 Sprachen übersetzt, seine Werke 25 Millionen Mal verkauft. Für sein außerordentliches literarisches Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Der Schriftsteller starb mit 88 Jahren im Kreise seiner Familie in Hamburg.

Ich vertraue auf die langsame, unterwandernde, kaum messbare Qualität der Literatur und Wirkung der Literatur, die sich unter anderem darin zeigt, dass wir für bestimmte Probleme eine besondere, neue Empfindlichkeit bekommen.

Siegfried Lenz

Auf einer Stufe mit Böll, Grass, Walser und Johnson

"Siegfried Lenz war ein Autor nicht nur für Literaturfachleute, sondern vor allem für Leser." Für Ulrich von Bülow vom Deutschen Literaturarchiv Marbach steht Lenz ohne Zweifel auf einer Stufe mit Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser und Uwe Johnson. Jedes seiner Bücher wurde ein Bestseller, aber Lenz blieb stets bescheiden, nachdenklich und zurückhaltend (wie das Zitat rechts erahnen lässt).
 

Seine "Deutschstunde" - eine literarische Aufarbeitung des Dritten Reichs

Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Romane "Deutschstunde" (1968), "Heimatmuseum" (1978), "Der Verlust" (1981) oder "Die Auflehnung" (1994). Mit über 80 Jahren schrieb Lenz mit seiner Novelle "Schweigeminute" seine erste Liebesgeschichte – sie wurde der Überraschungserfolg des Jahres 2008.

In seinem Werk verknüpft Lenz menschliche Schicksale mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen, und setzt sich kritisch mit der deutschen Geschichte auseinander. So auch in seinem wohl bekanntesten Roman "Deutschstunde". Mit diesem Buch schaffte Lenz einen Welterfolg, es wurde verfilmt und gilt bis heute als eine der wichtigsten literarischen Aufarbeitungen des Dritten Reichs.

 

Ich betrachte die Literatur als ein sehr demokratisches Angebot, niemals mit einem Zwang versehen, sondern immer nur als ein Angebot an den anderen, der es annimmt oder zurückweist.

Siegfried Lenz

Ein politisch engagierter Schriftsteller

Lenz war ein politisch engagierter Schriftsteller, der sich nicht von der Politik vereinnahmen ließ. Der Autor, der aus Masuren stammte, engagierte sich für die Aussöhnung mit Polen und Israel. Gemeinsam mit Günter Grass begleitete er Bundeskanzler Willy Brandt 1970 auf seiner Reise nach Warschau, im Kalten Krieg setzte er sich vehement für eine Abrüstungsdebatte ein.

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Eine ausführliche Biografie des Autors finden Sie auf seiner Webseite

Für sein literarisch unvergleichliches Werk und sein unerschrockenes Engagement wurde Siegfried Lenz mit vielen Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Thomas-Mann-Preis, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und der Bayerische Staatspreis für Literatur. In Hamburg und Schleswig-Holstein wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Mit Siegfried Lenz starb einer der bedeutendsten und produktivsten Erzähler der deutschen Nachkriegsliteratur.

 

Geboren wurde Siegfried Lenz am 17. März 1926 als Sohn eines Zollbeamten in Lyck, einer kleinen Stadt in Ostpreußen. Nach Kriegsdienst bei der Marine, Desertation und englischer Kriegsgefangenschaft wurde Norddeutschland seine neue Heimat. 1945 zog er nach Hamburg, wo er Literaturwissenschaft, Philosophie und Anglistik studierte. Schon während seines Studiums arbeitete er als Redakteur für die "Welt". Als 1951 sein erster Roman "Es waren Habichte in der Luft" erschien, kündigte er bei der Zeitung, unternahm eine Afrikareise auf einem Bananendampfer und beschloss, nach seiner Rückkehr als freier Schriftsteller zu leben.

 

Veröffentlichungen (Auswahl):
  • So zärtlich war Suleyken (1955)
  • Das Feuerschiff (1960)
  • Der Mann im Strom (1957)
  • Deutschstunde (1968)
  • Einstein überquert die Elbe bei Hamburg (1975)
  • Heimatmuseum (1978)
  • Der Verlust (1981)
  • Exerzierplatz (1985)
  • Die Auflehnung (1994)
  • Das schönste Fest der Welt, 1 CD 2001 (Erstveröffentlichung Hörspiel 1956)
  • Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur, Essays (2001)
  • Fundbüro (2003)
  • Zaungast (2004)
  • Ein Freund der Regierung (2006)
  • Schweigeminute (2008)
  • Landesbühne (2009)

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016