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Serbien – Angriff auf Reality-Shows

Länder: Serbien

Tags: Fernsehen, Reality TV

In diesem südosteuropäischen Land ist nicht jeder von den allseits präsenten Reality-Shows begeistert. Jetzt wurde sogar eine Petition gegen die zahlreichen Formate gestartet. 

 

In Big Brother, Parovi (Die Paare), Ferma (Die Farm) oder Maldivi (Die Malediven) zeigen sich Politiker, längst vergessene Stars und künftige Möchtegern-Sternchen, aber auch Verbrecher und Kriminelle im serbischen Fernsehen. Laut Courrier International wird dem Publikum jeden Tag mindestens eine Folge einer Reality-Show angeboten, und manche haben die Nase voll davon. Bisher haben über 100 000 Menschen die landesweite Petition unterzeichnet, die eine Bürgergruppe gegen das Überhandnehmen dieser Sendungen ins Leben gerufen hat. Sie werfen den Shows vor, „verbale und körperliche Gewalt zu banalisieren“ und „explizite Sex-Szenen“ zu zeigen.  Die Sendungen sind so erfolgreich, dass man sich bei der Belgrader Tageszeitung Blic schon fragt, „ob es in Serbien eine Realität außerhalb von Reality-Shows gibt“.  Außerdem stößt man sich an der Teilnahme des ehemaligen Präsidenten der Serbischen Radikalen Partei, Vojislav Šešelj, an der Sendung Parovi. Er wurde 2012 vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig gesprochen und seine Haft ist derzeit aus gesundheitlichen Gründen ausgesetzt. Blic sieht darin eine „unerhört niveaulose Darbietung“, wie auch der Courrier International wiedergibt. Nichtsdestotrotz sprengt eben diese Darbietung jegliche Zuschauerrekorde.

 

 

Gehe dahin zurück, woher du gekommen bist, und Urlaub im Protektorat

 

 

Die Initiative gegen die Reality-Shows hat ihrerseits Gegner. Für Milomir Marić, Direktor von Happy TV, einem der wichtigsten Fernsehsender des Landes, sind sie „ein Spiegel Serbiens, man setzt sich für ihre Zerschlagung ein, weil sie ein Bild zeigen, das uns nicht gefällt“. Eine weitere serbische Tageszeitung, Politika, erkennt in der Petition eine gewisse Herablassung gegenüber einem von solchen Sendungen begeisterten Publikum: „Glauben die Initiatoren, dass die Zuschauer solcher Programme einen Vormund brauchen? Oder dass sie nicht mit der Fernbedienung umgehen können?“

Le Figaro weist darauf hin, dass Reality-Shows mit ausgefallenen Konzepten und mehr oder weniger geschmacklosen Drehbüchern nicht nur in Serbien eine Blütezeit erleben. Im Frühjahr 2015 hat VoxPop schon einmal über zwei umstrittene neue Reality-Shows berichtet. Die eine Sendung ist vom australischen Vorbild Go back where you came from (Gehe dahin zurück, woher du gekommen bist) inspiriert und soll bald in Belgien gezeigt werden. In der Show „spielen“ Berühmtheiten und Unbekannte Flüchtlinge und leben unter Bedingungen, wie sie in Flüchtlingslagern herrschen. Die andere, Dovolená v protektorátu, läuft in der Tschechischen Republik, heißt übersetzt Urlaub im Protektorat, und schickt die Kandidaten zurück in die Nazizeit, in ein kleines Bergdorf im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016