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Serbien: Der Karadzic-Prozess aus der Sicht der nationalistischen Hardliner

Länder: Serbien

Tags: Belgrad, Kriegsverbrechen, Genozid

Serbien blickt heute gespannt auf Den Haag, wo das Urteil gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karazic gesprochen, ihm droht lebenslange Haft. Er boykottiert den Prozess und behauptet, von dem Genozid in Srebrenica nichts gewusst zu haben. Wofür er letztendlich verurteilt wird – für Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder tatsächlich für den Völkermord in Srebrenica, ist noch offen. Trotz des Prozesses erreichen die Nationalisten in Serbien momentan Spitzenergebnisse in den Wahlen. Und das obwohl die Serben der EU beitreten wollen.

Für die Serben ist da Urteil des Jugoslawien-Tribunals ein Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung. Karadzic war von 1991 bis 1995 als Präsident der Republik Srpksa einer der Hauptakteure im Bosnienkrieg. Ihm wird auch die Belagerung von Sarajevo angelastet, bei der 10.000 Zivilisten ums Leben kamen. Dem Massaker in der von UN-Blauhelmen bewachten Stadt Srebrenica waren 1995 schätzungsweise 8.000 muslimische Männer zum Opfer gefallen, viele sind auch über 20 Jahre danach noch nicht identifiziert. Erst 2007 wurde der Vorfall als Genozid anerkannt.

Die Glaubwürdigkeit des Kriegstribunals in Den Haag hat zuletzt in Serbien sehr unter dem Fall Vojislav Seselj gelitten. Der serbische Politiker war 2003 für Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg angeklagt worden. Wegen eines Krebsleidens wurde er entlassen – und nutzt die Freiheit, um in seiner Partei gegen die EU zu hetzen. Dabei will Serbien EU-Mitglied werden und erhofft sich durch den Prozess eine Mitgliedschaft in der NATO.

 

La Serbie attend le jugement du TPIY

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016